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21.02.1997 - 

Neue Connectivity-Möglichkeiten im alten Gewand (Teil 1)

Exchange 5.0 öffnet die Tür zur Internet-Kommunikation

Das von der Internet-Hysterie geprägte DV-Jahr 1996 ging auch an Microsofts Kommunikationsplattform Exchange nicht spurlos vorbei. Ursprünglich als Notes-Killer angekündigt, entpuppt sich das Release 5.0 nunmehr als Kommunika- tionstalent in Sachen Internet mit Workflow-Qualitäten. Angesichts der radikalen Kehrtwendung, mit der Microsoft-Chef Bill Gates sein Unternehmen 1996 quasi im letzten Moment auf Internet-Kurs trimmte, verwundert es nicht, daß die Entwickler den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Connectivity zum Netz der Netze legten. Dementsprechend stuft Microsoft das Client-Server-System Exchange 5.0 als ein auf Internet-Standards basierendes Messaging- und Groupware-System ein, "das die Vorteile beider Welten" vereinen soll.

Unklar ist allerdings, warum die Programmierer kaum Hand an die Oberfläche des Exchange Servers legten. Während bei Windows 95 mittlerweile die rechte Maustaste ihre Bedeutung hat, fristet sie unter Exchange immer noch ein Schattendasein. Ebenso unerfreulich bleibt die Konfiguration der Plattform: Wie bei der Version 4.0 ist die Benutzerführung im Release Candidate 1 der neuen Generation gewöhnungsbedürftig und dürfte nicht jeden Geschmack treffen. Zudem stechen Neuerungen wie die Toolbar oder die Server-Auswahl über ein Pop-up-Menü erst auf den zweiten Blick ins Auge.

Vereinfacht hat sich dagegen gegenüber der Version 4 die Grundinstallation. Sie erfolgt nun ohne Rückfragen, und Assistenten greifen dem Administrator bei der Einrichtung helfend unter die Arme. Unverständlich bleibt aber, warum die Konfiguration teilweise direkt über das Administrationsprogramm des Servers erfolgt, teilweise aber auch über den Client. Probleme, die, glaubt man einer Studie der amerikanischen Burke-Marketing-Research, zumindest US-Administratoren als weniger gravierend empfinden. 65 Prozent der Befragten bevorzugten die Administrationsoberfläche des Microsoft-Produkts gegenüber den Konkurrenten "Lotus Domino" und "Netscape Mail Server".

Ein Teil der Verwaltungsschwierigkeiten rührt wohl daher, daß der Exchange Server zwar intern mit einem Directory gemäß X.500 arbeitet, bei der Verwaltung der Server aber immer wieder die Unzulänglichkeiten des Domain-Konzepts (siehe CW Nr. 5 vom 31. Januar 1997, Seite 23) zutage treten. Kein Wunder, daß sich viele Administratoren einen Verzeichnisdienst ähnlich dem von Exchange auch im NT Server wünschen. Aufgrund dieser Abhängigkeit zwischen Exchange und dem darunterliegenden Windows NT ist bei der Installation besonders auf die Vergabe der Service-Accounts zu achten. Stimmen diese nicht mit den Pendants in NT überein, kommt es später zu Schwierigkeiten, und die Verbindung zwischen verschiedenen Servern klappt nicht.

Die Mutterplattform NT tritt auch an anderer Stelle in Erscheinung: Wie in NT, wo Netzfunktionen als Services gestartet werden, setzt sich die Funktionalität des Exchange Servers aus Services zusammen, die, von Ausnahmen abgesehen, automatisch gestartet werden. Im Bedarfsfall kann der Systembetreuer diese dann auch von Hand herunterfahren, um beispielsweise Fehler einzugrenzen.

Zu den vier Hauptdiensten von Exchange gehören der "Directory Service", der "Message Transfer Agent" (MTA), der "System Attendant" sowie der "Information Store" mit öffentlichen und privaten Postfächern. Optional stehen noch der "Directory Synchronization Service" sowie verschiedene Connectoren und mögliche Kommunikations-Tools Dritter wie etwa Faxdienste zur Verfügung. Das Zusammenspiel der Dienste veranschaulicht die Abbildung auf Seite 29.

