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13.05.1988 - 

Künstliche Intelligenz nicht länger theoretisches Geschwätz:

Expertensysteme bald kommerziell im Einsatz

MÜNCHEN (CW) - Der Einsatz von Expertensystemen steht in der Bundesrepublik Deutschland an der Schwelle von der Forschung zur kommerziellen Anwendung. Nach Schätzungen des Berliner Softwarehauses Brainware sollen noch in diesem Jahr 257 Millionen Mark im KI-Bereich umgesetzt werden.

Im Vergleich zu 1985 bedeute dies ein Wachstum von mehr als 300 Prozent. Auch das britische Beratungsunternehmen Ovum prophezeite jüngst jährliche Wachstumsraten von über 30 Prozent auf dem europäischen und amerikanischen Markt. So dürften 1988 mit Produkten und Dienstleistungen von Expertensystemen weltweit mehr als 400 Millionen Dollar umgesetzt werden.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (iwd) schätzt, daß in Deutschland bisher etwa 500 Experten auf dem Gebiet des Wissensmanagements tätig sind - für die Vereinigten Staaten wird die Zahl auf 10 000 veranschlagt. Entwickelt werde hierzulande derzeit an 500 Projekten, von denen bereits 150 fertiggestellt sein sollen. Von diesen befänden sich jedoch erst 25 im aktiven Einsatz. In den USA dagegen würden bereits etwa 5000 Expertensysteme zur Anwendung kommen.

So unterstützt denn auch die Bundesregierung seit 1984 die Wissensverarbeitung und Mustererkennung mit rund 200 Millionen Mark. Erste Ergebnisse gibt es schon: In Kaiserslautern soll im Sommer dieses Jahres das "Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH" (DFKI) seine Arbeit aufnehmen. An dem ICI-Zentrum sind insgesamt neun Industrieunternehmen, zwei Forschungsgesellschaften und Universitäten sowie zwei Bundesländer beteiligt. Das Projekt ist zunächst auf zehn Jahre befristet und soll im Endstadium rund 1 00 Mitarbeiter beschäftigen. Der Gesamtetat beläuft sich auf 180 Millionen Mark.

Ziel des Zentrums ist die Entwicklung intelligenter Systeme, die bei der Lösung von Problemen neben Spezialwissen auch ein gewisses Maß an "Alltagswissen" einsetzen können. Schwerpunkt ist dabei neben der Aus- und Weiterbildung die grundlagenorientierte Forschung mit Perspektiven in der Anwendung.

Aber auch im Süden Deutschlands wird in Zusammenarbeit mit der bayerischen Staatsregierung, dem bayerischen Landtag und der Wirtschaft ein Bayerisches Forschungszentrum für wissensbasierte Systemen errichtet. Wie Walter Braun, Präsident der Industrie- und Handelskammer Nürnberg, erläutert, handelt es sich hierbei um den ersten Forschungsverbund, der auch die Bedürfnisse und Erwartungen mittelständischer Unternehmen integriere. Das Zentrum, das Grundlagenforschung unmittelbar mit den Anforderungen aus anwendungsbezogenen Forschungsprojekten der Wirtschaft verbinden will, wird im Oktober dieses Jahres seine Arbeit offiziell aufnehmen. Die Aktivitäten sind zunächst auf 15 Jahre bemessen. In Erlangen befindet sich die Zentrale des Zentrums; die fünf Arbeitsgruppen sind in München, Passau und Erlangen-Nürnberg angesiedelt.