Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

25.09.1998 - 

Der "Insider" war ein anderes Vorstandsmitglied

Ex-SAP-Manager Wahl wehrt sich gegen böse Vorwürfe

25.09.1998

CW: Stimmen Gerüchte, denen zufolge Sie SAP verlassen haben, weil Sie in Insider-Geschäfte verwickelt gewesen sein sollen?

Wahl: Das ist definitiv falsch. Diese Behauptung grenzt an Rufschädigung. Ich sage Ihnen jetzt noch einmal deutlich, und Sie können es auch schriftlich haben: Ich bin nicht das Vorstandsmitglied, gegen das im Zusammenhang mit verbotenen Insider-Geschäften ein Bußgeld verhängt wurde. Ich habe zu keiner Zeit mit einem Staatsanwalt oder einer Aufsichtsbehörde irgendeinen Kontakt gehabt.

CW: Warum gibt SAP nicht eine Stellungnahme heraus, die Sie entlastet?

Wahl: Das kann ich gut verstehen. Der Vorstandskreis ist nicht unendlich groß, so daß Spekulationen aufkommen könnten. SAP will Unruhe vermeiden. Jedenfalls habe ich eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, daß ich keine unerlaubten Aktienverkäufe getätigt habe.

CW: Das zweite Gerücht um Ihre Person betrifft die Klage der in Konkurs gegangenen Firma Fox Meyer, die SAP bezichtigt, durch falsche Angaben zur Leistungsfähigkeit von R/3 den Bankrott des Unternehmens herbeigeführt zu haben.

Wahl: SAP hat schon 1993, also vor meiner Zeit als US-Chef, ein Lizenzabkommen mit Fox Meyer getroffen. Wir haben der Firma ein Produkt lizenziert und in vollem Umfang geliefert, das im nachhinein von einem Implementierungspartner modifiziert wurde. Die Software ist mit Produkten anderer Software-Anbieter kombiniert worden, leider hat das ganze nicht zum gewünschten Ergebnis geführt. SAP hat keine Schuld daran. Auch haben wir entgegen den Angaben von Fox Meyer zur Performance keine Versprechungen gemacht.

Der Fall wird für SAP keine Folgen haben. Es ist nicht unüblich, daß ein Konkursverwalter versucht, bei allen möglichen Lieferanten Geld herauszuholen. In den USA bekommen die Rechtsanwälte einen Teil der Klagesumme als Honorar - kein Wunder also, daß die Beteiligten einen möglichst hohen Streitwert durchsetzen wollen.

CW: Die Schuld liegt demnach bei Andersen Consulting?

Wahl: Andersen ist schon vorher verklagt worden. Meines Wissens sind aber auch andere Softwarelieferanten betroffen. Das Grundproblem liegt wohl im Defekt eines Warehouse-Management-Systems, das nicht von SAP kam. Die Steuerung, Waren aus einem entsprechenden Lager zu entnehmen, hat nicht vernünftig funktioniert. Entsprechende Software hat SAP gar nicht lizenziert.

CW: Heißt das, SAP gewährt grundsätzlich keine Garantie, wenn Unternehmen Veränderungen an der Software vornehmen? Immerhin gehören Entwicklungs-Tools zum Lieferumfang, die genau dafür vorgesehen sind.

Wahl: Wenn man ein Auto von BMW kauft und anschließend Getriebe und Motor manipuliert, anderes Benzin verwendet etc, dann wird die Werksgarantie kaum erhalten bleiben. Das gleiche gilt für Standardsoftware. Wer eine Modifikation vornimmt, kann die ursprünglichen Eigenschaften nicht mehr einklagen. Das ist doch wohl klar. Aber noch einmal: Weder die Insider- noch die Fox-Meyer-Affäre haben mit meinem Weggang von SAP zu tun.

CW: Warum verlassen Sie dann so überstürzt und noch dazu vor der wichtigsten Hausmesse, der Sapphire in Los Angeles, das Unternehmen?

Wahl: Ich habe eine persönliche Entscheidung gefällt, als Chief Executive Officer zu Tristrata zu gehen. Ich habe mir das gut überlegt. Wenn man einen solchen Plan verfolgt, macht es keinen Sinn, SAP noch auf der Sapphire zu repräsentieren und mit vielen Anwendern strategisch wichtige Gespräche zu führen. Jeder Kunde würde sich düpiert fühlen, wenn ich vier Wochen später ginge. Darüber war ich mir mit dem SAP-Management und dem Aufsichtsrat einig.

CW: Wann haben Sie die Entscheidung gefällt?

Wahl: Anfang September. Ich habe natürlich zuvor ausgiebig Gespräche mit SAP geführt, aber die endgültige Entscheidung fiel erst vor wenigen Wochen. SAP hat daraufhin sofort eine Pressemitteilung herausgegeben - wie es für ein börsennotiertes Unternehmen Pflicht ist.

