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13.07.2006

Experton Group: Der Webtop nimmt Fahrt auf

13.07.2006
Analysten rechnen mit einem Paradigmenwechsel im Softwaremarkt.
Vor allem Sicherheitsbedenken und der Verlust der Kontrollhoheit lassen Unternehmen vorsichtiger mit Web-Anwendungen umgehen.
Vor allem Sicherheitsbedenken und der Verlust der Kontrollhoheit lassen Unternehmen vorsichtiger mit Web-Anwendungen umgehen.

Durch schnelle Internet-Verbindungen, neue Web-Technologien und unternehmerische Kreativität entstanden in jüngster Zeit viele nutzerfreundliche Web-Anwendungen, die vor allem bei Privatanwendern starken Zuspruch finden. Neben neuen Lösungen sind zum Beispiel traditionelle Desktop-Anwendungen online günstiger verfügbar, weshalb die Experton Group (http://www.experton-group.de/) schätzt, dass Privatanwender bis 2010 jede dritte Anwendung online nutzen werden. Bei Unternehmen entwickelt sich der Anteil von derzeit 0,5 Prozent auf etwa zwölf Prozent bis 2010.

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Voraussetzungen sind geschaffen

Als Techniken hinter den dynamischen, interaktiven Web-Anwendungen stehen zum Beispiel Ajax, RSS und Macromedia Flash. Mit ihnen wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl meist endkundenorientierter Anwendungen wie Blogs, Social Networking, Foto- und Video-Sharing sowie Wikis erstellt. Einfache Programmierwerkzeuge, der Zugang zu Open-Source-Code und offene Schnittstellen zu zentralen Plattformen wie Amazon oder Googlemaps ermöglichten es Entwicklern und Unternehmen, mit geringen Ressourcen innovative und anwenderfreundliche Web-Anwendungen zu schaffen. Breitbandige Internet-Zugänge, Venture-Capital-Finanzierungen und die zunehmende Zahl der Nutzer vor allem in den USA sorgen inzwischen für einen ungebrochenen Boom dieser "Web-2.0"-Anwendungen.

Carlo Velten, Senior Advisor bei der Experton Group, konstatiert: "Alles deutet auf einen einsetzenden Paradigmenwechsel im gesamten Softwaremarkt hin, der zwar schon mehrmals unter Schlagworten wie Application-Service-Providing prognostiziert wurde, bis dato aber ausblieb: die Migration vom Desktop zum Webtop."

Bisher nutzen überwiegend Privatanwender Web-basierende Anwendungen. Doch der Kauf und die Integration von Web-2.0-Firmen durch etablierte Unternehmen wie Yahoo, Google, Amazon oder Salesforce.com signalisieren einen Wandel. So vermarktet Salesforce.com auf seiner Plattform "Appexchange. com" viele plattformunabhängige Web-Anwendungen für den Unternehmenseinsatz. Die Experton-Spezialisten erwarten zudem, dass sich die Lerneffekte aus dem privaten Erfahrungsbereich auf das Nutzungsverhalten am Arbeitsplatz auswirken werden. Daher sei anzunehmen, dass sich bei Selbständigen und Freelancern der Wechsel von lizenzgestützter Desktop-Software hin zu Web-Anwendungen am schnellsten vollzieht.

Mittelständische und Großunternehmen werden dagegen aufgrund ihrer prozessualen und hierarchischen Strukturen nicht an der Spitze der Bewegung stehen. Sicherheitsrichtlinien schränken zudem die Nutzung externer Programme ein. Langfristig werden sich die neuen Web-Anwendungen jedoch nicht aus den Unternehmen verbannen lassen. Schließlich schafft die Integration verschiedener Tools innerhalb neuer Web-Anwendungen für die Mitarbeiter häufig hohe Mehrwerte und spart Zeit. Außerdem werden Kostenaspekte überzeugen. So lassen sich neben den Lizenz- vor allem Maintenance- und Supportkosten einsparen. Auch Implementierungs- und Trainingsaufwendungen liegen laut Experton oftmals deutlich niedriger, wenn entsprechende Erfahrungswerte bei den Nutzern vorhanden sind. Die orts- und rechnerunabhängige Verfügbarkeit unterstützt zudem die von vielen Unternehmen angestrebte Mobilität und Flexibilität.

Einer schnellen Ablösung des Desktops durch den Webtop stehen den Analysten zufolge allerdings einige zentrale Barrieren entgegen. Derzeit sei beispielsweise für die ISVs und deren Service-Provider noch nicht klar, ob sich die neu entstehenden Business-Modelle rechnen. Subskriptionsmodelle und Werbefinanzierung erscheinen im Privatanwendersegment aussichtsreich, konnten sich allerdings im Geschäft mit Unternehmenssoftware nur bedingt durchsetzen.

Bangen um Kontrollhoheit

Hinzu kommt, dass im Zuge steigender Internet-Kriminalität die Web-Anwendungen deutliche Risiken hinsichtlich einer sicheren Bearbeitung, Übertragung und Speicherung der Daten aufweisen. Auch müsse sich erst noch zeigen, wie viele Anwender, ob privat oder auf Unternehmensseite, bereit sind, vertrauliche Datenbestände online zu bearbeiten und extern zu speichern. Zwar reduziert sich für IT-Administratoren der Betreuungsaufwand; gleichzeitig schwächt sich allerdings auch die Steuerungs- und Kontrollhoheit über zentrale Datenbestände ab. Dies sei für einen Großteil der Unternehmen nicht akzeptabel.

Für Microsoft könnte laut Experton-Mann Velten der Webtop langfristig eine starke Gefahr bedeuten, weil sich das Informationsverhalten der Nutzer auch in Unternehmen stark ändert und sich von den traditionellen Microsoft-Desktop-Programmen wegbewegt. "Vor kurzer Zeit war die Informationswelt am Arbeitsplatz eindeutig text- und zahlenbestimmt. Formate wie Word, Powerpoint oder PDFs waren vorherrschend.

Hersteller müssen umdenken

In der Zukunft erhalten Mitarbeiter ihr morgendliches Briefing per Podcast, firmeninterne Neuigkeiten per RSS-Feed, das Managen von Projekten erfolgt online, und Blogs sorgen für das Archivieren von Kommentaren. Audio- und Videobeiträge werden zum Alltag gehören und Social-Networking-Tools die Kommunikation unternehmensintern und -extern mitbestimmen." Zur Konsolidierung und zum individualisierten Management dieser neuen Formate und Web-gestützten Anwendungen sind die bisherigen Systeme nicht ausgelegt. Die derzeitige Situation könne deshalb eher als Spiel- und Testphase bezeichnet werden. Das Verhalten der Mitarbeiter und die Prozesse würden sich aber sukzessive an die neue Online-Welt anpassen. (ue)