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03.09.1993 - 

Der Gastkommentar

Executive Information Systems kein System fuer die Executives?

Der heutige Topmanager ist - glaubt man empirischen Befunden - etwa 50 Jahre alt, maennlichen Geschlechts und hat eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung genossen. Seine Arbeitszeit liegt bei deutlich ueber 50 Stunden in der Woche, seine Arbeitsinhalte sind meist durch schnell wechselnde Arbeitssequenzen gekennzeichnet, ueberwiegend unstrukturiert und stark von seiner Persoenlichkeit beeinflusst.

Topmanager bevorzugen die verbale Kommunikation, die von ihnen zu verarbeitenden Informationen weisen haeufig "weichen" Charakter auf, sind also eher nicht in "hard facts" darstellbar.

Haelt man sich diese Charakteristika vor Augen, draengt sich unmittelbar die Frage auf: Ist es heute ueberhaupt moeglich, das Topmanagement mit der am Markt verfuegbaren Informationstechnologie effizient zu unterstuetzen? Eine Recherche angebotener DV-Werkzeuge und der in der Praxis eingesetzten Executive Information Systems (EIS) stimmt eher pessimistisch.

So basieren viele Systeme primaer auf internen, Controlling- orientierten Daten, vernachlaessigen die Kommunikationsprozesse und erfordern vom Benutzer trotz sogenannter intuitiver Benutzerfuehrung haeufig noch - unter Fuehrungskraeften eher selten anzutreffende - Tastaturkenntnisse, wie beispielsweise bei der Login-Prozedur oder der Kommentierung von Informationen.

Da Manager in den meisten Unternehmen bereits vorzueglich - sozusagen mit bester Performance - von Controllern, persoenlichen Assistenzkraeften, Sekretariaten und entscheidungsvorbereitenden Staeben unterstuetzt werden, kann man sich leicht vorstellen, dass solche Systeme in der obersten Unternehmensleitung kaum eine Chance haben.

Vielmehr koennte man annehmen - und diese Meinung herrscht auch haeufig in der Praxis vor -, dass die heutigen Executive Information Systems wohl eher fuer die mittleren Fuehrungsebenen, Staebe und die sonstigen Entscheidungsvorbereiter von Nutzen sind. Diese Benutzergruppen, die von je her mit den Aufgaben der Informationsaufbereitung, der Praesentation und Kommentierung fuer das Topmanagement beschaeftigt sind, erhielten durch EIS - so wird argumentiert - ein echtes Rationalisierungswerkzeug, da sie nun die komplexen, meist nicht vorhersehbaren Management-Anfragen wesentlich schneller, qualitativ hochwertiger und auch preiswerter erzeugen koennten.

Sind Executive Information Systems also nichts fuer Executives, sondern fuer deren Mitarbeiter? Man wuerde es sich zu leicht machen, wenn die Diskussion so beendet wuerde. Eines ist klar: Wenn der Einsatz von EIS dem Topmanagement keinen groesseren Nutzen bietet als die herkoemmliche Unterstuetzung, werden die Systeme in der obersten Unternehmensleitung wohl kaum eingesetzt.

Warum sollte auch ein Manager nun selbst die Aufgaben uebernehmen, die er vorher elegant durch andere hat erledigen koennen? Das waere so, als wuerde einem die Putzhilfe weggenommen und man bekaeme statt ihrer einen elektrischen Staubsauger geschenkt. Die EIS- Problematik muss anders angegangen werden. Der Erfolg von EIS kann sich langfristig nur dann einstellen, wenn diese Informationssysteme einen fuer den Manager spuerbaren groesseren Nutzen bieten als die bisherige konventionelle Unterstuetzung.

Die nachgefragten Informationen muessen zum einen schneller und billiger zu bekommen sein als konventionell. Zum anderen sind die Charakteristika der Manager-Taetigkeiten - also die verbale Kommunikation und Kommentierung von Sachverhalten, die Einbindung von weichen Informationen wie Stimmungen, politischen Stroemungen etc. - staerker als bei den heutigen Systemen zu beruecksichtigen.

Das EIS muss fuer Fuehrungskraefte zum persoenlichen, frei verfuegbaren Hilfs- und Kommunikationsmittel werden und so selbstverstaendlich verwendet werden koennen wie heute beispielsweise der Taschenrechner oder das Telefon.

EIS-Hersteller und EIS-Entwickler muessen sich diesen Anforderungen stellen. Die erforderlichen Technologien - allen voran der sich stuermisch entwickelnde Multimedia-Bereich - sind eigentlich schon verfuegbar. So lassen sich bereits - wie EIS- Prototypen zeigen - sprachliche Anmerkungen, Voice-Mailing, gescannte und verbal kommentierte Berichte, Bilder und Videos etc. in Executive Information Systems wirkungsvoll einbinden.

Ohne diese Management-Orientierung werden EIS auf den oberen Fuehrungsebenen wohl kaum durchschlagenden Erfolg haben, sondern bestenfalls isolierte Werkzeuge des Controllings und der delegierbaren Entscheidungsvorbereitung bleiben.

In diesem Falle wuerde sich dann allerdings die Frage nach einem neuen Namen fuer diese DV-Systeme aufdraengen: Executive Information Systems duerften sie auf jeden Fall nicht heissen.