Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

07.11.1975

Fachhochschulabsolventen - die optimale Investition!?

Prof. Dr. Johann Löhn Informatik-Professor Furtwangen (Schwarzwald). Mitglied des Ad-hoc-Ausschusses "Ausbildung von DV-Fachkräften" beim Bundesministerium für Forschung und Technologie.

Zur Diskussion steht die Ausbildung in der Fachrichtung Informatik mit dem akademischen Abschluß "Informatiker (grad.)". Dieses Studium umfaßt in Baden-Württemberg und Bayern 8 Semester (integriert 2 Praxissemester in der Industrie) und 6 Semester (ohne Praxissemester) in den übrigen Bundesländern. Die Zugangsvoraussetzungen sind für die einzelnen Bundesländer zum Teil unterschiedlich. Faustregel: Abschluß Fachoberschule oder 12. Klasse Gymnasium oder Vorbereitungskurs nach Realschulabschluß und Praxiszeit. Trend: Zunahme von Abiturienten.

Studiert werden kann in drei verschiedenen Schwerpunkten (Studiengängen):

Allgemeine Informatik: an den Fachhochschulen Dortmund, Furtwangen, Mannheim.

Wirtschafts-Informatik: an den Fachhochschulen Furtwangen, Heidelberg, München.

Technische Informatik: an den Fachhochschulen Esslingen*), Furtwangen*), Hamburg*), Karlsruhe*), Konstanz*), München, Regensburg, Ulm*), Wedel*) und an der Gesamthochschule Paderborn*).

Optimale Investition!

Gemeint ist natürlich die Investition "Fachhochschulabsolvent" für den Abnehmer. Im BMFT-Ausschuß sind wir auf der Grundlage umfangreicher Erhebungen zu folgenden Ergebnissen gekommen:

"Im Bereich der Fachhochschulen ist ein starker Ausbau der Ausbildungskapazitäten für DV notwendig. Dabei ist unbedingt das bisherige Charakteristikum der Fachhochschule, die Vermittlung einer stark praxisbezogenen, hochqualifizierten Ausbildung, zu erhalten (keine Akademisierung) ... Die Praxisphasen müssen im bisherigen Umfang in das Studium integriert bleiben ... Über Zugangsvoraussetzungen muß gewährleistet sein, daß nach wie vor praxiserfahrene Absolventen des Fachhochschulbereichs und der betrieblichen Ausbildung in den Fachhochschulbereich gelangen können."

Also, bitte! Man könnte meinen, die Fachhochschulen brauchten ihren zuständigen Ministerien lediglich ihre Kontonummer mitzuteilen. Ich meine jedoch, Geld ist nicht das wichtigste, wichtiger ist ein überzeugendes Konzept, welches langfristig garantiert, daß der Anspruch auch zukünftig erfüllt werden kann; zum Vorteil aller Beteiligten. Für das Konzept gibt es (wenigstens) 3 Schwerpunkte und 3 Adressaten: die Fachhochschulen, die Wirtschaft und die Kultusministerien.

1. Schwerpunkt Praxissemester: In Baden-Württemberg und Bayern wird die überwiegende Zahl der Fachhochschul-Informatiker ausgebildet. Hier sind die integrierten (d.h. auf Vorlesungssemester abgestimmten) Praxissemester im Industriebetrieb verwirklicht. Die Erfahrungen sind sehr gut. Die übrigen Länder müssen nachziehen. Die Ministerien dürfen die Praxissemester nicht "wegverwalten", weil es manchmal Schwierigkeiten mit den Praxisplätzen gibt. Wenn die Wirtschaft keine Praxis-Plätze zur Verfügung stellt, dann benötigt sie offenbar auch keine Absolventen. Ein Appell an die Anwender: die Studenten dürfen nicht ausschließlich als Cobol-Codierer eingesetzt wer den, diese Erfolgsrechnung wäre zu kurzsichtig.

2. Schwerpunkt Motivation: Aus den zahlreichen Industriegesprächen entnehme ich, daß man zufrieden ist mit dem "Produkt". Die Studenten wollen nicht alle gleich Direktor werden und die Probleme auch nicht durch Diskussionen lösen, sie wollen schaffen. Es ist den Fachhochschulen offenbar gelungen, eine Ausgewogenheit zwischen Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Praxis zu erreichen. Das muß so bleiben!

3. Schwerpunkt Kontakt Fachhochschulen.-Wirtschaft:

Jedenfalls von Furtwangen kann ich sagen, das in beachtlichem Umfang gegenseitige "Belehrungen" stattfinden. Wir haben Industrieseminare (je 1 bis 2 Tage) durchgeführt, in denen die Vorlesungen von Fachleuten der jeweiligen Industriefirma gehalten wurden. Einzelvorträge von Herstellern- oder Software-Häusern fallen nicht in die Klasse Werbevortrag. Man kann mehr dabei lernen.

Umgekehrt beschränkt sich der Umfang der Vorträge und Beratungen durch Professoren noch auf Einzelkämpfer. Hier muß noch mehr getan werden. Es bieten sich von der Fachhochschule durchzuführende Kontaktstudien an, aber auch das Begutachten von Hard- und Software. Bei den Methoden könnten die Fachhochschulen den Anwendern sicher hilfreich sein. Diese drei Punkte werden in den Entscheidungen unserer Ministerien nicht genügend beachtet. , Gegenwärtig ist das Ausrufungszeichen in der Überschrift wesentlich größer als das Fragezeichen. Wenn es so bleiben soll, dann sollten alle Beteiligten nicht nur von Konzepten reden, sondern sie in die Tat umsetzen.

d. h. Abschluß Ingenieur (grad.) der Fachrichtung Elektrotechnik, aber gleicher Studienplan wie bei der Technischen Informatik.