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14.06.1985

Externe Berater: Zauberkünstler und Gurus haben ausgespielt

"Berater sind auch nur Menschen." Auf diesen gemeinsamen Nenner bringt DV-Leiter Wolfgang Brümmer von der Badischen Stahlwerke AG die Probleme bei der Zusammenarbeit mit externen Consultern. Fraglich erscheint den Anwendern meist vor allem die Herstellerneutralität ihrer Ratgeber. Einige Tricks, wie der verantwortliche DV-Chef hier Vorsorge treffen kann, verrät Erich Klein, Finanzprokurist beim Drahtwerk Friedrich Lötters. Als besonders guter Maßstab für eine objektive Produktneutralität erscheint ihm, wenn erkennbar ist, daß ein Berater bei in Art und Umfang voneinander abweichenden Projekten unterschiedliche Systeme einsetzt. Das Resümee zieht Wolfgang Brümmer: "Die Zeit der Zauberkünstler und Gurus sollte eigentlich vorbei sein." kul

Jürgen Schulz Geschäftsführer, Daver Datenverarbeitungs-Gesellschaft, Köln

Die Marktvielfalt der Computerhersteller ist unübersehbar groß. Diesem Überangebot steht der Anwender hilflos gegenüber, vor allem, wenn er sich neu mit der Materie befaßt.

Aufgrund dieser Tatsachen kommt er zu dem Entschluß, daß er sich beraten lassen muß und wendet sich an einen externen Consulter. Damit überträgt er seine Probleme auf einen Profi und erwartet, daß er optimal beraten wird. Wenn er Glück hat, fällt seine Wahl auf jemanden, der den Anwender aufgrund seines Wissens- und Erkenntnisstandes herstellerneutral berät. Diese Consulter gibt es sicherlich, auch wenn sie selten und wahrscheinlich teuer sein müssen. Doch das große Heer der Berater - und hierzu gehören auch die Service-Rechenzentren haben sich spezialisiert. Das bedeutet, daß sie hersteller-, system- oder anwendungsbezogene Beratung durchführen.

Ihr Vorgehen muß sich nicht von den ungebundenen Beratern unterscheiden. Nur liegt das Beratungsergebnis hinsichtlich Systemen und Software schon fest, denn der Berater empfiehlt eines der Systeme, auf die er sich spezialisiert hat. Hinsichtlich der Software kann er nur Produkte empfehlen, die er kennt. Und das sind schon seine eigene Software, die Anwendungsprogramme und sein spezielles System. Nicht selten werden Umstellungen auf größere und in der Regel auch teurere Systeme empfohlen; denn eine Umstellung erbringt einen besseren Beratungsumsatz und einen langfristigen Kunden. Ob dieses alles nachher so optimal und günstig für den Anwender ist, wie er sich das am Anfang vorgestellt hat, ist schwer zu beurteilen.

Aus diesem Verwirrspiel von Computerherstellern und Beratern, so meine ich, gibt es nur einen Ausweg: Der Anwender muß sich zunächst über die Consulter beraten lassen. Wo aber gibt es den Berater, der eine solche Übersicht über seine Mitbewerber hat, daß er den richtigen Berater empfehlen kann?

Erich Klein Finanzprokurist, Drahtwerk Friedrich Lötters, Hemer

Abgesehen von der hohen Investitionsausgabe für ein neues DV-System oder entsprechend hohen Leasingraten, bedeutet ein solches Projekt eine erhebliche Veränderung der bestehenden Organisation in allen betroffenen Fachabteilungen.

Deshalb sollte Voraussetzung sein, daß sofort nach der Entwicklung der strategischen Zielvorgabe durch die Unternehmensleitung die Mitarbeiter der einzelnen Fachabteilung miteinbezogen werden. Bereits in diesem Stadium wird dann eine entsprechende Motivation und wenn möglich eine Identifikation aller betroffenen Mitarbeiter mit dem Projekt erreicht. Denn selbst die modernste Hardware und die beste Software können die Nachteile nur schwer ausgleichen, die durch den Widerstand negativ eingestellter Mitarbeiter entstehen.

Nachdem sich die Geschäftsleitung über die Wichtigkeit des psychologischen Teils der Aufgabe im klaren ist und dem entsprechend mit Erfolg verfährt, können die weiteren Aufgaben vor positivem Hintergrund geradlinig und konsequent erledigt werden.

Hier gilt es nun, festzustellen, ob Qualifikation und Kapazität der eigenen Mitarbeiter ausreichen, das Projekt in allen Phasen hundertprozentig selbständig durchzuführen, oder ob es sinnvoll erscheint,

sich fremder Hilfe - eines Beraters - zu bedienen.

Dabei greift man in Großunternehmen - aufgrund der vorhandenen eigenen Spezialisten und Stabsabteilungen - sicherlich größtenteils auf eigene Mitarbeiter zurück. In der mittelständischen Industrie dagegen wird es in jedem Fall bedeutend schwieriger sein, ohne fremde Hilfe auszukommen. Schon aus Kostengründen wird nicht gleichzeitig mit der Einführung eines DV-Systems auch zusätzliches Personal für eine eigene DV-Abteilung eingestellt. Deshab müssen die einzelnen Schritte wie Aufnahme und Analyse des Ist-Zustands, Entwicklung alternativer Soll-Konzeptionen, Auswahl der wirtschaftlichsten Alternativen sowie Beschreibung der Detailpläne, Einführung des neuen Systems in Teilschritten und der Soll/ Ist-Vergleich von ausgewählten Mitarbeitern der einzelnen Fachabteilungen, möglichst unter Führung eines Projektleiters, erarbeitet werden. In welchen Teilbereichen externe Unterstützung sinnvoll oder sogar dringend erforderlich ist, zeigt sich im Einzelfall.

