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26.10.1990 - 

Theorie und Praxis liegen weit auseinander

Falsche CAD/CAM-Einführung bringt Unternehmen in Gefahr

ESCHBORN (CW) - Wenn mittlere Unternehmen CAD/CAM-Technologien einführen, stehen Anwender wie Berater nicht selten am Rande der Verzweiflung. Zwischen den wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie eine am Menschen orientierte, technische und organisatorische Gestaltung aussehen könnte, und der betrieblichen Wirklichkeit besteht eine tiefe Kluft.

Gefördert vom Bundesminister für Forschung und Technologie (BMFT), ist das Rationalisierungskuratorium der deutschen Wirtschaft der Frage nachgegangen, welche Qualifikationen Berater mitbringen sollten, um CAD/CAM-Technologien menschengerecht umzusetzen. Teil des Projektes, dessen Vorphase inzwischen abgeschlossen ist, war eine Analyse der Problemlage mittlerer Unternehmen bei der CAD/CAM-Einführung.

Technik, Organisation und Personalentwicklung bei der Einführung neuer Technologie gleichrangig zu berücksichtigen gelingt nach dieser Studie kaum einem Unternehmen. Betriebe sind in "technikzentrierten Handlungsmustern" verfangen, wobei der Mensch als eine Art "Restfunktion" beim technischen Anpassungsprozeß behandelt wird. Gerade kleinere unternehmen, so die Studie, bringen sich durch solche Vorgehensweisen selbst in Gefahr.

"CAD-Fachmann" mit begrenztem DV-Know-how

Meistens wird mit der Einführung von CAD- oder CAM-Systemen - die Vernetzung beider Komponenten findet sich in mittleren Betrieben kaum - eine einzige Person beauftragt, die diese Aufgabe in vielen Fällen neben ihrem angestammten Tätigkeitsbereich erledigen soll. Dieser "CAD-Fachmann verfügt nach Einschätzung der Wissenschaftler in der Regel nur über begrenzte DV-Grundkenntnisse. Als Techniker und Ingenieur erhält er zumeist keinerlei Einführungskompetenzen, was ganzheitliche Konzeptionen für die Reorganisation des technischen Büros betrifft.

Das Projekt-Management verfügt also weder qualitativ noch quantitativ über eine ausreichende Personalausstattung, weil die betroffenen Mitarbeiter hinsichtlich Qualifikation und Motivation die nötigen Voraussetzungen für eine organisatorische Einbettung der neuen Technologie nicht mitbringen. An diesem Zustand, so zeigen die Forschungsergebnisse, ist nicht etwa eine objektiv vorhandene Personalknappheit schuld. Viele Betriebsleiter unterschätzen vielmehr den planerischen Aufwand, den die Integration neuer Technologien in die Arbeitsabläufe des technischen Büros nötig macht.

Projekt-Teams haben sich bewährt

Die konventionellen Vorstellungen von Technisierung und Rationalisierung entsprechen in den meisten Fällen nicht den betrieblichen Voraussetzungen computergestützter Techniken. Unerfahrene Anwender haben die Vorstellung, mit einem neuen CAD-System "auf Knopfdruck arbeiten zu können.

Nach einer kurzen Übergangszeit, so die Überlegung dieser Anwender, müßte es möglich sein, mit weniger Mitarbeitern als zuvor sehr schnell qualitativ hochwertige Zeichnungen zu erstellen. Vorbereitungs- und Planungsphase der ("CAD/CAM-Einführung beschränken sich deshalb in vielen Fällen auf die Suche und Auswahl eines Systems, das den spezifischen Anforderungen eines Unternehmens entspricht.

Da CAD/CAM-Technologien funktions- und abteilungsübergreifend wirken, gehen in den Prozeß der Implementierung unterschiedliche Interessen sowie verschiedene fachliche Sichtweisen ein. Dabei hat der jeweils beauftragte Techniker oder Ingenieur oft eine relativ schwache Position in diesem sozialen Gefüge inne; weil ihm die Komplexität der Planungsaufgabe und die Schwierigkeiten bei der Überwindung von Interessensgegensätzen über den Kopf wachsen, zieht häufig die Konsequenz, sich auf die Lösung technischer Schwierigkeiten zu beschränken.

Die CAD/CAM-Einführung und die damit einhergehende betriebliche Reorganisation läßt sich nach Einschätzung der Wissenschaftler am besten durch ein Projektorganisations- Team realisieren.

Alle von der Umstrukturierung betroffenen Funktionsbereiche, Gruppen, Personen sowie der Betriebsrat sind dabei in die Entscheidungen einzubeziehen.

Die Notwendigkeit eines solchen Projekt-Managements ist von der Öffentlichkeit bereits weitgehend akzeptiert. Nach Einschätzung der Studie ist der arbeitende Mensch zwar zunehmend in das Bewußtsein der Techniker gerückt, doch sind daraus nur wenige positive Auswirkungen auf die betriebliche Praxis in den Unternehmen entstanden.

Berater haben aufgrund dieser Bedingungen vor allem die Funktion, in den Unternehmen ein ganzheitliches Projekt-Management zu realisieren. Wo eine "technikbefangene Sichtweise" vorherrscht, ist der Blick auf organisatorische und soziale Aspekte der CAD/CAM-Einführung zu richten.