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11.02.1983

Factory of the Future - Prüfstein für integrierte DV

Prof.Dr.August-Wilhelm Scheer, Wirtschaftinformatiker an der Universität des Saarlandes, Teil2

Besonders deutlich werden diese Probleme, wenn Planungssysteme zur Produktionsplanung und - steuerung von unterschiedlichen Ansatzpunkten heraus entwickelt werden. Die bekannten Standardsysteme wie Copics, Miacs-TD, Unis und ISI leiten aus den Absatzschätzungen und Kundenaufträgen Produktionsaufträge ab. Ihre Schnittstelle zum Fertigungsbereich war lange Zeit die Vorgabe dieser Fertigungsaufträge in Form von Arbeitspapieren. Wegen der engen Beziehung zu der Materialwirtschaft sowie dem hohen Rechen- und Speicherbedarf sind die Systeme auf der Groß-EDV, die in der Regel den kaufmännischen Geschäftsbereichen unterstellt ist, implementiert. Die oben aufgeführten neuen EDV- Anwendungen, auch die Betriebsdatenerfassung, werden dagegen häufiger unter der Regie des Fertigungsbereichs selbst entwickelt. Dabei weckt bereits der Informationsbedarf der Produktionsleitung nach genauen Daten über Ist-Produktionsmengen und- qualitäten den Wunsch nach eigener EDV- Kapazität. Aus diesem Grunde kann ein Betriebsdatenerfassungssystem selbständig in dem Produktionsbereich aufgebaut werden, ohne daß vorher bereits ein Produktionsplanungssystem konzipiert wurde, für das die Betriebsdatenerfassung als Rückmeldesystem dienen soll.

Wenn auch der Einsatz dezentraler Rechner im Fertigungsbereich wegen der hohen Anforderungen an die Auskunftsbereitschaft des Systems sowie der Anschlußmöglichkeiten breiterer Peripherie sinnvoll ist, muß eine Verknüpfung mit einem übergeordneten Planungsrechner gesichert sein. Diese Forderung wird, umso dringlicher, wenn auf beiden Systemen Daten gehalten werden, die synchron im Online- Betrieb aktualisiert werden müssen. Dieses wird gegenwärtig mit der Forderung nach einer einheitlichen Datenbank für die Fremddaten (Stücklisten, Arbeitspläne) der CAD/CAM-Anwendungen und der Produktionsplanung und- steuerung besonders aktuell. Auch führt das Zusammenwachsen von kaufmännischen und technischen Funktionen im Anwendungsbereich dazu, daß Transaktionen von einem "technischen Rechner zu einem kaufmännischen" Rechner gestartet werden können.

Es bietet sich deshalb an, nur solche Hardware- und Softwaresysteme anzuschaffen, die bereits von ihren Herstellern mit entsprechenden Verbindungen ausgestattet worden sind. Hier ist allerdings zu bemerken, daß auch für die Großhersteller die transaktionsorientierte Verbindung der Mainframehardware mit ihren Prozeßrechnerfamilien keine Selbstverständlichkeit ist. Das Fehlen von geeigneter" vor"- integrierter Hard- und Software hat deshalb wesentlich zur unterschiedlichen EDV-Entwicklung in Produktion und kaufmännischer EDV beigetragen.

Ein wesentlicher Punkt für das teilweise unkontrollierte Wachstum der EDV-Anwendungen im Fertigungsbereich ist auch darin zu sehen, daß die Komplexität der Anwendungen von mehr auf kaufmännische Funktionen fixierten EDV-Leitern in vielen Unternehmungen nicht überblickt werden konnten.

Es ist offensichtlich, daß die verschieden Spezialentwicklungen des Computereinsatzes im Fertigungsbereich zu koordinieren und gleichzeitig in ein geschlossenes Planungs- und Steuerungskonzept einzubetten sind. Hinzu kommt, daß zahlreiche administrative und betriebswirtschaftliche Funktionen wie die Auftragsabwicklung, die Materialwirtschaft, die Lohnabrechnung, die Finanzbuchführung sowie die Kostenrechnung stark an den Daten des Fertigungsbereich interessiert sind. Auch von hier aus dringt der Wunsch nach Online- Anfragen und -Verarbeitungen stärker in diesen Bereich ein.

Aus diesem Grunde ist zu fordern, daß die Informationsverarbeitung im Fertigungsbereich mit der in den übrigen Bereichen der Unternehmung koordiniert wird. Dieses kann am besten durch einen für das gesamte Unternehmen zuständigen Informationsbereich geschehen. Mindestens ist dies aber durch die Einrichtung eines Koordinationsausschusses sicherzustellen, der alle Hardwareentscheidungen sowie Anschaffungen beziehungsweise Entwicklungen im Softwarebereich abstimmt.

Gleichzeitig sind die Hersteller von Anwendungssoftware zur Produktionsplanung und -steuerung aufgerufen, die vielfältigen EDV-Entwicklungen im Fertigungsbereich in ihren Konzepten zu berücksichtigen und dem Anwender frühzeitig umfassende, integrierte Systeme zur Verfügung zu stellen. Nur hierdurch kann verhindert werden, daß die sprunghaft gestiegene Akzeptanz von Standardanwendungssoftware im Produktionsbereich, wie sie in den letzten Jahren eingetreten ist, jäh beendet wird, weil die geforderte Integration von den Herstellern nicht angeboten wird. Nur bei konsequenter Durchführung einer Strategie der integrierten Informationsverarbeitung durch den Anwender und die Bereitstellung entsprechender Standardsysteme insbesondere durch die EDV-Großhersteller ist die "Factory of the Future" als integriertes EDV- gestütztes System zu verwirklichen.