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19.03.1999 - 

Fachbücher Die Folgen des Millennium-Bugs im Alltag

Fachbücher Die Folgen des Millennium-Bugs im Alltag Das Jahr-2000-Problem: Dichtung und Wahrheit

Von Inge Steutzger* Jede Menge Schauergeschichten über das Jahr-2000-(Y2K-)Problem kolportiert der Autor Martin Kunz, um sie im gleichen Atemzug zu relativieren oder ganz zurückzunehmen. In diesem Durchzieher durch alle Lebensbereiche erfährt der Nutzer trotzdem, wie er sich vor eventuellen Millennium-Pannen schätzen kann.

Ein "Jahr-2000-Fachwortschatz" mit ganzen sieben Einträgen ersetzt die Einleitung. Dann wird der Leser mit der Binsenweisheit konfrontiert, es sei "fatal und kurzsichtig" gewesen, zu sparsam mit den Datumsfeldern zu walten. Bis zu 60 Prozent der PCs in Unternehmen seien nicht Jahr-2000-tauglich. Daß die Geräte deswegen durchaus nicht auszurangieren sind, erfährt der erschrockene Leser erst viel später.

Erst das kleine Kapitel "Häufig gestellte Fragen" im hinteren Teil des Buchs beantwortet dem uninformierten Leser knapp und informativ die wesentlichen Fragen zum Jahr-2000-Problem mit seinen drei Hauptursachen: "der nur zweistelligen Speicherung der Jahreszahl, der falschen Schaltjahr-Berechnung und der weitverzweigten Verwendung von Datumsangaben in prozessorgesteuerten Maschinen, Computern, Programmen und Netzwerken." Das kann den Ausfall von Systemen nach sich ziehen. Wie groß das Risiko aber nun genau ist, ist auch nach der Lektüre unklar.

Aus diesem Grund fällt die Medienschelte des Autors zum Teil auf ihn selbst zurück. Meinungsmacher könnten das Jahr-2000-Problem aufbauschen, befürchtet Kunz. Trotzdem gibt er auf den nächsten Seiten mögliche Horrorszenarien von Untergangspropheten wieder. Oft stecken eben wirtschaftliche Interessen hinter diesen Schreckensvisionen, moniert der Autor.

In der Besprechung vieler betroffener Arbeitsbereiche wie Haushalt, Kommunikation, Zahlungsverkehr, Gesundheitswesen, Energie und Militär erläutert Kunz anschaulich tatsächliche Gefahren ebenso wie übertriebene Szenarien. Dem Überblick mangelt es nicht an reißerischen Schlagwörtern ("Polizei ohne Saft", "Klinikcomputer mit Alzheimer"), dafür um so mehr an Systematik. Ein Beispiel sind die Abschnitte über Y2K im Gesundheitswesen: Zunächst werden mit dem prekären Wort "Suizid" Probleme mit Herzschrittmachern suggeriert (Seite 30), die der Autor an drei anderen Stellen (Seite 79, 114, 154) dann wieder bestreitet.

Aufschlußreicher sind andere Passagen: Banken und Stromversorger scheinen relativ gut gerüstet. Doch daß es tatsächlich schwere Störungen geben könnte, macht ein anderes Beispiel klar: Um die Sicherheit der Nuklearwaffensysteme zu erhöhen, appellierten unabhängige Wissenschaftler an alle Atommächte, ihre Frühwarnsysteme und Atomsprengköpfe zum Jahreswechsel zu deaktivieren.

Am besten ist der Anwender mit den praktischen Tips bedient: Der Nutzer kann sein Bios überprüfen, einen Jahr-2000-Test auf dem PC laufen lassen und Herstellerempfehlungen nachlesen. "MS Word 5" für DOS läßt beispielsweise Rechner abstürzen, "Word 95" und 6.0 haben kleine Macken, die Version 97 macht keinen Ärger mehr.

Martin Kunz: Der 2000 Crash. Wenn die Computer verrückt spielen. München: dtv 1999. 171 Seiten, 14,90 Mark.

*Inge Streutzger ist freie Autorin in München.