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21.08.1981 - 

EDV-Personal-Prognose für Österreich:

Extremer Bedarf - vorsichtige Hoffnung

Die EDV in Österreich braucht in den nächsten Jahren zusätzlich etwa 500 Akademiker und 2000 Maturanten pro Jahr. Gegen Ende des Jahrzehnts (1990) wird sich dieser zusätzliche jährliche Bedarf eher abschwächen - auf jährlich zusätzlich etwa 400 Akademiker und 1800 Maturanten. Diese Zahlen stammen aus einer Studie der Österreichischen Computer Gesellschaft, die jetzt veröffentlicht wurde. Wir geben sie hier auszugsweise wieder.

Der EDV-Personalbedarfs-Bericht beruht einerseits auf der Österreichischen Computer-Statistik und der im Sommer 1980 für das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung erstellten Computerprognose bis 1985, andererseits auf Stichproben-Erhebungen und bundesdeutschen Ermittlungen über die EDV-Personal-Zuteilung bei Computern verschiedener Größenordnung. Der EDV-Personalbedarf ist für alle Werte in diesem Bericht theoretisch berechnet; das führt zwar zur Vollständigkeit der Unterlage, aber auch zu einer gewissen Unsicherheit (von etwa ± zehn Prozent) gegenüber den tatsächlichen Verwirklichungen. So hätten die theoretischen EDV-Personalbedarfs-Zahlen in den vergangenen Jahren recht gut mit ermittlungsgestützten Schätzungen übereingestimmt; für den 1. Januar 1981 liegt jedoch der theoretisch ermittelte Wert um etwa fünf Prozent über den geschätzten tatsächlichen EDV-Personal-Anzahlen. Das kann ein Hinweis sein auf den derzeit vorliegenden besonderen Engpaß an EDV-Fachpersonal, der durch die gleichzeitige Welle von neuen Großcomputer-Einsätzen (zum Beispiel IBM 4341) und der 1979/80 besonders betonten Kleinst-Computer-Forcierung entstanden sein mag.

Diese extreme Bedarfssituation sollte jedoch nicht allzu übertriebene Hoffnungen für die Zukunft verursachen. Bei den Großcomputern ist im weiteren mit einer gewissen Ausschöpfung der Zuwachsraten zu rechnen. Für die Kleinst-Computer andererseits erfolgt EDV-mäßige Unterstützung (zum Beispiel Programmierung) üblicherweise durch die Lieferfirmen; der dafür notwendige Einsatz von EDV-Fachpersonal (bei den Lieferfirmen) wird sich nur unterproportional zu den Einsatzzahlen der Kleinst-Computer selbst steigern.

Die EDV-Personalbedarfs-Prognose für Österreich beruht auf folgenden Auswertemöglichkeiten und steht unter nachstehenden Schwierigkeiten:

- Die Computer-Hardware-Kostenin Österreich haben sich in den letzten Jahren auf einen Vergleichswert von etwa 5,5 Promille des Brutto-National-Produkts eingependelt; es ist zu erwarten, daß auch in Zukunft dieser Wert etwa eingehalten bleibt.

- Daraus ergibt sich jedoch keine Aussage über die Anzahl der eingesetzten Computer; die außerordentliche Steigerung der Computer-Preis-/ Leistungs-Verhältnisse in den letzten Jahren bewirkten auch ein Ansteigen der Computer-Anzahlen. Für die Computer-Statistik bedeutet dies die Notwendigkeit, jeweils einzelne Computer-Typen hinsichtlich ihrer Größenklassen-Zuordnung umzureihen.

- Deshalb ist aber auch die Zuordnung eines Computers zu einer Computer-Größenklasse kein eindeutiger Hinweis auf seine theoretisch erwartbare Personal-Besetzung. Möglicherweise wäre es ein Ansatz für künftige Computerstatistiken, die Unterteilung in Computer-Größenklassen nach der Anzahl benötigter EDV-Fachleute (und nicht wie bisher nach den IST-Werten in Mio. öS) durchzuführen. Durch die genannte Schwierigkeit erklären sich auch die Unterschiede hinsichtlich der Größenklassen-Zuordnungen bei verschiedenen Statistiken (diese sind jeweils von der Zuordnung zum Stichtag abhängig). Für diesen EDV-Personalbedarfsbericht wurden die statistischen Unterlagen, wo notwendig, im Sinne von Personalbesetzungs-Größenklassen bereinigt.

- Für eine langfristige Prognose (also zum Beispiel für jene zum 1. Januar 1991) wäre es nicht zulässig, die Werte allein durch Trend-Extrapolationen zu berechnen. Zur Abstützung dieses Berichtes wurde daher auch eine zusätzliche Analyse erarbeitet, welche EDV-Einsätze 1990/91 in den einzelnen Bereichen und (stichprobenweise) bei einzelnen Betrieben wahrscheinlich würden.

- Jede Prognose auf zehn Jahre voraus kann nur die vom derzeitigen Stand her erwartbaren Möglichkeiten berücksichtigen. Die Prognosen dieses Berichtes rechnen mit normalen Entwicklungen ohne gewaltige äußere Störungseinflüsse und ohne über die Mikroprozessoren-Probleme hinausgehende revolutionäre technische Neuerungen. Sie rechnen ferner mit den in Österreich erwartbaren organisatorischen Befähigungen - auf dieses Problem soll abschließend zurückgekommen werden.

