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16.06.1995

Fachliteratur aus Kaufhaus und Kaffeeladen Gute Aussichten fuer Leser: Die DV-Buecher werden billiger

Wo Hard- und Software-Anbieter vorangehen muessen, koennen die Buchverlage nicht nachstehen: DV-Literatur wird immer billiger. Neben dem traditionellen Buchhandel bildet sich ein neuer Markt heraus.

Das "gute Buch" zu Themen rund um den Computer hat auch im Zeitalter interaktiver Online-Hilfen durchaus noch seine Bedeutung. Damit sind jedoch in den seltensten Faellen die von den Verkaeufern von Hard- und Software beim Kauf mitgelieferten User- Handbuecher gemeint. Diese sind oft schlecht geschrieben und strukturiert und erwecken bisweilen den Eindruck, von Programmierern fuer Programmierer, weniger aber fuer Endanwender des jeweiligen Produkts erstellt worden zu sein.

Die Anwender waren daher oft froh, wenn sie zusaetzlich zu den Manuals auf die umfangreichen Buecher von Verlagen wie Sybex, Data Becker und Markt & Technik - um nur einige zu nennen - zurueckgreifen konnten, die puenktlich zum Beispiel zu Software- Release-Wechseln erschienen, je nach Thema und Ausfuehrlichkeit nicht selten 500 bis 1000 Seiten umfassten und den User zwischen 50 und 100 Mark kosteten.

Nicht verschwiegen werden soll auch der - eher inoffizielle - Nutzen solcher Produkte fuer Raubkopierer, die ja wohl in der Regel nicht die Handbuecher des Herstellers erhielten beziehungsweise diese - anders als Installationsdisketten - nur unter grossem Aufwand haetten kopieren koennen.

Weil aber solche dicken Waelzer schon fast wieder veraltet sind, wenn man sie endlich durchgearbeitet hat (oft droht dann schon das naechste Update!), werfen die Verlage regelmaessig zusaetzliche Mini- Versionen der umfassenden Themendarstellungen als Hard- oder Softcover ins Rennen. Sie versprechen, den Anwender in Kuerze die noetigen Tips und Tricks zu lehren, um mit der Software umgehen zu koennen. Gleichermassen boomt der Taschenbuchmarkt, auf dem nach dem Vorreiter Rowohlt auch diverse andere Verlage nach und nach fuer zirka 20 Mark handliche Paperbacks zum jeweiligen Thema anbieten.

Insbesondere was umfangreiche Hardcover-Ratgeber betrifft, bildet sich ferner ein Buchmarkt ausserhalb des eigentlich dafuer zustaendigen Fachhandels heraus. Gegen zirka 20 Mark bietet zum Beispiel der Lingen-Verlag "den treuen Lesern" von Tageszeitungen (also jedem, der sich zum Kauf der Buecher entschliesst) in seien Anzeigenannahmestellen Buecher rund um die DV.

Den Vogel schoss der schweizerische Isis-Verlag vor Weihnachten 1994 mit einer Aktion in den Laeden des Lebensmittelgiganten Aldi ab: Hier wurden 800seitige, fest gebundene Waelzer wie "Das grosse DV- & PC-Lexikon" oder

"Word fuer Windows 6.0" fuer knapp 15 Mark offeriert. Eduscho hat mittlerweile nachgezogen. Hier erhaelt der Kunde zu etwa denselben Preisen anlaesslich von Sonderaktionen Einfuehrungen in gaengige Softwareprogramme von der Planet Medien AG, die es allerdings bei zirka 400 Seiten bewenden laesst. Ob Kaffeekonkurrent Tchibo die Herausforderung annimmt?

Im Kaufhof erhaelt man aktionsunabhaengig die aehnlich gearteten Produkte des Verlags Naumann & Goebel, der zur Vemag (Verlags- und Medien-AG, Koeln) gehoert. Auch hier darf der Kaeufer mit zirka 400 Seiten Buch fuer knapp 15 Mark rechnen.

Im Preiskrieg der Sonderaktionen wiederholte Aldi jetzt zu Ostern seine Weihnachsbescherung und schickte die genannten und weitere Isis-Buecher fuer nur noch 12,95 Mark ins Rennen. Sind zehn Mark beziehungsweise 9,90 Mark die naechste Schallmauer? Die Billigbuecher sind nicht unbedingt schlechter als die ungleich teureren Produkte der typischen DV-Verlage; die Inhalte - Einfuehrungen ins Produkt und Funktionsbeschreibungen - duerften schliesslich weitestgehend dekkungsgleich sein.

Einziger moeglicher Nachteil: Eine Diskette oder gar CD-ROM mit Makros beziehungsweise den im Buch erwaehnten Musterprogrammen etc., wie sie in vielen der umfangreicheren Produkte von Sybex, Data Becker und Markt & Technik vorhanden ist, kann man wohl fuer zehn bis zwanzig Mark nicht verlangen. Allerdings werden interessante Makros, Zusatzprogramme etc. ja zum Teil schon auf den Installationsdisketten der Softwarehersteller mitgeliefert oder sind guenstig ueber den Shareware-Markt (Diskettenpreise um rund fuenf Mark) zu beziehen.

Abgesehen davon scheinen zumindest manche Isis-Buecher etwa durch grosses Druckbild und grosszuegige Seitenaufteilung kuenstlich gestreckt worden zu sein. Dennoch enthalten sie auf 800 Seiten mit Sicherheit mehr Lesestoff als die halb so dicke Konkurrenz. Ferner lassen auch die Buecher der traditionelleren DV-Verlage etwa zu Software-

programmen bei aller Kompaktheit und grossem Umfang stets Luecken - ueber Allgemeinplaetze kommt kaum eines der Werke hinaus, speziellere Fragen mussten und muessen auch wohl weiterhin zum Beispiel ueber entsprechende Essays in den zahlreichen PC-Magazinen oder auf "Leser-Frageseiten" geklaert werden.

Somit bietet der Kauf der billigen Buecher eine echte Ersparnismoeglichkeit fuer diejenigen, die nicht immer bei (fast) jedem Software-Releasewechsel oder aehnlichen Anlaessen 50 bis 100 Mark fuer neue Fachliteratur ausgeben und doch eine relativ umfassende Darstellung der jeweiligen Thematik zur Hand haben wollen.