Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.12.1994

Fachhochschule gruendet Aufbaustudiengang Systems Engineering Systemintegratoren loesen die klassischen Programmierer ab

MUENCHEN (hk) - Nicht nur Fachexperten, sondern auch Ingenieure, die weit genug ueber den Tellerrand ihres Berufsfeldes blicken, will die Fachhochschule Muenchen (FHM) ausbilden. Ab dem Sommersemester 1995 beginnt deshalb das Postgraduierten-Studium Systems Engineering. Professoren, darunter der fruehere FHM- Praesident Walter Kessler sowie ein Vertreter der Industrie erlaeuterten in einem CW-Round-table-Gespraech Inhalte und Zielsetzung des neuen Aufbaustudiums.

"Wir sehen fuer schmalspurige Programmierer keine Zukunft mehr, vielmehr brauchen wir ganzheitlich denkende und handelnde Systemintegratoren", gibt SNI-Manager Rudolf Duschl die Marschroute vor. Denn die stark wachsende Konkurrenz aus Niedriglohnlaendern zwinge zu immer hoeherwertigen Dienstleistungen. Dafuer hat nun die Fachhochschule Muenchen einen Postgraduierten- Studiengang eingerichtet.

Ab dem kommenden Sommersemester koennen die ersten 20 Teilnehmer nach bestandenem Aufnahmetest das Fach Systems Engineering studieren. Die generelle Eingangsvoraussetzung ist ein Hochschulabschluss. Aufgrund des als sehr hoch eingeschaetzten Bedarfs in der Wirtschaft, so der fruehere FHM-Praesident Kessler, hat das Bayerische Kultusministerium seine Zustimmung sehr rasch erteilt.

Das Curriculum fuer das neue Aufbaustudium entstand in einem Arbeitskreis, dem FHM-Professoren sowie Vertreter von Unternehmen wie AEG, BMW, ESG, Siemens und SNI angehoerten. Das Studium dauert insgesamt zwei Semester. Professor Guenter Hettich, der dafuer zustaendig ist, will im ersten Semester in Seminarform unterrichten lassen und das zweite Semester als Industriepraktikum organisieren.

Themenschwerpunkt des ersten Semesters sind Systemtechnik, System- Management und auch aktuelle Themen wie Business Process Re- Engineering.

"Der Student muss begreifen, dass es nicht um das Optimieren von Einzelkomponenten geht", unterstreicht Kessler, sondern um das soziotechnische Gesamtsystem.

Fuer das Praxissemester stellt die Industrie ausreichende Plaetze zur Verfuegung, versichert SNI-Mann Duschl. Dabei sind einmal pro Woche auch Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule vorgesehen. Anhand komplexer Fallbeispiele aus unterschiedlichen Industriebranchen vertiefen die Aufbaustudenten ihre praktischen und theoretischen Kenntnisse. Zudem ist in die Ausbildung ein mehrwoechiger Intensivkurs zum Erlernen der englischen Sprache einbezogen.

Die Absolventen des Postgraduierten-Studiums koennen mit einem hoeherem Anfangsgehalt rechnen, weiss Duschl. Auch was die Einstellungschancen angeht, zeigten sich die Professoren wie der Vertreter der Wirtschaft optimistisch.

Professor Gerhard Raum, Dekan des Fachbereiches Elektrotechnik, ist zwar etwas beunruhigt darueber, dass seine Studenten eine feste Anstellung im Moment nur schwer finden koennen und dass die Unternehmen bei Neueinstellungen zurueckhaltender sind als in den Jahren zuvor. Allerdings erfaehrt er immer wieder, dass seine Ex- Studenten in Projekten bei Firmen taetig sind.

"Arbeit gibt es genug", so seine Schlussfolgerung.

Was in anderen Berufsfeldern schon seit laengerem gaengige Praxis sei, naemlich befristete Werkvertraege, breite sich nun auch in der Elektroindustrie aus. Raum ist ueberzeugt, dass sich hierzulande die Arbeitsmarktsituation fuer Ingenieure insgesamt verbessern wird. Die Faehigkeit, komplexe Systemloesungen realisieren zu koennen, sei eine spezifische Staerke der deutschen Wirtschaft, so Raum. Dazu gehoere eine Ausbildung, die dazu befaehigt, in Systemzusammenhaengen zu denken und zu handeln. "Wir brauchen den Fokus auf das Loesungsgeschaeft mit komplexen Systemen, wo die Staerken unterschiedlicher Ingenieursdisziplinen zusammenfliessen", pflichtet ihm Duschl bei. Nur so koennten sich die Deutschen im globalen Wettbewerb behaupten.