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18.01.1991 - 

Akzentverschiebung bei betriebsinterner Datenverarbeitung

Fachabteilungen suchen kaum noch DV-Experten

MÜNCHEN (hk) - Keine Entwarnung auf dem Arbeitsmarkt für DV-Spezialisten: Die Zahl der Stellenanzeigen ist von Januar bis September 1992 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 29 Prozent zurückgegangen. Zudem verzichten Fachabteilungen zunehmend auf Mitarbeiter mit einer reinen DV-Ausbildung. Dies ergab eine im Auftrag der CW durchgeführte Stellenmarktuntersuchung des EMC-Medienservice.

Mit dem Spruch "Unter den Blinden ist der Einäugige König" läßt sich die derzeitige Situation der DV-Profis charakterisieren. Denn obwohl die Zahl der DV-Stellen nach wie vor stark rückläufig ist - von 16 554 im Jahr 1991 auf 11 757 (drei Quartale) -, sind die DV-Spezialisten nach den Ingenieuren (21,8 Prozent) und Wirtschaftswissenschaftlern (11,9) die Berufsgruppe, die am drittstärksten (7,5 Prozent) im Stellenanzeigenteil vertreten ist.

Kein Wunder also, wenn Werner Brendli vom FachvermittIungsdienst des Arbeitsamtes München die Situation für DV-Spezialisten noch nicht für bedenklich hält. "In München hat die Zahl der DV-Beschäftigten in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent zugenommen", so der Arbeitsmarktexperte. Dies bedeute jedoch nicht, daß man die Hände in den Schoß legen dürfe. Seine Behörde habe auf die sich abzeichnende Krise reagiert und biete in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Firmen Weiterbildungskurse an, zum Beispiel in der Automatisierungstechnik und auf dem Gebiet der offenen Systeme.

Vom Nachfragerückgang sind alle DV-Berufe betroffen. Zwar, können Berater, Systemanalytiker sowie Software- und Systemingenieure prozentual ein leichtes Plus verzeichnen, insgesamt jedoch ist bei allen Berufen ein leichter Rückgang festzustellen. Selbst bei der Suche nach Vertriebsleuten, die in Krisenzeiten Hochkonjuktur haben, schalteten die Unternehmen einen Gang zurück.

Auf betriebsinterne Veränderungen in den deutschen Unternehmen deuten Zahlen hin, die sich auf den Einsatz von Computerexperten innerhalb der Fachbereiche beziehen. Die Untersuchung läßt nämlich den Schluß zu, daß Informatiker wieder in ihr angestammtes Revier, nämlich in die Org./DV-Abteilung, zurückgedrängt werden und daß die Fachabteilungen auf Distanz zu den DV-Spezialisten gehen. Konnte man voriges Jahr noch feststellen, daß vor allem betriebswirtschaftliche Abteilungen wie Planung, Controlling, Finanzen und Marketing Bedarf an DV-Profis anmeldeten, zeigen die diesjährigen Zahlen einen Rückgang auf breiter Front, der Zuwachs für die DV-Abteilung beträgt dagegen fast zehn Prozent.

Dieser Trend deckt sich mit Aussagen, die auf dem Systec-Karrierezentrum der CW gemacht wurden: Immer wieder wiesen Referenten auf das fehlende Anwendungswissen der Informatiker hin und empfahlen, diese Komponente stärker im Studium zu berücksichtigen.

Relativ einfach beantworten läßt sich die Frage, welche Industriezweige noch Spezialisten einstellen. Als einzige Branche können die Beratungsunternehmen auf ein nennenswertes Plus von knapp vier Prozent verweisen. Mit fast einem Drittel der Stellenanzeigen haben die Berater die Elektroindustrie vom ersten Platz der suchenden Firmen verdrängt.