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22.08.1980

Externe Systemanalyse ein Weg aus dem Personalengpaß?

Volker Callsen Leiter Personalentwicklung und Projekte bei der GMO, Berlin

Externe Programmierung, also Programmierung außer Haus nach fertigen Programmvorgaben, hat in der Vergangenheit (und wir sicherlich auch in der Zukunft) vielen Anwendern aus einem momentanen oder permanenten Kapazitätsengpaß geholfen oder scheinbar unerreichbare Einführungstermine dochnoch möglich gemacht. Diese Aufgaben wurden - häufig zu Festpreisbedingungen - von Unternehmen der sogenannten Softwarebranche übernommen, ja, sie haben das Wachstum dieser Branche erst ermöglicht.

Der Personalengpaß verlagert sich, wenn auch viel langsamer als von den Auguren vorhergesagt, allmählich von der Programmierung zur Systemanalyse, also zu den Phasen Funktions-Design und DV-Design, die bei der Entwicklung individueller, kommerzieller Anwendungssysteme der Programmierung zwangsläufig vorgeschaltet sind.

Kann die Lösung des Personalengpasses in der Systementwicklung - in Analogie zur Programmierung - in der "Systemanalyse außer Haus" liegen?

Um zu prüfen, ob eine solche Analogie zulässig ist, müssen die Bedingungen untersucht werden, unter denen erfolgreich mit externer Programmierung gearbeitet wird. Für unerläßlich halte ich die folgenden Voraussetzungen:

- Vollständige und exakte Programmvorgaben;

- Gute Testdaten für jedes einzelne Programm;

- Genau Beschreibung aller einzuhaltenden Softwarestandards (unter anderem Sprache, Strukturierung der Programme, verbotene Befehle);

- Verbindliche, vorher vereinbarte Abnahmebedingungen;

- Realistische Aufwandsschätzungen.

Diese Bedingungen sind bei einer vernünftigen Organisation der Anwendungs-Systementwicklung durchaus erfüllbar. Viele erfolgreiche Fälle beweisen dies.

Wie aber sehen die Konstellationen für ein erfolgreiches Funktions- und DV-Design bei der Entwicklung individueller Anwendungs-Software im kommerziellen Bereich aus, was muß gewährleistet sein, um das Funktionieren solcher Systeme zu sichern?

1. Es ist während der gesamten Dauer der Systementwicklung ein enger Kontakt mit dem Auftraggeber, dem späteren Benutzer des Systems, zu halten.

2. Eine genaue Kenntnis des vorhandenen alten Systems ist unerläßlich sowohl in organisatorischer als auch in DV-technischer Sicht; eine Entwicklung "auf der grünen Wiese ' ist heute schon eine große Ausnahme.

3. Die Zusammenarbeit im Entwicklungsteam, das aus Mitarbeitern des Anwenders, der Datenverarbeitung, der Organisation und des externen Software-Unternehmens besteht, ist von entscheidender Bedeutung.

4. Auf die genaue Kenntnis über die derzeitige und die zukünftige Systemumgebung (zum Beispiel von parallel entwickelten Systemen) kann nicht verzichtet werden (Bewältigung der Schnittstellenprobleme).

5. Eine besondere enge Zusammenarbeit zwischen den Systemanalytikern des Auftraggebers und den externen Systemanalytikern sichert eine Minimierung des unabwendbaren Know-how-Verlustes bei Projektende, der durch das Ausscheiden der externen Mitglieder des Projektteams entsteht. Auch die Schulungseffekte dieser engen Zusammenarbeit können nicht hoch genug eingeschätzt werden.

6. Last, but not least - ist die Schaffung der Akzeptanz für das neue System beim späteren Benutzer eine Aufgabe, die am einfachsten in der Phase der Systemanalyse gelöst werden kann, so zum Beispiel durch die aktive Mitgestaltung der Anwender, durch das allmähliche Vertrautwerden mit den neuen Systemfunktionen und nicht zuletzt durch die gemeinsame Bewältigung von Problemen in dieser Entwicklungsphase.

Schon diese Aufzählung einiger wichtiger Voraussetzungen zeigt daß die Problematik in der Phase "Systemanalyse" ganz anderer Art ist als während der Programmierung. Können aber diese Bedingungen bei einer Durchführung der Phase Systemanalyse "außer Haus" erfüllt werden?

Systemanalyse durch Externe

Ich meine, daß es unmöglich ist, unter den genannten Voraussetzungen die "Systemanalyse außer Haus" näher ins Auge zu fassen: Die erforderliche Integration zwischen Anwender, internen DV-Mitarbeitern und externen Fachkräften ist nicht zu realisieren, wenn letztere außer Haus arbeiten. Die Qualität des außer Haus entstehenden Systems kann in sich perfekt sein. Beim Einsatz eines solchen Systems in einem konkreten Unternehmen werden aber mit Sicherheit erhebliche Änderungen und Anpassungen notwendig sein, wenn dieses Unternehmen sich nicht an das System anpassen kann oder will. Auch hinsichtlich der Akzeptanz beim Benutzer und bei der Know-how-Vemittlung an den Auftraggeber entstehen bei Entwicklungen außer Haus Probleme, die typisch für den geplanten Einsatz von Standard-Anwendungs-Software in größeren Unternehmen sind: wenig intensive Kenntnisse über die Systemzusammenhänge beim Anwender, große Änderungsanfälligkeit, Schnittstellenprobleme, schwieriger Übergang vom bestehenden zum neuen System (zum Beispiel Datenübernahme), Unbehagen über das plötzlich auftauchende "Neue" beim Benutzer.

All diese Argumente sind letztlich auch Argumente gegen Standard-Anwendungs-Software in Großunternehmen. Sie haben dazu geführt, daß in vielen Unternehmensbereichen (außerhalb Personalabrechnung, Finanzabrechnung etc.) der Einsatz von Standard-Software nicht (mehr) ernsthaft erwogen wird.

Die Eingangsfrage: "Externe Systemanalyse - ein Weg aus dem Personalengpaß?" - läßt sich deshalb nur so beantworten: Externe Systemanalyse - nein, Systemanalyse durch Externe (DV-Unternehmensberater) - ja, unbedingt.