CW: Meinen Sie nicht, daß Spekulationen ins Kraut schießen müssen, wenn der US-Repräsentant des weltweit zweitgrößten Softwarehauses quasi von einem Tag auf den anderen zu einer Start-up-Company wechselt, die kein Mensch kennt?

Wahl: Tristrata mag noch unbekannt sein, aber das wird sich bald ändern. Es ist das erste Unternehmen, daß eine nicht zu entschlüsselnde Kryptografiesoftware anbieten kann. Das Produkt basiert auf der 1917 entwickelten Verschlüsselungstheorie von AT&T-Entwickler Vernam Cipher.

CW: Handelt es sich um eine Idee oder gibt es schon Produkte?

Wahl: Ich habe mir die Software bei Kunden angesehen. Sie ist für die Verschlüsselung aller Datentypen einschließlich Text, Sprache, Video und Audio geeignet. Jegliche Information kann bei einem Verarbeitungsvolumen von 100 MB pro Sekunde realtime ver- und entschlüsselt werden. Es lassen sich im Broadcast, im Multicast, in Single-Sessions Videos übers Internet verschicken, die in Echtzeit verschlüsselt werden. Überlegen Sie mal, was los ist, wenn das schnelle Internet II kommt. Eine Riesenanzahl an neuen Anwendungen wird entstehen, die durch diese Technologie erst möglich werden. Auch das Mailen im Internet wird quasi über Nacht sicher.

Tristrata hat ein wichtiges Problem der Informationstechnik gelöst: Die sichere und fälschungsfreie Übertragung und Speicherung aller Informations- und Datentypen. Deshalb glaube ich, wir werden relativ schnell einen ehrgeizigen Umsatz generieren.

CW: Warum kennt Tristrata dann niemand?

Wahl: Wir sind noch in der Startphase. Wir haben vor, in den nächsten Monaten einen signifikanten, weltweiten Durchbruch zu schaffen. Im Aufsichtsrat von Tristrata sitzen Topmanager von weltweiter Reputation. Die haben privat investiert. In der Firma steckt kein Geld von Venture-Capital-Anbietern.

CW: Es gab vor Tristrata auch schon eine ganze Reihe von Firmen, die behaupteten, in Sachen Verschlüsselung das Ei des Kolumbus gefunden zu haben.

Wahl: Reden Sie mal mit Fred Piper, anerkannter Spezialist für Datensicherheit von der Universität London. Er wird Ihnen die Qualität des Verfahrens bestätigen. Price Waterhouse/Coopers, eines der größten Beratungshäuser, das signifikant Umsatz macht im Geschäft mit Datensicherheitsberatung, versucht seit einem Jahr, mit einem Tigerteam den Code zu knacken. Das ist bisher nicht gelungen. Die sind so interessiert, daß sie eine Consulting-Truppe mit mehreren hundert Leuten auf diese Technologie trainieren.

Die Firma Vanstar, ein Systemintegrator in den USA, hat für 10000 User Lizenzen erworben und implementiert die Software nun für Kunden und Lieferanten. Was mit diesem Produkt möglich ist, läßt sich nur mit viel Phantasie überreißen.

CW: Reizt es Sie, eine Start-up-Company groß zu machen, oder sind Sie im Unfrieden von SAP gegangen?

Wahl: Ich bin freundschaftlich von SAP geschieden. Die Versuchung, bei Tristrata dabei zu sein, war einfach sehr groß. Wenn Sie sich mal ansehen, was der Gründer und Chairman von Tristrata, John Atalla, vorher schon gemacht hat, dann werden Sie feststellen, daß er wegweisende Entwicklungen angestoßen hat - unter anderem das PIN-System und die Atalla-Box.

Wir können zu großen Firmen gehen und anbieten, das komplette Mail-System, alle virtuellen Netze, die Anbindung aller Außendienstmitarbeiter sicher über das Internet zu realisieren. Wir haben die Software in Exchange und die Desktop-Produkte von Microsoft integriert, ebenso in Lotus Notes. Rechnen Sie sich mal den Kostenvorteil für eine Firma aus! Wir haben viele Anfragen von Banken, Mediengesellschaften, Internet Service Providern etc. Die Möglichkeiten, die wir mit dieser Technologie haben, waren ausschlaggebend für meinen Wechsel zu Tristrata.

CW: Mit Kevin McKay hat SAP einen Nachfolger aus den eigenen Reihen bestellt. War das eine Verlegenheitslösung?

Wahl: Nein. Er ist ein hervorragender Mann. Jeder ist ersetzbar, auch ich. Es war immer mein Ziel, die Organisation so aufzubauen, daß ein Nachfolger für jede Führungsposition bereitsteht. McKay wird genauso erfolgreich sein wie ich.