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28.05.1993

Fakten zu offensichtlich Betrifft CW Nr. 20 vom 14. Mai 1993, Leserbrief auf Seite 9: "Unbegrenzte Narrenfreiheit"

1. Microsoft ist kein Monopolist. Dies ist eine nuechterne und keine "aengstliche-befriedigende" Erkenntnis meinerseits. Wer anderer Meinung ist, sollte sich dann zum Beispiel ueber die Bedeutung von Novell bei Netzwerkbetriebssystemen klar werden. Dies ist meines Wissens noch nicht in vergleichbarer Weise diskutiert worden. Aber weder Microsoft noch Novell verhalten sich wie Monopolisten, insoweit ist zumindest derzeit kein Schaden fuer die Kunden erkennbar. Im uebrigen sei hier auch auf den Kommentar von Dieter Eckbauer in CW Nr. 20 verwiesen. Er macht meiner Meinung nach zu Recht deutlich, dass es im Gegensatz zur frueheren Stellung der IBM im Mainframe-Sektor im PC-Bereich immer noch echte Alternativen gibt.

2. Ich habe argumentiert, dass der Markt ueber den Erfolg entscheidet und die Entscheider in Grossunternehmen nicht durch Hochglanz zu beeindrucken sind. Sie sprechen von "merkwuerdigem und voellig irrationalem Kundenverhalten". Sie halten Microsoft fuer den "unbestrittenen Marktfuehrer bei fehlertraechtiger Software" - dies ist Ihr gutes Recht. Aber Sie argumentieren, dass "keine andere Firma . . . sich erlauben koennte, was Microsoft goennerhaft und laechelnd nachgesehen wird".

Damit unterstellen Sie, dass Entscheider sich von Microsoft blenden und zu objektiv falschen Entscheidungen verfuehren lassen.

Ich muss zugeben, dass Ihre Erkenntnisse fuer mich nach wie vor nicht nachvollziehbar sind. Entscheider, die mit den ausgewaehlten Produkten auch Loesungen realisieren muessen, entscheiden nicht derartig irrational, wie dies von Ihnen unterstellt wird. Vielleicht sollte man stattdessen eroertern, warum SNI im oeffentlichen Bereich durchaus nennenswerte Marktanteile hat, waehrend in der freien Wirtschaft SNI langsam aber sicher zur Bedeutungslosigkeit hin tendiert.

3. Ich brauche nicht "zaehneknirschend zuzugeben", dass

OS/2 der Kombination DOS/Windows weit ueberlegen ist, dazu sind die Fakten zu offensichtlich. Ich bin nur der Meinung, dass Gruende fuer den mangelnden Erfolg von OS/2 nicht bei den potentiellen Kunden, sondern bei der IBM zu suchen sind. Oder ist der fehlende Markterfolg des Trabbi auch auf die Kundschaft zurueckzufuehren, die sich lieber einen Golf kauft, weil VW das bessere Marketing hat?

4. Ich "starre nicht auf MS wie das Kaninchen auf die Schlange", und ich halte meine Einstellung zu MS auch nicht "fuer eine verwirrte Haltung". "Bunte Luftballons und bessere Blendgranaten von MS . . . " versetzen mich auch nicht "in eine freudige Trance, die jede aufkommende Vernunft sofort paralysiert". Ich denke, ich brauche Ihre Ausfuehrungen nicht zu kommentieren. Ich finde es nur schade, dass Verbal-Rambos hier eine sachgerechte Diskussion verhindern. Wer gemeinsam mit mir schon in Projekten gearbeitet oder an Veranstaltungen teilgenommen hat, wird ueberdies bestaetigen koennen, dass Ihre Unterstellungen auch inhaltlich nicht zutreffen.

Abschliessend lassen Sie mich bitte feststellen: Auch ich sehe die Gefahr, dass MS aufgrund seiner Bedeutung im Markt Vorteile fuer sich nutzen koennte, die bei gleichwertigen Mitbewerbern nicht zu realisieren waeren. In Deutschland ist es Aufgabe des Kartellamtes, dies auf Basis des Wettbewerbsrechts zu unterbinden.

Ich treffe Entscheidungen fuer unser Unternehmen aus rein wirtschaftlichen Erwaegungen heraus, und derselbe Massstab liegt bei der Beratung unserer Kunden zugrunde. Ich denke, dass dies von mir auch so erwartet wird. Vor den Karren politisch motivierter Entscheidungen lasse ich mich nicht spannen. Dies ist konfliktfrei nicht immer moeglich und fuehrt auch nicht immer zu dem von mir gewuenschten Ergebnis. Aber ich bemuehe mich um einen Diskussionsstil, der auf Sachargumente und nicht auf Personen zielt.

Wolfgang Sprick

Geschaeftsfuehrer der dalagon GmbH, Wiesbaden