Nun zu den Ergebnisunterlagen im einzelnen. In diesen wird die EDV-Personalbedarfs-Entwicklung für elf Zeitpunkte (1. Januar 1971 bis 1. Januar 1991), für vier Bereiche (Universalrechner, Kleinst- und sonstige Computer, EDV-Herstellerfirmen, Softwarefirmen) und für fünf Positionsebenen (EDV-Leitungskräfte, EDV-Spitzenfachleute, Programmierer und ähnliches Fachpersonal, Operators und EDV-Nachwuchs, Sonstige Mitarbeiter) aufgezeigt.

Nur bei den ersten vier Positionsebenen wird angenommen, daß für sie eine gründliche EDV-Ausbildung notwendig ist; die "Sonstigen Mitarbeiter" sind entweder für Arbeiten im Zusammenhang oder mit Nutzung der EDV nur kurzfristig angelernt oder sind für Tätigkeiten eingesetzt, die nicht unbedingt EDV-spezifisch sind.

In den Tabellen sind die Summen des Personalbedarfs der ersten vier Positionsebenen (Leitung bis Operators) jeweils mit der Summe des Personalbedarfs an Akademikern und Maturanten identisch. Diese Summen entsprechen zugleich der Anzahl der in den einzelnen Jahren (Stichtag 1. Januar) benötigten EDV-Fachleute.

Hinsichtlich der EDV-Fachleute weisen die Tabellen also keinen übermäßig hohen jährlichen Mehrbedarf für die kommenden Jahre aus. Anders mag sich die Situation für die "Sonstigen Mitarbeiter" (ohne gründliche EDV-Ausbildung) entwickeln. Hier wird es infolge des sich rasch ausbreitenden Einsatzes von Kleinst-Computern (bis zur Mikroprozessorenebene) zu enormen Steigerungen bei computergestützten Büroarbeitsplätzen kommen. Das sind jedoch keine neuen Arbeitsplätze; vermutlich entsprächen die 145 000 Arbeitsplätze der "Sonstigen Bearbeiter" im Mini-Computer-Sektor (am 1. Januar 1991) einer größeren Anzahl (zum Beispiel 200000 Arbeitsplätze), die vor der Computerisierung vorhanden waren. Die für solche Tätigkeiten erforderlichen EDV-Kenntnisse gehören vermutlich zu diesem Zeitpunkt bereits zur Allgemeinbildung.

Bei jeder EDV-Personalbedarf-Prognose muß abschließend auf jenen besonderen Faktor hingewiesen werden, auf jene unbekannte Variable deren Einfluß die Ergebnisse noch sehr stark verändern kann; die für vernünftige Resultate organisatorischen Fähigkeiten und Leistungen.

Organisation ordnet und formt das Leistungszusammenwirken von Menschen, sollte daher weitgehend eine real-kreative Tätigkeit sein. Nun hatte Österreich - ein Land, in dem die Improvisation besonders beheimatet ist - immer schon einen Mangel an guten Organisatoren. In den derzeitigen Betriebssituationen haben sich daher in einer Reihe von Betrieben die EDV-Fachleute dieser Lücke bemächtigt im Endergebnis könnte es dann dort vorkommen, daß die EDV nicht mehr das macht, was der Betrieb braucht - sondern der Betrieb das, was für die EDV lustig ist. Kleinst-Computer und Mikroprozessoren werden in der Zukunft bei einzelnen Betrieben es zuwege bringen (sie werden nicht nur Gutes bringen), die administrativen Verarbeitungen gründlich zu verwirren. Was für den einzelnen Arbeitsplatz schön oder was für eine bestimmte Abteilung wichtig erscheint, ist deshalb noch lange nicht für den ganzen Betrieb gut und richtig.

Was organisatorisch notwendig wäre, sind viele EDV-FachIeute, die ihren ganzen Betrieb so gut kennen und verstehen, daß sie nur jene und auch jene Lösungen anbieten, die praktisch dringend gebraucht werden - und viele Betriebserfahrene, die auch genug EDV-Praxis haben, um fachlich mitentscheiden zu können, wo ihnen der EDV-Einsatz wirklich hilft. Erst ein solches Zusammendenken von allgemeinen Betriebswirklichkeiten und EDV-Einseitigkeiten entspräche einer real-kreativen Organisationstätigkeit.

Will man eine solche Organisationstätigkeit, zu der nicht theoretisch, sondern nur betriebspraktisch ausgebildet werden kann, so braucht dies mehr Fachleute mit EDV-Ausbildung, als es die Prognose vorsieht. Hat man eine solche Organisationstätigkeit, so ergibt dies ein mehr an Arbeitsplätzen, weil man die EDV besser nützen kann.

*Professor Fritz Neeb ist Präsident der Gesellschaft für Organisation. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat er obigen Bericht erstellt, der in ungekürzter Fassung im Mitteilungsblatt Nr. 35 der Österreichischen Computer Gesellschaft vom Juli 81 erschienen ist.