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03.11.1995

Ex-Digital-Schulungsabteilung ist keine Ausnahme Ditec: Trend zum Outsourcing von Training wird sich verstaerken

MUENCHEN (hk) - Der Trainingsbereich von Digital, jetzt bei Ditec, kommt langsam auf die Fuesse. Wigand Cramer geht in einem CW- Gespraech auf aktuelle Entwicklungen im DV-Schulungsmarkt ein und skizziert die Situation im Trainingsgeschaeft bei seinem Arbeitgeber.

Wigand Cramer hat ein schweres Jahr hinter sich, ein noch schwierigeres koennte folgen. Er leitete bisher in der Ditec- Geschaeftsleitung das Ressort Schulung. Nun muss er sich unter anderem mit dem Thema Mitarbeiterbeteiligung herumschlagen und sich auch um eine Zusammenfuehrung der Mitarbeiter von Digital und Kienzle kuemmern - im Sinne einer gemeinsamen Unternehmenskultur. Denn, "was das betrifft, sind Unterschiede nach wie vor gross", so Cramer.

Ditec ist bekanntlich eine Mitarbeitergesellschaft und ging vor etwa eineinviertel Jahren aus Digital hervor (siehe CW Nr. 38 vom 22. September 1995, Seite 77: "Ditec stellt sich mit Service und Software der Bewaehrungsprobe"). Der amerikanische Computerriese will sich auf das "Kerngeschaeft" konzentrieren, wie das heute in der Management-Sprache heisst, und gliederte etwa 1500 Mitarbeiter in die Ditec aus. Darunter auch das Trainingsgeschaeft.

Cramer glaubt, dass sein Unternehmen auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle im Digital-Konzern spielt. Dies sei die erste komplette Ausgliederung von Schulung, zu der sich sein Ex- Arbeitgeber entschlossen habe. "Die Amerikaner beobachten genau, ob es laeuft, und wenn ja, werden sie das Seminar-Outsourcing weltweit durchziehen", ist der Ditec-Manager ueberzeugt. Er geht davon aus, dass sich diese Entwicklung gerade im Trainingsgeschaeft verstaerkt fortsetzen wird: "Schulung gehoert halt nicht zum Kerngeschaeft der meisten Betriebe", damit muessten sich viele Mitarbeiter, die sich in diesem Umfeld bewegen, abfinden.

Aus Gespraechen mit Manager-Kollegen in anderen Unternehmen weiss er, dass diese Entscheidung auch dort ansteht. Einige Grosse praktizieren es bereits: Zum Beispiel hat IBM seit drei Jahren seine eigene Bildungsgesellschaft, und der Volkswagenkonzern gliederte Anfang dieses Jahres Schulung und einen Teil der Personalentwicklung in die VW Coaching GmbH aus.

Stolz ist der Ex-DV-Dozent und Ex-Digital-Betriebsrat vor allem darauf, dass sich die Umsatzzahlen in seinem Unternehmensbereich zu stabilisieren beginnen. Nach einem kontinuierlichen Rueckgang der Einnahmen in den letzten vier Jahren von etwa 48 auf 27 Millionen Mark sehe er wieder Licht am Horizont und sei zuversichtlich, naechstes Jahr die 30-Millionen-Marke zu ueberschreiten.

Auch am Ex-Digital-Trainingszentrum gingen Rezession und die Veraenderungen in der DV-Industrie nicht spurlos vorbei. Frueher profitierte der Seminarbereich, wie bei den anderen DV-Herstellern auch, vom grossen Angebot an Produktschulungen. "In Muenchen zum Beispiel hatten wir bei Digital in den besten Zeiten 48 Klassenraeume, heute sind es nur noch 14", erzaehlt Cramer. Das haenge unter anderem damit zusammen, dass sich die Wuensche der Kunden veraendert haetten, weg vom externen Seminarbesuch hin zu praxisorientierten, auf die Beduerfnisse des Anwenders zugeschnittenen Inhouse-Kursen.

Und weiter: Vor zehn Jahren machten 30 Prozent des Angebotes die Programmierlehrgaenge aus, heute sei dies nur noch ein kleiner Teil des Katalogs. Auch das klassische Produkttraining sei immer weniger gefragt. "Kein vernuenftiger Anwender bindet sich heute noch an einen Hersteller", glaubt Cramer.

Ditec profitiert auf jeden Fall davon, dass Digital nach drei harten Jahren der Umstrukturierung und des Personalabbaus einen grossen Schulungsbedarf angemeldet hat. Digital, so ist im Vertrag festgelegt, muss seine Mitarbeiter bei Ditec schulen. Immerhin macht die Mitarbeitergesellschaft etwa ein Drittel ihres Trainingsumsatzes mit seinem Hauptkunden. Und noch zwei weitere Entwicklungen beeinflussen positiv das Ergebnis.

Erstens: Digital hat nur noch in drei Laendern Ausbildungsstaetten. Nun kommen Mitarbeiter aus ganz Europa, um sich in Muenchen weiterzubilden.

Zweitens: Durch Digitals weltweite Partnerschaft mit Microsoft muessen sich Techniker, die mit Produkten des Softwareriesen arbeiten, zertifizieren lassen - was wiederum mehr Training zur Folge hat.

Weitere Schwerpunkte werden Kurse und Beratung rund um das Thema ISO-9000-Zertifizierung sein, dazu kommen Multivendor-Seminare. Zwar denkt Cramer genau wie sein IBM-Kollege Rolf Apitzsch an Online-Kurse, allerdings macht er sich noch wenig Hoffnung auf das grosse Geschaeft. Zum einen fehle eine Didaktik des Online- Unterrichts, zum anderen seien die Telefonkosten bisher zu hoch.