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21.06.2002 - 

Amdahl, Comparex und Unisys mit ähnlichem Geschäftsmodell

Ex-Mainframer satteln auf IT-Services um

MÜNCHEN (kk) - Amdahl, Comparex und Unisys, die ehemaligen Anbieter von Großrechnern und Highend-Servern, haben ihr Geschäftsmodell völlig geändert und tummeln sich nun im Markt für IT-Services.

Mit der zunehmenden Dezentralisierungsbewegung in den 90er Jahren und der damit verbundenen Abkehr vom Mainframe gerieten die IBM-Kontrahenten im Großrechnergeschäft in Schwierigkeiten. Unisys, 1986 aus der Fusion von Sperry und Burroughs entstanden, hat sich Ende der 90er Jahre auf das Geschäft mit Intel-Rechnern festgelegt und dafür eine Reihe von technischen Feinheiten entwickelt, die die PC-Prozessoren zu Multiprozessormaschinen skalieren ließen. Heute holt Unisys weltweit allerdings nur mehr 25 Prozent seines Umsatzes aus dem Geschäft mit Rechnern und Zubehör. Drei Viertel der Einnahmen stammen aus dem Verkauf von Dienstleistungen, Tendenz steigend.

Client-Server statt Mainframes

Der einst renommierte Hersteller Amdahl, bereits 1970 vom legendären Ex-IBMer Gene Amdahl aus der Taufe gehoben, stieg hauptsächlich wegen des Preisverfalls aus dem Mainframe-Business aus. Hans-Ulrich Spiecker, Berater für Migrationsservices bei Amdahl, nennt Zahlen: "Im Jahr 1985 zahlten Anwender noch 800000 bis 900000 Mark pro MIPS, im Jahr 2000 waren es nur noch 2000 Mark."

Comparex war in Deutschland für den Verkauf der Großrechner von Hitachi verantwortlich und musste tatenlos miterleben, wie die Japaner Ende der 90er Jahre die Entwicklung neuer Rechnerboliden aufgaben.

Amdahl und Comparex stellten in der Folge auf den Vertrieb von Client-Server-Hardware um. Bei den Servern setzten beide Unternehmen auf das Angebot von Sun, bei den Highend-Speichern auf EMC (Comparex) und Storagetek (Amdahl) als Lieferant. Beiden gemeinsam ist, dass sie ihre Selbständigkeit aufgaben: Amdahl flüchtete sich 1997 ganz unter die Fittiche des japanischen Fujitsu-Konzerns. Comparex steht seit 1999 vollständig unter der Kontrolle der ehemaligen Persetel aus Südafrika. Außerdem ließen sich die Ex-Mainframer von dem damals höchst lukrativen Geschäft mit Services und Consulting locken, allerdings mit unterschiedlichen Ausprägungen.

Service und Integration

Während sich Amdahl als reiner Dienstleister versteht, bezeichnet sich Comparex als Integrator. Der Unterschied zeigt sich in den Umsatzstrukturen der beiden Unternehmen. Die Comparex Holding erzielte im Geschäftsjahr 2000/01 (Ende: 31. Mai 2001) nur 36 Prozent des Umsatzes mit Services - fast so viel, wie im Bereich Storage (34 Prozent) erreicht wurde. Bei Amdahl in Deutschland stammen 71 Prozent des Umsatzes aus dem Servicegeschäft und nur 29 Prozent aus dem Verkauf von Hardware, von der 80 Prozent den Namen Sun trägt. Unisys Deutschland profitiert ebenfalls stark von den Services, mit denen die Company mehr als 75 Prozent aller Einnahmen erzielt. Der Dienstleistungsbereich wuchs im vergangenen Jahr um zwölf Prozent. Die vier wichtigsten Geschäftsfelder dafür sind Transportwesen, Telekommunikation, Medien und Finanzwirtschaft.

Unter den führenden zehn Anbietern im europäischen Servicegeschäft sind aber weder Comparex noch Unisys zu finden. Hier hält laut einer Gartner-Studie IBM den Spitzenplatz. Allerdings erreichen auch Big Blues Global Services nur einen Anteil von 5,2 Prozent. Fujitsu findet sich in der Auflistung mit einem Marktanteil von 1,3 Prozent auf Platz neun wieder. Gartner hat in diesem Ergebnis aber die Umsätze von Fujitsu sowie den Töchtern Amdahl, ICL und DMR zusammengefasst.

Der Outsourcing-Boom

Nach einer anderen Studie von Forrester Research soll der europäische Markt für IT-Services in diesem Jahr ein Volumen von über 81 Milliarden Euro aufweisen. Knapp die Hälfte davon werden mit der Systemintegration verdient werden. Glaubt man den Forrester-Analysten, ist damit der Zenit dieses Geschäftszweigs erreicht: Ab 2003 steigt zwar der prognostizierte tatsächliche Umsatz noch weiter leicht an, aber der Gesamtmarkt für IT-Services wächst viel stärker. Gewinner der neuen Entwicklung wird ab dem kommenden Jahr das IT-Outsourcing sein.

