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18.07.1986

Expertensysteme sollen Management strategisch unterstützen, aber:Für übertriebene Euphorie besteht kein Grund

"Nach ihrer bisher mehr formalen Rolle gewinnt die betriebliche Datenverarbeitung nun strategische Bedeutung." Diese Ansicht vertrat der Vorstandsvorsitzende der Honeywell Bull AG, Dr. Franz Scherer, bei einem Symposium über das Thema Künstliche Intelligenz (KI), das der Hersteller im Rahmen einer Bull-Informationswoche in Nürnberg veranstaltete.

Aus Sicht des Managements erscheint es Scherer zufolge sehr attraktiv, über das Know-how von Experten frei zu verfügen und es in Entscheidungsstrategien einzubauen. Über den Stand der Entwicklungen im eigenen Hause schwieg sich der Honeywell-Bull-Boß jedoch aus.

Grenzen und Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz im Management nahm David Hertz, Professor an der University of Miami ins Visier. Computer hätten sich in mancher Hinsicht als Feinde der Entscheidungsträger entpuppt: Das Management werde von einem Meer wichtiger und unwichtiger Informationen überflutet, eine Entwicklung, zu der es ohne die elektronische Datenverarbeitung in dieser Fülle und Zusammensetzung nie gekommen wäre. Hilfe versprechen hier Expertensysteme, meint Professor Hertz, die als echte Assistenten fungierten. Experten sparen Zeit und erlauben es, Entscheidungen auf verbesserten

Grundlagen zu treffen, ist seine Ansicht. Der immense Druck, der auf vielen Topmanagern laste, könne durch Expertensysteme gelindert werden, die das Durchdenken und Analysieren schwieriger Entscheidungen aus zahlreichen Ansichten besorgen. Künstliche Intelligenz sei der Schlüssel zum Einsatz von Computern im Topmanagement. "Besser Künstliche Intelligenz als keine", schloß der US-Wissenschaftler scherzhaft seine optimistische Vision zu Entwicklung und Einsatz von Expertensystemen.

Mit gedämpfter Euphorie sah Dr. Peter Elzer, Zentrales Forschungslabor der BBC AG Heidelberg, in einem kurzen Statement zur KI die derzeitige Einsetzbarkeit von Expertesystemen im Management. Vom Denken, von Kreativität und von der Fähigkeit, willkürlich auftauchende Probleme frei zu lösen, seien Expertensysteme noch weit entfernt. "Ich gehe so weit zu sagen, daß Expertensysteme auch mit Problemlösungsstrategien nichts zu tun haben. Sie sind aus meiner Sicht eine außerordentlich schlaue und gehobene Form von Textverarbeitung", stellte Elzer fest. "Man erinnere sich daran", so der Referent weiter, "daß Lisp schon 1962 als Sprache zur Textverarbeitung an den Hochschulen gelehrt wurde." Darüber hinaus können die komplexen Systeme auch Managern oder Experten nicht dabei helfen Probleme zu lösen, die nur halb verstanden sind. Es müsse ein konsolidiertes menschliches Expertenwissen existieren, bevor ein rechnergestütztes Expertensystem sinnvoll einsetzbar sei.

Aber auch die positiven Seiten brachte Elzer zur Sprache: Die Entwicklungsarbeiten an Expertensystemen führen zu einer völlig neuen Art der Systemanalyse. Das Wichtigste sei das Knowledge-Engineering, denn, so Elzer, "die größte Schwierigkeit ist in der Regel, das eigene Problem zu verstehen. Expertenwissen erforschen, formalisieren, organisieren kann man auch schon ohne rechnergestützte Expertensysteme und hat damit auch viel gewonnen."

Große Fortschritte haben Expertensysteme nach Einschätzung von Dr. Elzer auch für das Prototyping gebracht. Die KI-Programmiersprachen erlauben es, zu basteln und zu probieren. In den Mittelpunkt der positiven Errungenschaften um die Entwicklung von Expertensystemen rückt der Heidelberger jedoch die "Einsichten über das, was man weiß, wie man es sich ins Gedächtnis zurückruft. Man lernt viel über sich selbst, was wichtig ist für die Planung technischer Prozesse oder organisatorischer Abläufe."

*Angelika Schrader ist freie DV-Fachjournalistin in München.