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07.10.1988 - 

Die fachliche und pädagogische Kompetenz des Referenten entscheidet über den Kurserfolg:

Fachübergreifende Zusammenhänge vermitteln

Der Bedarf an Fortbildung im DV-Bereich wird immer größer. Dafür sind - neben der zunehmenden Zahl an DV-Personal - drei Faktoren maßgebend: Die Überalterung des Wissens, die Verschiebung des Fähigkeitsprofils sowie die Ausweitung auf neue Personengruppen. Michael Bauer beschreibt Kriterien, die für den Erfolg der DV-Fortbildung entscheidend sind.

In wenigen Jahren wird das früher Gelernte durch die Entwicklung von Technologie und Methodik überholt. War es zum Beispiel noch bis vor kurzem der Stolz eines Programmierers, sich durch IMS-Strukturen navigieren zu können, so muß er heute lernen, daß bei relationalen Datenbanken statt dessen Mengenalgebra und abstrakte Datensichten gefragt sind. Dies erfordert nicht nur ein Umlernen in der Syntax der DB-Befehle, sondern eine grundlegende Änderung des Denkens.

Fachleute gehen davon aus, daß nach etwa fünf Jahren das DV-Wissen veraltet ist.

Im Laufe der Zeit verlagern sich sowohl die Anforderungen an die Qualifikation als auch das Aufgabenvolumen von den eher handwerklichen zu den organisatorischen und konzeptionellen Funktionen (siehe Abbildung). -

Während in den Anfangsjahren der DV fast nur Programmierer vonnöten waren, fallen heute zunehmend anspruchsvollere Aufgaben an; zum Beispiel Datenanalyse und DB-Design, Funktionsanalyse, Entwicklung von Standards und Methoden, Dialogkonzepte und

-rahmenprogramme, Datenadministration, Information Center etc. Es kommen also mehr Aufgaben auf organisatorisch und planerisch arbeitende Personen zu, und zugleich steigen die qualitativen Anforderungen an deren Fähigkeit, während es abzusehen ist, daß der "klassische" Programmierer aussterben wird.

Je mehr Datenbanken, Dialogsysteme und methodische Anwendungsentwicklung Einzug in die Unternehmen halten, desto intensiver wird der Fortbildungsbedarf des Einzelnen.

Neben den bisherigen DV-Fachleuten treten neue Personengruppen auf: die selbständigen DV-Nutzer. Auch wenn es den DV-Spezialisten nicht schmeckt, aber diejenigen, die mit PCs oder Endbenutzersoftware auf dem Host kleinere oder auch größere "Anwendungen" entwickeln, sind Kollegen. Und die sollten nicht die mühsam gewonnenen Erfahrungen der DV-Profis über Vorgehen, Systematik, Dokumentation und Sicherheit in der Anwendungsentwicklung nochmals mittels "trial and error" wiederholen, sondern ebenfalls geschult werden. Allerdings sind die Anforderungen seitens der Zielgruppen unterschiedlich: je handwerklicher die Tätigkeit, desto handfester die Ausbildung.

Pädagogische Fähigkeiten werden mehr und mehr gefragt

Und damit stößt man gleich auf ein Problem bei der DV-Fortbildung. Der Mensch behält, so wissen es die Lernpsychologen, am meisten, wenn er etwas "begreift" - also selbst anfaßt, bearbeitet, entwickelt. Deshalb muß die DV-Fortbildung nicht nur aus Wissensvermittlung, sondern auch aus Übung bestehen. Wenn technische Fähigkeiten, wie zum Beispiel Einsatz einer Abfragesprache oder Erstellung eines Dokumentes mittels DTP vermittelt werden sollen, erfordert dies ein Praktikum am Rechner. Sollen aber konzeptionelle Fähigkeiten, wie zum Beispiel Design einer Datenbank vermittelt werden, nützt ein Rechner kaum etwas. In diesem Fall muß das Verständnis durch Fragen, Aufgaben und Fallbeispiele gefördert werden.

Je abstrakter das Thema ist, desto wichtiger wird eine sorgfältige didaktische Aufbereitung des Stoffes. Durch bildhafte Umsetzung wird ein Sachverhalt "anschaulich" und bleibt hängen. Doch hierbei treten in unserer Branche zweierlei Schwierigkeiten auf: zum einen sind die Themen

- speziell im methodischen Bereich

- zu abstrakt, um leicht eine anschauliche Visualisierung zu finden, und zum anderen sind DV-Fachleute nicht immer zugleich Didaktiker. Somit ist die Aufbereitung des Stoffes und die Gestaltung des Lehrmaterials ein kritischer Faktor.