Dafür sieht sich der Integrator Comparex bestens gewappnet, da das Unternehmen im angestammten Markt Südafrika bereits als Outsourcer tätig ist und dort nach eigenen Angaben den Spitzenplatz einnimmt. In Deutschland erledigt das Unternehmen bislang nur für manche Kunden das Facility-Management. "Der nächste Schritt, den wir in Europa gehen werden, ist das Outtasking", erklärt Rian du Plessis, bei Comparex Chief Executive Officer, die Strategie. Dazu sollen Teilaufgaben des Kunden, etwa das Speicher-Management, vollständig übernommen werden.

Gerade im Speicherbereich rechnet sich Comparex gute Chancen aus: Egal, wie die Konjunktur verläuft, die Datenmengen steigen unaufhörlich an. Erweiterungen kann man zwar eine bestimmte Zeit lang aufschieben, aber irgendwann muss die Anlage vergrößert werden, so die Überlegungen bei Comparex. Die Company hat in der Deutschland-Zentrale in Mannheim ein Testzentrum eingerichtet, in dem Kunden ihre neue Infrastruktur auf Interoperabilität mit der bestehenden IT-Umgebung überprüfen können.

Das Segment Outsourcing will auch Unisys verstärkt bedienen. In den USA agiert das Unternehmen in diesem Bereich bereits recht erfolgreich und erzielte mit Outsourcing-Dienstleistungen im Geschäftsjahr 2001 einen Anteil von 29 Prozent an der Servicesparte, die einen Gesamtumsatz von 4,45 Milliarden Dollar erreichte. Deutschland-Chef Max Müller setzt den Schwerpunkt dabei auf drei Gebiete: Informationstechnologie-Outsourcing (ITO), Managed Application-Services (ASP) und Geschäftsprozess-Outsourcing (BPO).

Für ITO, das klassische Outsourcing, betreibt Unisys weltweit 23 Servicezentren, vier davon in Europa. Dem ausgelagerten Betrieb ganzer Rechenzentren oder zumindest Teilen davon werden aber geringere Wachstumschancen eingeräumt als ASP und vor allem BPO. Das Auslagern ganzer Geschäftsprozesse, beispielsweise Personalwesen oder Kundenbetreuung, soll jährlich um mehr als 20 Prozent zunehmen.Unisys will diesen Markt verstärkt bedienen und hat dazu drei BPO-Tochtergesellschaften gegründet, die ihre Kompetenz im Finanzbereich haben.

Service-Richtlinien

Amdahl hat rund um das Serviceangebot mit "Adaptive Integration" (AI) gleich ein ganzes Framework gestrickt, das alle Phasen eines Infrastrukturprojekts abdecken soll. Ziel ist es, die angepeilte Lösung mit einer konsistenten Vorgehensweise auf ihre Machbarkeit hin zu untersuchen, das Design dafür zu entwerfen, sie zu implementieren und zu betreiben. Dazu schult Amdahl das eigene Servicepersonal gemäß den Richtlinien "IT Infrastructure Library" (Itil), die das IT Service Management Forum herausgibt.

Der Dienstleister mit Hauptsitz in München hat vor einem halben Jahr von der Konzernmutter in Japan eine schwierige Aufgabe übertragen bekommen: Die Vermarktung der Speicher-Arrays "GR730" und "GR740". Damit konkurriert Amdahl mit der Halbschwester Fujitsu-Siemens, die darauf besteht, weiterhin die Speicher von EMC zu verkaufen. Auch im Paket mit Sun-Servern wird Amdahl die hauseigenen Speicher nicht absetzen können, denn Sun führt das eigene "T3"-Array sowie Hitachis "Lightning" im Sortiment.

Interessenskonflikte

Die Beziehungen zu Sun Microsystems dürften auf Dauer auch bei den Unix-Rechnern getrübt werden: Fujitsu hat sich durch die Übernahme der Prozessorschmiede HAL Computer das Know-how über Sparc-Chips ins Haus geholt. Daraus entstand in der Folge eine Familie von Solaris-Rechnern, die den Sun-Maschinen durchaus ebenbürtig ist.

Im Bereich des Hardwarevertriebs wird Amdahl anscheinend zwischen den Interessen der Konzernmutter, der -schwester und des Technikpartners zerrieben. Als sichere Bank bleibt vorerst nur das Servicegeschäft. Dort zehrt das Unternehmen aufgrund seiner Mainframe-Tradition noch von den Kontakten in die IT-Zentralen der Unternehmen und vom guten Amdahl-Namen. Doch auch hier droht Gefahr: In den USA wurde Amdahl bereits in den Fujitsu-Konzern eingegliedert und musste Namen und Eigenständigkeit aufgeben.