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30.10.1987

Ex-Wang-Chef backt kleine Unix-Brötchen

Mit John Cunningham, Chairman der Computer Consoles Inc., sprach CW-Redakteur Ulf J. Froitzheim

- Als Sie vor zwei Jahren Wang verließen, um bei Computer Consoles Chairman of the Board zu werden, hatte Wang keine Strategie für Unix. Hatte Computer Consoles bereits eine solche Strategie oder haben Sie diese dort eingeführt?

Nein. Die Unix-Strategie von Computer Consoles geht schon auf das Jahr 1983 zurück. Als ich zu CCI ging, war eine meiner Sorgen die Lebensfähigkeit von Unix - also die Frage, welche Bedeutung dieses Betriebssystem erlangen würde. Denn das war nicht mein Metier: Ich kam von einem Anbieter mit hauseigenem Betriebssystem. Anfangs hatte ich Bedenken. Aber nach einer Analyse der Situation, nach vielen Gesprächen mit Kunden und anderen Herstellern war klar, daß auch die großen Anbieter - Bull, NCR, Sperry, Burroughs, ICL, Harris oder Nixdorf - sich auf Unix verlegten. Nach einem halben Jahr bei CCI stand für mich fest, daß Unix die richtige Strategie war, auch wenn das nicht von vornherein meinen Vorstellungen entsprochen hatte. Es dürfte noch einige Jahre dauern, bis Unix zum Standard wird, aber es wird einer sein. Vernünftige Alternativen gibt es nicht. Wahrscheinlich läuft es auf eine Kombination verschiedener existierender Unix-Varianten hinaus, etwa in Richtung Posix oder Topix.

- Wenn Sie bei Wang geblieben wären, hätten Sie dort auch auf Unix gesetzt?

Während meiner letzten Jahre dort habe ich mich immer als einer derjenigen verstanden, die Wangs Zukunft in der Standardisierung sahen, sowohl was die Kommunikationsfähigkeit - Stichwort: OSI - als auch was die Betriebssysteme angeht. Ein Konzept, mit einer Unix-Version auf dem Wang-Betriebssystem VS aufzusetzen, entstand noch zu meiner Zeit. Schließlich hat eine Firma von der Größe Wangs nur eine minimale Chance, ihr eigenes Betriebssystem in eine künftige Industrienorm einzubringen. Wer aber kein standardisiertes Betriebssystem anbieten kann, wird sich am Markt sehr schwer tun. Wang, auch Data General - all die Firmen, die nichts mit Unix machen, werden wohl demnächst ihre Blessuren abbekommen. Zumindest bei Wang ist das aber, soweit ich das beurteilen kann, dem Management bewußt. Freilich wird die IBM wegen ihrer Marktposition immer einen eigenen Betriebssystemstandard haben.

- Sie vertreiben einen Compiler, der Anwendern von Wangs klassischer Computerbaureihe 2200 die Migration in die Unix-Welt erlauben soll. Ist das ein Versuch, Ihre alten Kunden an Land zu ziehen, die von Wang genug haben?

Wir haben es nicht bloß auf den Wang-Markt abgesehen. Unser sogenanntes "Befreiungsprogramm" gibt es beispielsweise auch für /M/A/I-Basic-Four-Installationen. Die Wang-Basis spielt aber eine spezielle Rolle, weil sie alt ist - die 2200 stammt aus dem Jahr 1972 - und nie auf den technisch neuesten Stand gebracht worden ist. Es gibt für diese Systeme weder virtuelle Speicher noch die Hochleistungsprozessoren, die heutzutage auf dem Markt verfügbar sind. Außerdem: Besonders in der Bundesrepublik ist die 2200 stark verbreitet.

- Ist es nicht viel zu riskant, den europäischen Markt mit einer eigenen Marketingorganisation anzugehen?

Das Führungsteam, das ich bei CCI zusammengestellt habe, besteht überwiegend aus international erfahrenen Leuten. Mit Managern wie John Taylor und Richard Levy, die sich im Weltmarkt wirklich auskennen, die die Infrastrukturen der einzelnen Länder kennen, sehen wir Oberhaupt kein Risiko. In unserem Unternehmensbereich Computer stammen heuer fast 50 Prozent der Einnahmen aus dem internationalen Geschäft: Von 65 Millionen Dollar Umsatz erwirtschaften wir über 30 Millionen außerhalb der USA. Unser Distributorengeschäft ist allerdings noch sehr neu - wir haben damit erst letztes Jahr begonnen. Den restlichen Außenumsatz verdanken wir OEMs wie ICL, Unisys oder Harris.

- Aber jetzt müssen Sie Ihren eigenen Namen bekannt machen!

Natürlich leben wir bisher vom Image unserer Wiederverkäufer. Jetzt versuchen wir halt, mit einer überschaubaren Zahl von Vertriebspartnern ins Geschäft zu kommen. Als "Value-added Resellers" sollen sie auch einen eigenen Beitrag leisten und unsere Produkte mit zusätzlichen Features unter die Leute bringen.

- In vertikalen Märkten?

Ja, in vertikalen Märkten. Dadurch können sie beim Kunden mit ihrer eigenen Reputation auftreten. Aber für den Anwender ist nun transparent, von wem die Maschine eigentlich kommt.

- Was für ein Umsatzziel haben Sie sich für 1988, Ihr erstes Jahr in Deutschland, gesetzt?

Ich nehme an, daß wir, neben dem Umsatz über die ICL-Schiene, irgendwo zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Dollar machen werden; das ICL-Geschäft dürfte ein vergleichbares Niveau haben. Wenn wir alle unsere Pläne verwirklichen können, werden wir 5 bis 6 Millionen Dollar oder rund 10 Millionen Mark in der Bundesrepublik erreichen.