Während man bei der Vermittlung technischer Fähigkeiten (zum Beispiel Benutzung einer Software, Lernen einer Programmiersprache) noch eine Unterstützung durch Lerntexte, Videofilme oder Teachware-Programme erwarten kann, fällt dies bei anspruchsvolleren Themen weitgehend fort. Hier ist man auf die Qualifikation des jeweiligen Referenten angewiesen. Dieser darf sich deshalb nicht auf eine reine Vortragstechnik beschränken, sondern muß aktivierende Lehrmethoden einsetzen. Das können sein: Brainstorming, Problemsammlung, Bewertungen, Fallstudien, Vorführungen, Gruppenarbeiten mit Verständnisfragen und Übungen, moderierte Diskussionen. Besonders geeignet sind Methoden, bei denen die Teilnehmer aufstehen und selbst operieren müssen; zum Beispiel an Pinwänden oder Tafeln.

Ein weiterer Erfolgsfaktor der DV-Fortbildung ist die Auswahl des Lehrstoffes. Jeder Teilnehmer benötigt:

- Verständnis für die Zusammenhänge,

- das eigentliche Fachwissen,

- Hintergrundwissen,

- Kenntnis der firmenindividuellen Regeln.

Dies muß natürlich an die Aufgaben und Fähigkeiten der jeweiligen Zielgruppe angepaßt sein.

Gerade das Hintergrundwissen spielt eine große Rolle zum Verstehen - und damit das Behalten - des eigentlichen Fachwissens. So ist zum Beispiel für einen Programmierer ausreichend, die SQL-Anweisungen zu beherrschen, doch die Kenntnis der Arbeitsweise eines relationalen Datenbanksystems läßt alles weniger abstrakt und verständlich werden.

Das erfordert aber auch von dem Referenten, daß er wissensmäßig wesentlich mehr als nur den Lehrstoff des Seminars abdeckt. Nichts ist destruktiver als ein Referent, der auf Fragen, die etwas neben den Lehrstoff zielen, nur noch verlegen schweigen kann. Deshalb darf der Lehrstoff, bezogen auf das Wissen des Referenten, nur die "Spitze des Eisbergs" sein.

Problematisch wird dies immer, wenn Referenten nur die Unterlagen vortragen, die von anderen ausgearbeitet worden sind. Dabei bleibt auch fraglich, inwieweit der Referent den Lehrstoff durch praktische Erfahrungen dessen, was machbar ist, untermauern kann. Andernfalls wird er durch die Praktiker unter seinen Teilnehmern schnell durchschaut und verliert an Glaubwürdigkeit. Damit ist der Erfolg eines Seminars in Frage gestellt.

Das bedeutet: Je anspruchsvoller die Thematik, desto höhere Anforderungen werden an fachliche Kompetenz, Praxishintergrund und didaktische Fähigkeiten des Referenten gestellt. Damit bildet der Referent das wesentliche Qualitätsmerkmal erfolgreicher DV-Ausbildung.

Da die Themen im Rahmen der Fortbildung anspruchsvoll sind und noch anspruchsvoller werden, ist ein Seminar auch für die Teilnehmer eine Konzentrationsanstrengung. Deshalb sind alle Störungen der Konzentration auch eine Beeinflussung des Lernerfolges.

Allzuoft erlebt man bei firmeninternen Seminaren, daß Teilnehmer in den Pausen an ihren Arbeitsplatz hetzen, um noch irgendetwas zu erledigen. Oder sie wurden während des Seminars ans Telefon gerufen, von dem einige gar nicht mehr zurückkamen.

Dies müßte sich mit etwas Disziplin abstellen lassen. Besser wäre es noch, die Fortbildungsveranstaltung außer Haus durchzuführen. Abgesehen von dem besonderen Charakter, den eine positive Seminaratmosphäre schafft, intensiviert sich die Behandlung einer Thematik, wenn die Teilnehmer permanent zusammenbleiben und so miteinander auch informell noch diskutieren.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der Unterrichtsraum und seine Ausstattung. Leider gibt es bei vielen Unternehmen Schulungsräume, die wenig erfolgsfördernd sind: zum Beispiel fensterlose Räume, zu kleine Räume, ungünstiger Raumschnitt, keine Pausenfläche und Gruppenarbeitsräume. Ähnliches findet man auch bei der Seminarausstattung: kleine Leinwände, lichtschwache Overhead-Projektoren, keine Arbeitswände und ausgetrocknete Stifte. Diese Dinge sollten den Lernerfolg nicht gefährden.

Michael Bauer ist Geschäftsführer der Informatik Training GmbH in Radolfzell