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25.10.1996 - 

Leserbrief

Falsche Aussage

"In diesem Land gibt es Cobol-Programmierer, die zirka 90 Prozent ihrer Zeit damit beschäftigt sind, Fehler in Altanwendungen zu beheben."

Bei einer derartigen Aussage ist es dringend geboten, zu fragen: "Was will der Mann mir andrehen?", denn eine derartige Behauptung kann nicht von einem Fachmann kommen, sondern nur von einem Verkäufer.

Zunächst einmal ist sie falsch. Selbst bei schlechten Altanwendungen treten Fehler nach einer gewissen Zeit nur auf, wenn etwas an den Programmen verändert wurde. Statt von Fehlerbehebung kann man also allenfalls von dem Aufwand für Wartung sprechen. Was sagt die zitierte Behauptung nach dieser Modifikation aus?

1. Es gibt Firmen, die eine Trennung zwischen Wartungsgruppen und Entwicklungsgruppen eingeführt haben. Manche haben fast alle Programmierer entlassen der Rest wartet nur noch die Altanwendungen, Neuentwicklungen übernehmen ausschließlich externe Softwarehäusern (koste es, was es wolle, auch ich lebe nicht schlecht davon). Daß diese Programmierer zu 90 Prozent mit den Altanwendungen beschäftigt sind, ist von vornherein beabsichtigt und sagt nichts über deren Wartbarkeit aus.

2. Daß Softwarehäuser, die alle drei Jahre alle Anwendungen neu entwickeln, weil man ja immer die neueste Sprache einsetzen muß (wann ist Java überholt?), einen geringen Wartungsaufwand haben, ist kein Wunder, denn meist haben sie kaum mit Altanwendungen zu tun. Sie haben einen Fehler in der alten Software entdeckt? Dann müssen Sie halt die neueste Software kaufen!

3. Was versteht man unter Wartung? Zweifellos gibt es Firmen, die eine schlechte Altsoftware haben und überwiegend damit beschäftigt sind, Fehler zu beheben, Anpassungen an Hardware- oder Betriebssystem-Änderungen vorzunehmen und mit großem Aufwand notwendige Änderungen der Geschäftsprozesse in die Altanwendungen einzubringen. Anderswo wissen die Anwender, daß ein gewünschtes neues Datenfeld in einer Datei und Bildschirmmaske am nächsten Tag angewendet werden kann, daß zusätzliche oder geänderte Auswertungen in wenigen Stunden zur Verfügung stehen. Das bewirkt, daß die Anwender gern und oft derartige Änderungen in Anspruch nehmen, um ihre Arbeit zu erleichtern. Merke: Ein hoher Wartungsaufwand kann ein Indiz für hohe Qualität der Software sein.

4. Was sagt der prozentuale Anteil der Wartung an den Software-Arbeiten überhaupt aus? Ist es besser, wenn ein Programmierer mit zehn Prozent seines Aufwandes 100 Anwendungen wartet oder wenn ein anderer Programmierer mit 30 Prozent Aufwand 4000 Anwendungen pflegt? Merkwürdig, daß noch nie jemand, der mit solchen Prozentzahlen um sich wirft, es für nötig hielt, zu spezifizieren, von welchem Volumen er redet. Eigentlich sollte auch ein Verkäufer wissen, daß 100 Äpfel mehr kosten als einer.

Ob die objektorientierte Programmierung tatsächlich geeignet ist, den Wartungsaufwand zu verringern, ist durchaus noch umstritten. Tatsächlich ist dieser in erster Linie von der Qualität der Programme und des Software-Engineering abhängig. Schlechte Programmierer können auch mit der objektorientierten Methode unwartbare Anwendungen erzeugen.

*Volker Raschke, RSG Raschke Software GmbH, 12205 Berlin