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04.04.1997 - 

Windows-95-Nachfolger wahrscheinlich verspätet

Explorer-Bugs verzögern Microsofts Update-Plan

Die Aussicht auf die Verspätung von Memphis führte dazu, daß die Aktie der Gates-Company an der New Yorker Börse kurzfristig um rund sieben Prozent fiel. Michael Gartenberg von der Gartner Group führte dies auch darauf zurück, daß Microsofts Finanzmodell auf regelmäßige Einkünfte aus dem Update-Geschäft angewiesen ist.

Die Reaktion der Börsianer könnte sich angesichts der Zwickmühle, in denen sich der Anbieter aus Redmond mit dem Desktop-Update befindet, noch als Vorbote größerer Schwierigkeiten erweisen. Aus der gemächlichen Produktpflege des Desktop-Systems, die sich Microsoft aufgrund seiner Monopolstellung leisten zu können glaubte, wird jedenfalls nichts. Mehr denn je kämpft die Gates-Company nun mit der Internet-Herausforderung.

Ein Schritt zu deren Bewältigung sollte die Wahl des Internet Explorer als Benutzer-Schnittstelle von Memphis sein. Die enge Integration von Anwendungen und Betriebssystem, mit der Microsoft oft genug Konkurrenten ausmanövrierte und die auch Netscape aus dem Feld schlagen sollte, erweist sich jedoch zunehmend als Bumerang. Eine Reihe schwerer Sicherheitsprobleme des Internet Explorer gehen auf den Versuch zurück, das weltweite Netz in die Umarmung des PC-Desktops zu nehmen.

Fehler um Fehler behebt der Hersteller, indem er laufend neue Warnfunktionen einbaut und so den verheißenen nahtlosen Übergang zwischen lokalem Rechner und Internet faktisch zunichte macht. Marktbeobachter führen die Memphis-Verspätung hauptsächlich auf die Probleme zurück, die das enge Verweben des Browsers mit dem System bereitet.

Während sich Microsoft beim Versuch, das Internet unter Windows-Kontrolle zu bringen, die Finger verbrennt, bedrängen umgekehrt Internet-Technologien den Desktop. Kaum eine Woche vergeht, in der sich nicht weitere Hersteller zu Standards wie Imap 4, LDAP, JDBC oder Corba bekennen. Dadurch drohen scheinbar unverrückbare Windows-zentrierte Microsoft-Standards wie MAPI, TAPI oder ISAPI zu bröckeln.

Größer noch ist die Herausforderung durch den Network Computer, die Microsoft infolge der Debatte um die hohen Unterhaltskosten von PCs bevorsteht. Die Verspätung von Memphis räumt den Herstellern solcher Geräte, die ohnehin nur langsam aus den Startlöchern kommen, eine zusätzliche Frist ein. Neben den Schwierigkeiten, den Browser als Standardoberfläche einzubinden, sind es vor allem die Funktionen zur besseren Wartbarkeit, die Memphis noch auf längere Zeit zum Zukunftsprodukt machen. Dazu zählen Features, die der Hersteller im Rahmen der Marketing-Initiative "Zero Administration" propagiert.

Kurios bei der Aufregung um die Memphis-Verzögerung ist, daß bei Anwendern nur wenig Interesse an einem weiteren Windows-Upgrade herrscht. Die Mehrheit setzt immer noch die Version 3.1 ein und migriert allmählich Richtung Windows 95 oder NT. Die Entscheidung für ein Desktop-System wird dadurch erschwert, daß inklusive Memphis und dem schon lange angekündigten 64-Bit-NT-Nachfolger "Cairo" bereits sechs Spielarten von Windows existieren, die entweder im Handel oder in Entwicklung sind. Das Dilemma für die Gates-Company besteht darin, daß sie dennoch rasch mit einem Update beweisen muß, daß sie ein leicht wartbares System anbieten und die PC-bezogenen Probleme lösen kann.