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03.10.2008

Experten streiten über SOA und BPM

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Versprechen die Softwarehersteller zu viel, wenn sie eine Kombination aus Service-orientierten Architekturen und Business-Process-Management propagieren? Die Meinungen von Experten gehen auseinander.

Für Jakob Freund, Berater und Gründer der Community BPM-Netzwerk.de, ist die Sache klar: "Das BPM/SOA-Duo ist die richtige Vision, aber wir stehen noch ganz am Anfang." Auch Daniel Liebhart vom Schweizer IT-Dienstleister Trivadis glaubt an eine sinnvolle Kombination beider Welten: "SOA stellt Standards und Techniken zur Verfügung, die eine direkte Umsetzung von grafisch modellierten Prozessen in ausführbaren Code erlauben." Dadurch ließen sich Geschäftsprozesse und Geschäftsregeln nahtlos in die unterstützenden Informationssysteme einbinden. Liebhart: "Wird nun der Prozess oder die Geschäftsregel geändert, so werden die Informationssysteme dank SOA automatisch auf den aktuellen Stand gebracht. Mit SOA findet BPM endlich die vollständige Durchdringung in einem Unternehmen."

Überschätzte Synergie?

Stefan Tilkov, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters innoQ Deutschland, hält dagegen: "Die Bedeutung der Synergie zwischen SOA und BPM wird überschätzt. Die wenigsten Unternehmen haben heute Prozessmodelle, die so formal sind, dass sie sich - selbst nach einer Transformation - für die Ausführung eignen." Nach seiner Meinung werden nur wenige BPM-Plattformen dem Anspruch gerecht, einen Business-Analysten zur Modellierung ausführbarer Prozesse zu befähigen. Tilkov: "Eine SOA, die sich als Rechtfertigung nur auf BPM verlässt, wird ihre Ziele kaum erreichen."

Eine andere Sicht vertritt Sven Schnägelberger vom Kompetenzzentrum für Prozessmanagement: "Das notwendige Zusammenspiel zwischen SOA und BPM hat wenig mit vorhandenen oder fehlenden Funktionen zu tun. Es geht vor allem um die Notwendigkeit der Zusammenarbeit von Business und IT auf Basis einer gemeinsamen Sprache: der Prozesse." Eine SOA ohne Prozess-Management werde den in vielen Unternehmen immer noch vorhandenen Graben zwischen IT und Business nur noch verbreitern.

Dirk Stähler, Bereichsleiter beim Beratungsunternehmen Opitz Consulting, sieht die einschlägigen Versprechen der IT-Anbieter dennoch kritisch. "Sollen etwa zukünftig Mitarbeiter ihre Arbeitsprozesse individuell grafisch modellieren, dann die betroffenen Systeme selbständig auf Knopfdruck neu konfigurieren, neue Dienste im weltweiten Datennetz suchen und verbinden und die Abläufe völlig eigenverantwortlich gestalten?" Die Praxis zeige, dass es zwischen der Vision und ihrer Realisierung noch methodische, technische und organisatorische Probleme zu lösen gelte. So sei derzeit beispielsweise noch kein allgemein verbindlicher BPM-Standard für betriebswirtschaftliche wie technische Beschreibungen in Sicht. Stähler: "Vor 2010 wird diese Frage nicht beantwortet werden, vielmehr ist zunächst mit weiteren proprietären Ansätzen der Hersteller zu rechnen."

Naive Hersteller?

Ins gleiche Horn stößt Thomas Allweyer, Professor für Unternehmensmodellierung und Geschäftsprozess-Management an der Fachhochschule Kaiserslautern: "Das Bild, das viele Anbieter von der schönen neuen BPM-SOA-Welt zeichnen, kann bestenfalls als naiv bezeichnet werden." Allweyer verweist auf ein Experiment, in dem er für einen einfachen Geschäftsprozess das Umsetzen eines fachlichen Modells in eine BPM-Awendung versuchte. Eine Erkenntnis aus dieser "recht mühsamen" Übung laute: "Fachliche und ausführbare Prozessmodelle unterscheiden sich deutlich." Das liege nicht daran, dass im Beispiel das fachliche Modell als EPK (Ereignisgesteuerte Prozesskette) und das ausführbare Modell mit Hilfe von BPMN (Business Process Modeling Notation) erstellt wurde. Allweyer: "Man hätte auch das fachliche Modell in BPMN erstellen können, und es wäre trotzdem noch ein großer Schritt zum ausführbaren Modell gewesen." Der Grund: Für das ausführbare Modell benötigten Unternehmen einen anderen Formalisierungsgrad, weil bestimmte technisch begründete Anforderungen spezielle Strukturen im Prozessmodell erforderten, die aus fachlicher Sicht so nicht benötigt würden. Sein Fazit: "Auch wenn Business und IT beide BPMN sprechen, sind die Modelle der Business-Seite dennoch nicht ausführbar."

IT und Business verbinden

In der Praxis ist eine direkte Verbindung zwischen SOA und BPM heute denn auch eher selten, wie auch Liebhart einräumt. Die Brücke zwischen klassischen BPM-Ansätzen und ausführbaren Prozessen, die mit Hilfe der Business Process Execution Language (BPEL) beschrieben sind, sei noch nicht stabil. Sehr wohl aber realisierten Unternehmen bereits Daten- und Schnittstellenplattformen, die in BPM formulierte Geschäftsprozesse direkt umsetzten.