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24.06.2016 - 

Stagnierender Umsatz

Expert nimmt sich eine Verschnaufpause

Dr. Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Nach zwei wachstumsstarken Jahren ging bei Expert der Umsatz im zurückliegenden Geschäftsjahr leicht zurück. Der ambitionierte Flächenausbau der vergangenen Jahre wurde gestoppt. Schwerpunkte sind nun Online und das Service-Geschäft.
Expert-Chef Volker Mueller ist trotz stagnierendem Umsatz mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr zufrieden
Expert-Chef Volker Mueller ist trotz stagnierendem Umsatz mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr zufrieden
Foto: Expert

Nach 1,5 Prozent Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2013/14 kam Expert 2014/15 auf ein Plus von ganzen 5,5 Prozent - und setzte sich damit eindrücklich vom rückläufigen Trend in der CE-Branche ab. Diese Entwicklung ist nun erst einmal gestoppt: Im Ende März 2016 abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 kam die Verbundgruppe auf ein leichtes Minus von 0,2 Prozent. Der Innenumsatz zu Industrieabgabepreisen ohne Mehrwertsteuer., der aus dem Einkauf der angeschlossenen Gesellschafter resultiert, betrug 2,08 Milliarden Euro (Vorjahr 2,09 Milliarden Euro).

Zu dem stagnierenden Umsatz passt, dass sich bei Expert auch die Verkaufsfläche leicht reduzierte: Diese ging von 451.000 qm auf 448.000 qm zurück. Und mit der Eröffnung von drei neuen Fachmärkten (insgesamt: 271 Fachmärkte) blieb die CE-Verbundgruppe ebenfalls deutlich hinter dem ambitionierten Expansionskurs der letzten Jahre - Expert übernahm 18 ehemalige Promarkt-Filialen und baute das Netz der zentral betriebenen Regiebetriebe entschlossen aus. In der Expert-Zentrale in Langenhagen scheint man sich also eine Verschnaufpause verordnet zu haben.

Expert-Chef Müller trotz allem zufrieden

Bei der Präsentation der Geschäftszahlen zeigte sich Expert-Chef Volker Müller dennoch mit dem Erreichten zufrieden: "Mit diesem Ergebnis haben wir unsere starke Position im hart umkämpften Marktumfeld verteidigt. Durch die Nutzung aller Marktchancen und -potentiale ist es uns gelungen, die anhaltende Schwäche des Fernsehmarkts im Wesentlichen auszugleichen."

Betrachtet man die Warengruppen, lassen sich auch einige positive Impulse in dem abgelaufenen Geschäftsjahr ausmachen: Im Sektor Elektrohausgeräte verzeichnete die Verbundgruppe ein Umsatzplus von 3,6 Prozent - erstmalig hat dieser Bereich die Unterhaltungselektronik als umsatzmäßig wichtigste Warengruppe überholt. Im Fokus des Kundeninteresses standen nach wie vor energiesparende Geräte. Auch der Bereich Telekommunikation entwickelte sich mit Zuwächsen um 12,5 Prozent deutlich positiv und trug dazu bei, die Schwächen im TV-Markt zu kompensieren.

Die gesamte Warengruppe Unterhaltungselektronik sei durch fehlende sportliche Großereignisse negativ beeinflusst worden. Dies habe zu einem Umsatzrückgang von 6,1 Prozent geführt. Eingegrenzt worden sei der Rückgang durch zunehmendes Interesse an UHD- und OLED-Geräten, sowie Trendprodukten wie Multiroom-Systeme. Im Bereich Informationstechnologie verzeichnete Expert ein Umsatzminus von 8,9 Prozent. Auch im Entertainment Sektor musste die Gruppe einen Rückgang von 1,4 Prozent hinnehmen.

Weiter kein echter E-Commerce bei Expert

Ein inhaltlicher Schwerpunkt, der sich bei Expert allerdings noch nicht umsatzseitig bermerkbar machte, ist die Weiterentwicklung der Online-Strategie der Verbundgruppe. Diese sei im vergangenen Geschäftsjahr nach Plan verlaufen. Das gesteckte Ziel, den Kunden online einen umfassenden Überblick über das Sortiment ihrer lokalen Fachhändler zu geben und somit auch im Netz ausgezeichnete Produktkompetenz zu bieten, sei erreicht worden.

