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03.10.2003 - 

Dienstwagen - eine Towers-Perrin-Studie im Auftrag der COMPUTERWOCHE

Fahren auf Firmenkosten

MÜNCHEN (hk) - Wer welchen Dienstwagen bekommt, sorgt in Unternehmen für Gesprächsstoff. Manche Berechtigte ziehen allerdings andere Arten der Vergütung vor.

Das Bild ist immer das gleiche: Sobald in einem Vergütungsvortrag die Rede auf die Dienstwagenregelung kommt, kehrt gespannte Aufmerksamkeit ein, und alle Zuhörer schreiben fleißig mit. In Deutschland, so lästern Vergütungsexperten, werde dieses Thema viel ernster genommen als in anderen Ländern Europas.

Um etwas mehr Transparenz herzustellen, haben die Gehaltsspezialisten der internationalen Beratungsgesellschaft Towers Perrin im Auftrag der CW untersucht, wie die IT-Branche mit diesem Thema umgeht. Befragt wurden dabei 97 Unternehmen aus dem IT-und TK-Umfeld.

Erste Erkenntnis: Je höher die Position, desto größer ist auch der Wert des Firmenfahrzeugs. So darf sich ein Bereichsleiter im Durchschnitt ein Auto im Wert von 36500 Euro aussuchen, der Key-Account-Manager erreicht 34500 Euro genau wie auch der Projekt-Manager, und der Abteilungsleiter kann 31500 Euro ausgeben.

Towers Perrin hat auch ausgerechnet, wie hoch die mittlere jährliche Zulage ist, falls der Mitarbeiter beziehungsweise die Führungskraft die Wahlmöglichkeit hat und auf den Dienstwagen verzichtet. So beträgt sie beim Bereichsleiter im Durchschnitt 9000 Euro brutto im Jahr, beim Projekt-Manager 8700 und beim Abteilungsleiter 8500 Euro.

So gut wie keine Unterschiede machen die Firmen, was die Versicherung und das Benzin angeht, "das ist im Paket drin", heißt es uniso-no. Der Arbeitgeber trägt die Kosten. Im Trend liegt auch, dass die Firmen die Fahrzeuge leasen, einen externen Dienstleister beauftragen, der sich um die komplette Abwicklung - vom günstigen Pkw- bis zum billigsten Werkstattangebot - kümmert.

Dirk Ewert, Vergütungsprofi von Towers Perrin, beobachtet, dass die Mitarbeiter in Unternehmen immer öfters mit spitzem Stift rechnen, ob sich der Dienstwagen finanziell auszahlt, und von der Geschäftsleitung Alternativen erwarten. So berichtet Ewert von einer Mitarbeiterumfrage in einem Softwarehaus, wo es um die Frage Auto oder Nahverkehrsticket ging. Die Mehrheit habe sich eindeutig für den öffentlichen Verkehr ausgesprochen. In einem anderen Fall hieß die Alternative Gehaltserhöhung oder Dienstwagen, und auch hier fiel das Votum gegen das Automobil aus.

Für Manuel Dohr, zuständig für Personalfragen beim Münchner Softwarehaus Ixos, spielen vor allem folgende Gründe eine Rolle, wenn sich ein Mitarbeiter für einen Firmenwagen entscheidet:

- Der Wohnort liegt nicht weit weg vom Arbeitsort. Wenn es mehr als 20 Kilometer sind, wird die Versteuerung der zusätzlichen Kilometer zu teuer.

- Der Mitarbeiter fährt sehr viel privat. Das lohnt sich, da das Benzin in der Regel der Arbeitgeber zahlt.

- Der Einkaufspreis des Wagens ist nicht zu hoch, denn der Fahrer muss ein Prozent vom Neuwert versteuern, und auch für die Versteuerung der Fahrten zum Arbeitsort ist der Neuwert Bemessungsgrundlage.

Welches Auto fährt der Vorstand?

Bei Ixos haben 100 von 500 Mitarbeitern einen Dienstwagenberechtigung. Im Vertrieb erhält jeder Beschäftigte einen Wagen, im Service ab Senior-Sachbearbeiter beziehungsweise Teamleiter, und ansonsten die Geschäftsführung einschließlich der erweiterten Geschäftsführung, die in Deutschland aus 14, weltweit aus 19 Managern besteht.

Vor allem große Unternehmen achten streng darauf, auf welcher Hierarchiestufe welche Autos gefahren werden, weiß Ewert. Er kennt kein Beispiel, in dem sich der Vorstand mit einem 5er BMW bescheidet und die Verkäufer in der höheren 7er-Klasse sitzen.

Uwe Holländer, Personal-Manager beim Chemie- und Pharmariesen Bayer, bestätigt für sein Unternehmen eine restriktive Dienstwagenpolitik. Nur Mitglieder der Geschäftsführung, Vorstände und Außendienstmitarbeiter kommen in den Genuss eines Firmenfahrzeugs. Neu eingeführt hat Bayer allerdings für alle außertariflichen Mitarbeiter die Möglichkeit, über den Konzern ein Fahrzeug zu günstigen Konditionen zu leasen, von denen man "als Privatperson nur träumen kann", wie Holländer versichert.

Towers-Perrin-Mann Ewert bestätigt, den Trend zu derartigen Pooling-Verfahren, über die Unternehmen letztlich auch Kosten sparen, denn "je mehr Mitarbeiter in einen Wagen investieren, desto preiswerter wird die Gesamtlösung."

Neidfaktor vermeiden

Weniger konventionell ist das Erlanger Softwarehaus 3Soft an die Sache herangegangen. Auch hier gilt die klassische Lösung, dass Führungskräfte und der Vertrieb Anspruch auf einen Dienstwagen haben. Der Unterschied zu vielen anderen Unternehmen besteht allerdings darin, dass alle Berechtigen die gleiche Summe Geld für den Pkw bekommen - unabhängig von der Hierarchiestufe. "Wenn der Vorstand einen Golf fährt und der Verkäufer einen Mercedes, hat keiner damit ein Problem", sagt Personalchefin Corinna Diederichs. Zu dem festgelegten Betrag kann jede Führungskraft beliebig aus eigener Tasche zuzahlen, um ihr Lieblingsgefährt zu kutschieren. Damit falle ein wichtiges Ärgernis weg, das Diederichs aus jahrelanger Personalarbeit kennt, nämlich "der Neidfaktor".

Abb: Chefposition zahlt sich aus

Je höher die Hierarchiestufe im Unternehmen, desto mehr darf der Firmenwagen kosten. Quelle: Towers Perrin