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03.02.1995

Ex-DV-Chef zieht Bilanz Vorstaende wollen Probleme und nicht DV-Abteilung outsourcen

MUENCHEN - Druck vom Vorstand - "Wir muessen sparen" - und Unzufriedenheit bei den Fachabteilungen - "Wo bleibt der Service?" - haben die DV-Chefs und ihre Mitarbeiter in eine missliche Lage gebracht. Carsten Mueller analysiert im Gespraech mit CW-Redakteur Hans Koeniges die aktuelle Situation und zeigt, wie es mit den DV- Abteilungen weitergehen koennte.

CW: Haben sich die Karriereperspektiven fuer DV-Leiter verschlechtert?

Mueller: Karriere als Org./DV-Chef zu machen ist nicht einfach. Kaum ein Vorstandsmitglied moechte fuer das Thema DV verantwortlich sein, weil er damit im Kollegenkreis immer angreifbar ist. Die Geschaeftsleitung sagt grundsaetzlich, dass die DV-Ausgaben zu hoch seien. Die Vorstaende tun dies allerdings ohne konkrete Kenntnis ueber das Kosten-Nutzenverhaeltnis ihres DV-Budgets. Das Starren auf Kennziffern allein - DV-Kosten im Verhaeltnis zum Umsatz - ist nicht hilfreich auf dem Weg zum modernen Informations-Management.

CW: Und wenn sie sich auskennen?

Mueller: Vorstaende reden gerne von der Bedeutung der IT fuer ihr Unternehmen, und sie haben auch von Client-Server und Standardsoftware gehoert. Aber das Thema interessiert nur deshalb, weil sie sich davon ein niedrigeres DV-Budget versprechen. Das ist allerdings eine Milchmaedchenrechnung.

CW: Wieso?

Mueller: Tatsache ist, dass sich die DV in die Fachabteilungen verlagert und dadurch zum Beispiel "Schattenbenutzerservices" entstehen. Die Kosten der PC-Betreuung und der teilweise unproduktiven PC-Nutzung sind in keiner Kalkulation erfasst.

CW: Wenn nichts mehr klappt, wird Outsourcing betrieben?

Mueller: Die Vorstaende wollen ihre Probleme und nicht die DV outsourcen.

CW: Wie sehen die Ueberlebenschancen des DV-Chefs aus?

Mueller: Seine Aufgabe besteht zunaechst darin, die unterschiedlichen DV-Welten zusammenzufuehren. Er muss aus seiner RZ-Produktion und Software-Entwicklung eine Serviceabteilung machen und mit gutem Beispiel vorangehen. Vorteilhaft ist sicherlich auch, wenn er neue Themen schnell abdeckt und konkrete Loesungen vorweisen kann.

CW: Das soll reichen?

Mueller: Die DV-Abteilung muss sich natuerlich um einen groesseren Einfluss auf die organisatorischen Ablaeufe des Unternehmens bemuehen. Der DV-Chef versteht in der Regel zuwenig vom operativen Geschaeft der Fachabteilungen. Er sollte in der Lage sein, die Prozesse zu analysieren und gegebenenfalls zu reorganisieren.

CW: Zum Beispiel in Form von Projekten?

Mueller: Es grassiert das Projektfieber. Ich sehe aber folgende Schwierigkeit: Bei DV-Projekten nehmen die beteiligten Fachabteilungen eine Konsumentenhaltung ein nach dem Motto: Wer zahlt, hat damit schon genug geleistet. Zudem sitzt in diesen Projekten oft die zweite und dritte Garnitur, der Starvertriebsmann soll ja verkaufen. Die Konsequenz lautet aus meiner Sicht, die Projektleitung nur noch an die Fachabteilung zu vergeben. Die hat dann auch ein grosses Interesse, die richtigen Leute zu bekommen und leistet damit einen Beitrag zum Project- ownership.

CW: Was wuerden Sie also als Vorstand mit Ihrer eigenen DV tun?

Mueller: Ich wuerde sie dem Markt aussetzen, Konkurrenz belebt das Geschaeft. Fachabteilungen schreiben Projekte aus, und die interne DV bewirbt sich als Dienstleiter darum. Wenn die DV-Abteilung in ihrem Budget zum Schluss mit einem ausgeglichenen Ergebnis abschliesst, ist das in Ordnung.