Aktuell seien über 30.000 Artikel online abrufbar, inklusive Preis, Verfügbarkeitsstatus und Möglichkeit der Reservierung. Diesen Service bieten aktuell 302 Expert-Fachgeschäfte und -Fachmärkte auf ihren Websites an. Insgesamt wurden in den letzten sechs Monaten über 120.000 Online-Vorgänge registriert - circa 50 Prozent der Anfragen erfolgten dabei außerhalb der Geschäftszeiten.

Ähnlich wie EP setzt Expert auf ein "Virtual Shelf", um den Online-Warenkatalog in die Geschäfte zu integrieren
Ähnlich wie EP setzt Expert auf ein "Virtual Shelf", um den Online-Warenkatalog in die Geschäfte zu integrieren
Foto: Expert

"Mit diesen Ergebnissen sind wir durchaus zufrieden", erklärt Expert-Vorstand Stefan Müller. "Wir wissen aber auch, dass wir unsere Multichannel Strategie kontinuierlich anpassen und weiterentwickeln müssen, um den nächsten Schritt in Richtung Omnichannel zu meistern". Neben dem gezielten Ausbau der Sortimente sowie der Themenwelten und Markenshops auf den Webseiten der Expert-Fachhändler, stehe daher die virtuelle Regalverlängerung am Point of Sale als nächster wichtiger Entwicklungsschwerpunkt an.

Das "Virtual Shelf", das das stationäre mit dem Online-Angebot verbindet, wurde von Expert in der Innovationsfiliale in Schwerin getestet und soll nun sukzessive an weiteren Standorten zum Einsatz kommen. "Darüber hinaus testen wir bis zum Start des Saisongeschäfts den Einsatz von dezentralen Shops. Künftig könnte dann die Ware direkt aus den Beständen des jeweiligen stationären Fachhändlers kommissioniert und per ‚same day delivery’ geliefert werden", erklärt Müller. Mit dieser Weiterentwicklung würde sich Expert endlich dem "echten" E-Commerce annähern - einen Schritt, den einzelne Expert-Gesellschafter wie Deltatecc und die Expert Technomärkte schon lange erfolgreich vorexerziert haben.

Schwerpunkte bei Expert: Online und Service

Um die nächsten Schritte der Online-Strategie den Expert-Gesellschaftern zu vermitteln und gemeinsam mit ihnen abzustimmen, setzt die Zentrale der Verbundgruppe auf ein bewährtes Mittel: In einer Roadshow geht es diesen Sommer quer durch Deutschland. Vorgestellt werden auch Aktionen und Tools, die die optimale Vernetzung der einzelnen Kanäle im Rahmen des 360-Grad-Marketings ermöglichen.

"Wir sind uns sicher, dass bestehende Umsatzpotentiale noch besser ausgeschöpft werden können. Dies wird nur gelingen, wenn wir unsere Kunden an allen Berührungspunkten - Online, Print und am Point of Sale - erreichen und Aufmerksamkeit für unsere Aktivitäten schaffen. Wir sind gespannt auf das Feedback unserer Gesellschafter", betont Stefan Müller.

Die Expert-Märkte sollen künftig nur noch einer von mehreren Touchpoints für die Endkunden sein
Die Expert-Märkte sollen künftig nur noch einer von mehreren Touchpoints für die Endkunden sein
Foto: Expert

Zweiter Punkt auf der Roadshow-Agenda ist das Thema Service. Bereits Anfang des Jahres wurden neue Service-Module, die die Kundenorientierung bei Expert weiter optimieren sollen, vorgestellt. Im Rahmen der Roadshow sollen nun die detaillierten Inhalte und Umsetzungsmaßnahmen des Kunden-Kompetenz-Moduls vermittelt werden. Ziel sei es, die Kundenbindung durch ein noch besser auf die Erwartungen des Kunden zugeschnittenes Dienstleistungsangebot zu fördern.

Darüber hinaus werden den Gesellschaftern weitere Angebote im Bereich Handy-Reparaturmaßnahmen, Sofortabholung bei Online-Bestellungen und ein verstärktes Garantieangebot im Rahmen der Roadshow vorgestellt. Ab Herbst 2016 werden neue Service-Außendienst-Beauftragte die Umsetzung und Begleitung dieser Maßnahmen aktiv unterstützen. (mh)

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