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03.03.1995

Fahrbarer Serviceriese moebelt seine Rechentechnik auf

BERLIN (ms) Mit der deutschen Einigung fahren auch die beiden Eisenbahngastronomen wieder unter einer Flagge. Als Mitropa AG Deutsche Service-Gesellschaft der Bahn ist das derzeit ueber 7000 Mitarbeiter zaehlende Unternehmen zu Wasser und zu Land im Einsatz. Fuer die beim Dienstleister ankommende Datenflut hat die Berliner Zentrale nun ein neues PC-Konzept im Visier.

Gegruendet wurde die Mitteleuropaeische Schlafwagen- und Speisegesellschaft AG (Mitropa) in den Wirren des Jahres 1916. Waehrend die Kriegsfolgen und der Versailler Vertrag das Aktionsfeld der Mitropa bis 1925 stark einschraenkten, konnte sich die Firma in den Jahren danach zu einem starken Servicehaus entwickeln.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war davon jedoch nicht mehr viel uebrig: Der Wagenpark war zerstoert und die Geschaefte im Ausland und in den ehemals deutschen Ostgebieten verloren.

Die Teilung Deutschlands spaltete auch das Unternehmen: Mit den im Westen verbliebenen Vermoegensanteilen gruendete sich 1949 in Frankfurt am Main die Deutsche Service-Gesellschaft der Bahn mbH (DSG). In der DDR aenderte man zwar das adleraehnliche Signet, firmierte jedoch bereits seit Ende Mai 1945 wieder unter dem alten Namen (Mitropa AG) mit Sitz in Ostberlin.

Mit der Wende fanden die beiden Anbieter, deren Kerngeschaeft der Service im Zug ist (Umsatz 1994: 281 Millionen Mark), wieder zueinander. Seit August letzten Jahres ist die Fusion auch amtlich abgesegnet.

Mit ueber 7000 Mitarbeitern - die DDR-Mitropa hatte ehemals rund 15 000 Beschaeftigte, Umsatz 1989 etwa 1,7 Milliarden Ostmark; bei der DSG machten rund 5000 Personen einen Umsatz von 536 Millionen Mark - sei die

"neue Mitropa" bereits auf Platz vier unter den groessten Gastronomen der Bundesrepublik mit etwa 647 Millionen Mark Einnahmen im vergangenen Jahr, so die Geschaeftsleitung.

Neben Berlin als Hauptzentrale kuemmert sich in Frankfurt am Main auch weiterhin ein Team um Projekte wie den ICE und ICN. Das gemeinsame Agieren im Markt verlangt einheitliche moderne DV- Strukturen. Waehrend die Hessen noch an Nixdorf-Maschinen werkeln, werden bei den Berlinern derzeit neue Informationssysteme installiert.

Begonnen hatte man bereits 1990, die Niederlassungen in den frueheren 15 DDR-Bezirksstaedten per PC zu vernetzen. Ein Gewaltprogramm, "fuer das wir ein perfektes Management brauchten", erinnert sich Gunter Holley, DV-Chef im Unternehmen. Schliesslich habe die technische Hinterlassenschaft aus frueheren Zeiten nur aus wenigen 8-Bit-PCs bestanden. Betriebswirtschaftliche Loesungen und Schnittstellen fuer Lohn, Gehalt etc. fehlten.

Diese kaufte man bei einem Bremer Softwarehaus. Fuer die Betreuung des neuen Netzes habe sich lange kein passender Partner finden lassen, so der Manager: "Mit unserer umfangreichen Dezentralisierung hatten einige Anbieter ihre Probleme." Keiner davon habe das Versprochene wie kurze Reaktionszeiten im Netz und bei den PCs einhalten koennen.

Ein "serioeses Angebot" sei Anfang 1993 von der Berliner Wemex data GmbH gekommen. Das 1990 gegruendete ostdeutsche Unternehmen habe sich nicht nur als "zuverlaessiger Partner fuer die Netzwartung" gezeigt, sondern auch ein Konzept fuer die bessere Organisation der vier Geschaeftsbereiche (Service im Zug, Service an der Strasse, Gastronomie und Handel in Bahnhoefen und Faehrschiffen sowie Intercity-Hotels) auf den Tisch gelegt, lobt Holley.

Die Datenflut bei der nun vereinten und bundesweit taetigen Firma war inzwischen "bedrohlich angewachsen". Allein aus den 25 Autobahnraststaetten kommen pro Jahr 800 000 Belege, die verwaltet und ueber sechs Jahre aufbewahrt werden muessen. Akten aller Art haetten sich in den Baracken gestapelt. Bei Bedarf "suchten alle, keiner fand etwas", heisst es.

Jacqueline Krienke, Leiterin Rechnungswesen des Bereiches Service an der Strasse (SAS), dazu: "Zuerst wollten wir nur diese Papierberge umschaufeln, anstatt neu zu organisieren." Erst nachdem sich das Team "drei Monate selber im Wege gestanden" habe, sei die Erkenntnis gewachsen, dass man eine elektronische Archivierung und Vorgangsbearbeitung brauche.

Mit einer Investition von rund 650 000 Mark kaufte man von der Wemex data die notwendige Technik (Compaq) und installierte die von der Berliner Informatics Consulting GmbH entwickelte Belegverwaltung "Belami". Zur Archivierung entschied man sich fuer das System "Hyparchiv" der ACS Systemtechnik GmbH aus Hamburg. Beide Produkte laufen unter Windows und steuern den gesamten Datenfluss des zentralen Rechnungswesens des SAS, der im letzten Jahr 76 Millionen Mark umsetzte. Neben den 30 PC-Arbeitsplaetzen (Desktop, 8 MB RAM, 120-MB-Festplatte), einem Supervisor und den Scannerstationen haengen am Novell-LAN ein Archiv-Server (Tower, 16 MB RAM, 2,5-GB-Festplatte) sowie eine Jukebox mit einhundert CDs (e 460 MB) nebst Brennstation.

Die Einfuehrung und Betreuung des Workflow-Systems bei der Mitropa hatten sich die beiden ostdeutschen Systemhaeuser geteilt. Laut eigenen Angaben sind sie seit laengerem Partner und "ergaenzen uns beim Kunden". Walter Liepe, Geschaeftsfuehrer der ICG, erklaert: "Ein Fernprojekt mit Pflichtenheft ist der Untergang fuer jedes IT- Konzept." Nur gemeinsam mit den Nutzern habe man die Applikationen einfuehren und im Testlauf anpassen koennen.

Eine Methode, die sich beim Gastronomie-Anbieter bewaehrt zu haben scheint, zumal man in kuerzester Zeit und neben der taeglichen Arbeit das neue System in den Griff bekommen musste.

Vom Vorstand des Speisen- und Getraenkeanbieters wurde laut Holley nun fuer die Einfuehrung des Workflow-Konzeptes in allen vier Geschaeftsressorts des Unternehmens "gruenes Licht gegeben". Nach Berlin will man schrittweise die Niederlassungen in den neuen Laendern zu "papierarmen Bueros" umgestalten. Die dort bereits vorhandenen modernen Anlagen wuerden die Anpassung erleichtern, heisst es. Danach kaemen die Stuetzpunkte im westlichen Teil des Landes an die Reihe.