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12.09.1975 - 

Programmiertes Fahren: Technik ok - finanziell aussichtslos

Fahrthinweise vom Zentralrechner

Keiner weiß, wer bezahlen soll, was technisch möglich wäre - das vereinfachte Autofahren mit Hilfe eines elektronischen Verkehrslotsen, das schnellere Durchfahrzeiten und eine optimale Nutzung des vorhandenen Straßenraumes bringen könnte. Siemens hat deswegen eingemottet, was vor einigen Jahren Schlagzeilen sogar in der ADAC-"Motorweit" machte. Ein Kassetten-Recorder-großes Zusätzgerät im Auto sollte dem Fahrer automatisch anzeigen, ob er geradeaus weiterfahren, rechts oder links abbiegen muß. Im einzelnen sah der Plan so aus: an jeder Straßenkreuzung ist eine vier Meter lange Induktionsschleife verlegt. In die Autos werden kombinierte Sende/Empfangsgeräte eingebaut. Beim Überfahren der Induktionsschleife werden die vom Autogerät abgegebenen Signale empfangen und über Leitung an einen großen Verkehrsrechner weitergegeben - der "weiß" infolgedessen ständig, wo sich wieviel Autos befinden und wie schnell sie fahren. Er empfängt ferner vom Autogerät jeweils das vom Fahrer als Nummer eines Planquadrates eingetastete Fahrtziel. Aufgrund einer Straßendatenbank, in der auch alle Umleitungen gespeichert und Verkehrsstauungen aufgenommen wären, ermittelt der Rechner den günstigsten Fahrweg und gibt über Leitungen und Induktionsschleifen dem einzelnen Auto Signale, die einen Fahrtrichtungsanzeiger am Armaturenbrett steuern.

Die Kosten für einen solchen elektronischen Verkehrslotsen sollten - bei "Stückzahlen" - nach Siemens-Kalkulation bei 80 bis 120 Mark pro Fahrzeug liegen. Mindestens das doppelte der Pkw-Ausrüstungen würden allerdings die Induktionsschleifen kosten, die an allen verkehrswichtigen Stellen (z. B. Kreuzungen) verlegt werden müßten. Hinzu kommen die Kosten für Hardware und Software. Theoretisch denkbar wäre eine Finanzierung über 200 Prozent Aufschlag auf die Kosten des ins Fahrzeug eingebauten Gerätes.

Praktisch ist Siemens von der organisatorisch/politischen Seite her so skeptisch, das aus der Entwicklung ein Schubladen-Projekt wurde. Selbst für Verkehr auf Werksgelände - so meint Siemens - würde sich das niemand leisten. Bosch/Blaupunkt ist optimistischer: die Firmengruppe stellte kürzlich ein Verkehrslenkungssystem vor, das ebenfalls auf einem Kfz-Zubehör-Gerät und in der Fahrbahn verlegten Induktionsschleifen beruht. Den Finanzier für einen Großversuch sucht man noch.

Skeptiker meinen, es werde längst keine Autos mehr geben, bis sich alle zuständigen Stellen über die Einführung eines elektronischen Verkehrslotsen einig wären. -py