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08.11.1991 - 

Keine IBM-Wartungsgarantie für aufgerüstete 3090-Speicherkarten

Fälschung und Betrug - neue Klage der IBM gegen Comdisco

CHIKAGO (CW) - Einen neuen gerichtlichen Anlauf nimmt die IBM Corp, im Upgrade-Hickhack mit der Comdisco Inc. Nachdem ein Verfahren gegen den Leasinganbieter wegen des Austausches von IBM-Originalteilen im Sande zu verlaufen scheint, schwenkte IBM nunmehr um: Comdisco, so die neue Klage, kupfere in betrügerische Absicht IBM-Memory-Teile ab.

Dem US-Bundesgericht am Comdisco-Hauptsitz in Chikago liegen folgende Beschuldigungen der IBM vor: Vorsätzlich und planmäßig pflege Comdisco Original-Memory-Boards von IBM mit der Kapazität 2 MB auseinanderzubauen und zu neuen 4- oder 8-MB-Karten zu modifizieren. Diese neuen Speicher-Boards sollen angeblich optisch auf IBM getrimmt worden sein, um die Kunden zu täuschen. Zu diesem Zweck seien auch Teilenummern gefälscht worden. Das Verfahren bezieht sich gegenwärtig nur auf den US-Markt.

Der Herstellungsprozeß der angeblich nachgemachten Karten führt laut IBM zu offenen oder latenten Funktionsfehlern. Angeblich sollen solche bereits aufgetreten sein. Insgesamt soll es sich IBM zufolge um rund 100 Boards in vier 3090-Maschinen handeln. Der Hadwarehersteller weigert sich, Systeme mit nachgemachten Memories zu warten. Comdisco, montiert der Mainframe-Hersteller, hätte die Kunden darauf hinweisen müssen, habe sie jedoch in dem Irrglauben gelassen, sie könnten vollständige Leistungen für ihre getunten Systeme in Anspruch nehmen. Eine Reihe von Comdisco-Kunden hat IBM zufolge diesen Sachverhalt bereits schriftlich beeidet.

Ziel der Klage von Big Blue ist es, die beanstandete Praxis sofort und dauerhaft abzustellen sowie einen Schadenersatz in bisher nicht bekannter Höhe zu erhalten. Für den Anfang strebt IBM eine einstweilige Verfügung an. Comdisco hält eine solche für überflüssig, denn im Gegensatz zu den Ausführungen des Gegners beabsichtige man nicht, Memories auf die beschriebene Weise zu modifizieren. Das erklärte Comdisco-Chairman Ken Pontikes.

Comdisco reagiert mit modifiziertem Angebot

Das herstellerunabhängige Leasing- und Wartungsunternehmen hat eingestandenermaßen bis Ende Januar dieses Jahres modifizierte IBM-Memory-Boards in 3090-Maschinen eingebaut, diese jedoch nicht selbst hergestellt, sondern von Drittanbietern gekauft. Man habe, so Pontikes, seinerzeit versucht, von IBM die Zusage zu erhalten, daß Maschinen mit solchen Speicherkarten von Wartungsverträgen des Herstellers abgedeckt würden. Ein entsprechender Brief nach Armonk sei jedoch abschlägig beschieden worden, worauf man die fraglichen Produkte nicht mehr verwendet habe. Der britische Branchendienst "Computergram International" stützt diese Darstellung Comdiscos mit Bezug auf eigene Quellen.

Der Leasinganbieter hat als Reaktion auf die neuerliche IBM-Klage sein Rekonfigurations-Angebot für den US-Markt modifiziert. Wie das Chikagoer Unternehmen mitteilt, biete man den betroffenen Kunden nunmehr drei Alternativen an: Wahlweise würden

die fraglichen Boards gegen entsprechende IBM-Originalteile beziehungsweise IBM-kompatible Komponenten ausgetauscht, um die Wartungsleistungen von Big Blue zu erhalten. Sei das nicht gewünscht, müßten die Kunden ihren Service bei Third-Party-Anbietern einkaufen.

Comdisco bestreitet die Berechtigung der Klage. Falls irgendwelche Probleme vorlägen, würde man es vorziehen, sie auf der geschäftlichen Ebene, also auf dem Verhandlungswege, zu lösen. Die erneute juristische Anstrengung der IBM sei nichts anderes als ein weiterer Versuch, die Branche der herstellerunabhängigen Leasinganbieter zu "zerstören" und den Wettbewerb zu unterbinden, indem "Angst, Unsicherheit und Zweifel" unter der Kundschaft verbreitet würden, vermutet Chairman Pontikes. Man habe gleichwohl, so Pontikes, das Gericht in Chikago gebeten, den streitenden Parteien Zeit für eine außergerichtliche Einigung einzuräumen. Ob es mittlerweile zu einem Treffen gekommen ist, war bis Redaktionsschluß nicht in Erfahrung zu bringen. Die nächste Zusammenkunft des Chikagoer Bundesgerichtes ist für den 6. November angesetzt.

Geoff Sewell, Generaldirektor von Eclat, des europäischen Verbandes der DV-Leaser, betonte zum wiederholten Male die Flexibilität des Angebotes für die Anwender sei durch solche Aktionen IBMs ebenso gefährdet wie der Wert ihrer Investitionen in IBM-Equipment. Nach Gesprächen mit der IBM-Europe gebe es indes keiner Hinweis, daß User in der Alter-Welt von den jüngsten Vorfällen betroffen seien. Sewell bedauerte, daß IBM erneut Zuflucht zu juristischen Maßnahmen nehme, anstatt in einer "geschäftlichen Dialog" zur Lösung der Probleme einzutreten.

Comdisco vergrößert unter dessen seine Präsenz in Europa. Wie das Unternehmen mitteilt, sollen die europäischen High-Tech-Leasingaktivitäten und das britische Desaster-Recovery-Geschäft der USF & G Corp. übernommen werden.