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ITS-Automatisation des Güter- und Personenverkehrs


21.02.1975 - 

Fahrkarten mit Lichtstift vom Terminal

MÜNCHEN - Mit ITS (Integrierte Transportsteuerung) plant die Bundesbahn ihr gesamtes Transportwesen zu rationalisieren.

"Das Verbundsystem Integrierte Transportsteuerung wird die Personen- und Güterbeförderung weitgehend automatisieren", versichert Dipiom-lngenieur Winfried Oehler, Dezernent für Verkaufs- und Bürotechnik im Bundesbahnzentralamt. Mit 1500 Datenstationen soll bis 1978 der Güterverkehr mit dem ITS-System geregelt werden. In einer zweiten Stufe wird die Rechner-gesteuerte Fahrtausweiserstellung verwirklicht. Eine Automatisierung des Betriebsablaufs durch Bezirkssteuerzentralen soll die dritte Stufe herbeiführen.

Oehler, einer der Projektmanager, berichtet: "Das Verbundsystem realisieren wir mit einer Hardwarekonfiguration, die einen Auftragsumfang von runden 500 Millionen hat." Die Hardware-Auswahl soll bis Ende 75 getroffen werden.

Grünes Licht für die Verwirklichung der Integrierten Transportsteuerung wurde vom Vorstand der Bundesbahn 1971 gegeben. Bereits vorher hatte der jetzige Gesamt-Leiter Prof. Dr.-lng. habil. Walter Schmitz als Modell für ITS "die kybernetische Insel" für die Bundesbahnverwaltungen im Raum Kassel und Hannover geplant und verwirklicht. Für die ITS-Endstufe sieht die Bundesbahn ein Verbundnetz vor mit 4800 Datenstationen, 20 Datenkonzentratoren, 10 Regionalrechnern, einem Frontend-Prozessor und einem Duplexsystem als Zentralrechner. Zur Datenübertragung benutzt die Bundesbahn ihr eigenes Netz, mit Übertragungsgeschwindigkeiten zwischen 1200 und 4800 Bit/Sekunde. 1971 erfolgte eine Ausschreibung an 40 Hersteller.

Prototyp im Hard- und Softwaretest

Nach Erarbeitung eines Pflichtenhefts blieben noch Philips/ Siemens und Nixdorf in der engeren Auswahl.

Mit den Datenstationen soll die Erstellung von Frachtbriefen und Fahrtausweisen im nationalen und internationalen Verkehr erfolgen 1973 konnte ein Prototyp von den beiden verbliebenen Herstellern im Bundesbahnzentralamt installiert werden. Er befindet sich momentan in Aubing zum Hard- und Softwaretest und ist über eine DFÜ-Leitung an eine Siemens 4004 in Frankfurt angeschlossen. Der Prototyp ist mit einem Bildschirm, Alpha- und Zehnertastatur und einem Drukker ausgerüstet; ferner können Floppy-Disks angeschlossen werden.

Der Nadeldrucker (100 Zeichen/Sekunde und 420 Druckpositionen) kann sowohl Einzel- wie Endlosformulare drucken.

"Im Personenverkehr werden wir mit unseren Datenstationen die 400 verschiedenen Fahrtausweise auf acht Muster zusammenschrumpfen", berichtet Oehler erfreut, "und die Fahrtausweise werden genauso wie Flugtickets aussehen. Außerdem arbeiten wir bereits eng mit EG- und EFTA-Ländern zur Standardisierung der europäischen Fahrtausweise zusammen. Mit den Frachtbriefen werden wir schließlich nur noch zwei Formulargrößen haben."

Neben der Dokumenterstellung druckt die Datenstation Angebote über sämtliche Serviceleistungen der Bundesbahn und Reservierungen. Für die Datenstation ist des weiteren ein Lichtstift zur Fahrtausweiserstellung vorgesehen. Der Schalterbeamte streift auf einer Skala den Zielbahnhof und die Gattung (Einfach- oder Rückfahrkarte) ab. Daraufhin wirft die Datenstation die Fahrkarte aus.

1350 Mannjahre

Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung von ITS liegt bereits im Verkehrsministerium vor. In der ersten Stufe, der Automatisation der Güterbeförderung, verspricht sich die Bundesbahn eine Personaleinsparung in Höhe von 4000 Mitarbeitern (1 Prozent der Gesamtbelegschaft).

Sechs Bundesbahnbeamte sind mit dem Projektmanagement betraut und leiten eine Mannschaft von 50 Mitarbeitern.

Den Gesamtaufwand für das ITS-Konzept schätzt man im Bundesbahn-Zentralamt auf 1350 Mannjahre.