In der Regel bieten die Beratungsgesellschaften eine sehr umfangreiche Unterstützung an. Daneben gibt es aber auch eine Anzahl selbständiger Berater, die ihre Dienste primär auf qualitative Unterstützung ausgerichtet haben.

Nach erfolgreicher Einführung eines DV-Systems, das im ersten Schritt die Bereiche Finanz- und Rechnungswesen, einschließlich Lohn- und Gehaltsbuchhaltung, Angebots- und Auftragsabwicklung sowie Kostenrechnung und Kalkulation integriert, läßt sich sagen:

Es hat sich auf jeden Fall als vorteilhaft erwiesen, einen Berater einzuschalten. Selbst wenn die erforderliche qualitative und quantitative eigene Personalkapazität auszureichen scheint, ist es sinnvoll, einen neutralen Dritten einzuschalten, um Fehlentscheidungen zu vermeiden, die aufgrund eventueller Betriebsblindheit oder fehlender Marktinformation entstehen könnten.

Die richtige Auswahl des Beraters ist von primärer Bedeutung für den Erfolg des Projektes. Von allergrößter Wichtigkeit ist, bei der Auswahl eines Beraters das Augenmerk auf die Referenzen zu richten. Es sollten in Art und Umfang vergleichbare Projekte durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen worden sein, bei denen nicht unbedingt das gleiche System zum Einsatz gelangt sein muß.

Abgesehen von Beratern, die mehr oder weniger eng mit dem DV-Anbieter zusammenarbeiten, spricht für eine objektive Produktneutralität, wenn erkennbar ist, daß bei in Art und Umfang abweichenden Projekten unterschiedliche Systeme zum Einsatz gelangen.

Wolfram Brümmer DV-Leiter, Badische Stahlwerke AG, Kehl

Zur Einstimmung auf die Problematik bei der Zusammenarbeit mit Beratern möchte ich eine Fabel aus dem Tierreich zitieren: Hier gilt der weise Uhu als das Tier, das immer für alle Probleme einen Rat hat. Also hüpften die Frösche zu ihm und erzählten im ihr Problem: "Die Störche fressen vorzugsweise uns auf, was können wir dagegen tun?" "Ich werden darüber nachdenken, kommt in einer Woche wieder", sprach der weise Uhu.

Die Frösche zogen von dannen und kamen eine Woche später gespannt und neugierig zurück. "Es gäbe da viele Alternativen", sprach der weise Uhu, "aber ich glaube, das Beste wäre, Ihr werdet einfach so groß wie ein Storch, dann können die Störche Euch nichts mehr tun." Die Frösche fanden das eine tolle Idee und hüpften zurück in den Teich, um größer zu werden. Doch das klappte nicht, deshalb hüpften sie wieder zum weisen Uhu: "Du mußt uns sagen, was wir tun müssen, um größer zu werden." "Das", sagte daraufhin der weise Uhu, "das ist ganz alleine Euer Problem!"

Diese Fabel hat eine feine Quintessenz für jeden, der mit Beratern zu tun hat: Letztendlich ist es immer das eigene Problem, eine Lösung zu entwickeln und auch durchzuführen. Zur eigentlichen Fragestellung der Herstellerabhängigkeit gibt es zwei konträre Antworten, je nach Aufgabenstellung an den Berater.

Befindet man sich in einer Konzeptionsphase und es ist noch keine Entscheidung gefallen, muß der Berater so unabhängig wie nur möglich sein. Sein Rat hat Ziele und Wege aufzuzeigen, die nicht auf die technischen Möglichkeiten eines ihm bekannten DV-Systems beschränkt sind.

Ist man jedoch in der Realisierungsphase, wünscht man sich einen DV-Berater, der das ausgewählte System virtuos beherrscht, um das Projekt schnell und kostengünstig durchzuziehen. Je nach Größe eines Projekts kann sonst der Lernbedarf des Beraters ebenso umfangreich sein wie der Realisierungsaufwand, beziehungsweise man erhält ein instabiles System.

Meines Erachtens gibt es keine eindeutige Anwort. Vom Bedarf und von der Problemstellung her ist zu entscheiden, welchen Beratertyp man benötigt.

Der Berater der ersten Kategorie kann nur Generalist sein, stark in konzeptionellen Dingen, jedoch ohne Detailkenntnis über die einzelne Anlage. Seine Stärke liegt im Umsetzen einer fachbezogenen Aufgabe in ein DV-Konzept.

Der Berater vom zweiten Typ ist ein DV-Fachmann, vorzugsweise mit einigen Jahren Berufserfahrung beim Hersteller auf dieser Maschine, der aus dem Stand heraus mit vollem Tempo zu arbeiten beginnt.

Natürlich gibt es Berater, die beides in sich vereinen, aber dann oft mit Nachteilen für den Kunden. Entweder, der Berater ist nicht unabhängig, dann bekommt der Kunde den Rechner, den der Berater kennt. Oder er ist unabhängig, dann bezahlt der Kunde die Einarbeitung des Beraters in das ausgewählte System.

Im übrigen darf man nicht vergessen, daß Berater auch nur Menschen sind und als solche nur eine begrenzte Kapazität zur Aufnahme von Wissen haben. Die Zeit der Zauberkünstler oder Gurus sollte eigentlich vorbei sein.

Jeder, der mit Beratern zusammenarbeiten will, muß jedoch immer daran denken, daß man Verantwortung nicht abwälzen kann; der Anwender hat immer selbst zu prüfen, ob die angestrebte Lösung fachlich für seinen Betrieb richtig ist.

Oder, um nochmals auf die Fabel zurückzukommen, jeder muß selbst wissen, wie er sich verändern kann, ohne seine eigenen Möglichkeiten außer acht zu lassen.