Unter Connectoren versteht die Gates-Company Gateways, die die Verbindungen zu anderen Kommunikationswelten herstellen. Verglichen mit Gateways haben Microsoft zufolge die Connectoren allerdings eine höhere Performance. Das Unternehmen selbst liefert Connectoren für MS-Mail, cc:Mail, Network News Transfer Protocol (NNTP), Simple Mail Transfer Protocol (SMTP), Post Office Protocol 3 (POP3), WWW und Lightweight Directory Ac- cess Protocol (LDAP). Um die WWW-Funktionalitäten zu nutzen, muß allerdings gleichzeitig ein Internet-Server auf Basis des in der Version 3.0 mitgelieferten "Internet Information Server" eingerichtet werden.

Von diesem Manko abgesehen, eröffnet Exchange dem Anwender damit bereits in der Standardausführung neben der Unternehmens-E-Mail die gesamte Welt der Internet-Kommunikation. Gerade hier liegt ein großes Sparpotential, da dank NNTP beispielsweise die Newsgroups nur noch einmal zentral geladen werden müssen und somit sich nicht jeder Anwender einzeln ins Internet einloggen muß. Eine Möglichkeit, Online-Verbindungen zu reduzieren.

Zwei weitere Connectoren gehören zum Lieferumfang der Enterprise-Edition. Diese beinhaltet zusätzlich zur Standardausführung einen X.400- sowie einen Exchange-Connector, der zur Koppelung zweier Exchange Server erforderlich ist.

Um die Sicherheit gerade in offenen Netzen wie dem Internet zu erhöhen, verfügt die Plattform über einen sogenannten Key-Management-Server, mit dem sich die Dienste "Sealing" und "Signing", also Verschlüsselung und digitale Unterschrift, realisieren lassen. Während die vorliegende US-Version des Release Candidate 1 hierzu ein 64-Bit-Verfahren verwendet, wird die deutsche Ausführung aufgrund der amerikanischen Exportbestimmungen nur einen 40 Bit langen Mechanismus unterstützen.

Für Administratoren, die nicht nur auf die Kommunikation via Internet setzen, sondern auch andere Plattformen im Einsatz haben, enthält der Exchange Server ein weiteres Schmankerl: Mit Hilfe des "Novell Groupwise Source Extractor" sowie dem "Collabra Share Source Extractor" und einem "Notes Extractor" hat der Administrator einen Migrationspfad zu Exchange. Die Tools extrahieren hierzu die User-Accounts, Mailboxes, Schedules und Adreßbücher und konvertieren sie in das Microsoft-Format.

Die von Exchange unterstützten Clients sowie die Workflow-Funktionen der Kommunikationsplattform sind Thema des zweiten Teils.

Exchange-Tips

-Die Remote-Procedure-Call-(RPC-)Bindungen der Clients sollte in der gleichen Reihenfolge wie beim Server erfolgen. Ansonsten sind die Verbindungen sehr langsam. Hierauf ist besonders in Multiprotokoll-Umgebungen zu achten.

-Die Serviceaccounts unter NT müssen gleichlautend sein, da sonst Domain-übergreifende Verbindungen nicht funktionieren.

-Soll in einem Unternehmen mit verschiedenen Produktionsstätten Exchange eingesetzt werden, ist zu berücksichtigen, daß die Server nicht als dem gleichen Netzstandort zugehörig beziehungsweise mit gleicher Unternehmensbezeichnung installiert werden. In diesem Fall können nämlich die intensive Nutzung von Public Folders sowie simultane MTA- und Directory-Kommunikation (wie Replizierung) schnell die Übertragungskapazitäten der WAN-Verbindung erschöpfen.

-Die Wahl des Lizenzierungs-Modells muß gut überlegt sein. Microsoft bietet hier die Möglichkeit der Site- sowie der User-Lizenzierung. Vor allem das Abrechnungsmodell nach Anwenderzahl verbirgt einen Fallstrick, wenn die Plattform zur öffentlichen Kommunikation mit dem Internet dienen soll, da hier die Zahl der benötigten Lizenzen kaum kalkulierbar ist.(wird fortgesetzt)