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22.09.1978 - 

IKD-Workshop "Methoden der Software-Entwicklung": Fünf vor zwölf

Falsche Vergaben implizieren teure Nachentwicklung

BERLIN (de) - Angesichts ständig steigender Software-Kosten ist es geradezu ein Muß für jeden verantwortungsbewußten Softwareplaner, moderne Methoden für die Herstellung von Programmen - das, was man unter Software-Engineering versteht - ins Kalkül zu ziehen. So bedarf es keines Kommentars, daß eine IKD-Workshopreihe dem Softwaregebiet gewidmet war. Claus-Peter Schütz von der Technischen Hochschule Darmstadt beleuchtete den personellen Aspekt der Software-Entwicklung. Sein Thema: "Die Programmvorgabe als Brücke zwischen Fachabteilung und EDV". Auszug:

Bei den folgenden Überlegungen wollen wir von einer Phaseneinteilung ausgehen, die aus der Sicht der beteiligten Personengruppen zweckmäßig ist:

þSystemplanung; sie umfaßt die Erhebung der Benutzer-Anforderungen, die Istaufnahme und -analyse (soweit erforderlich) und die Entwicklung eines Sollkonzepts,

þSystementwicklung (Festlegung der Programme, Dateien und Datenbanken),

þRealisierung (Programmdetaillierung, Codierung und Test).

Eine weitere Unterteilung der Projektphasen ist für die hier angestellten Überlegungen unerheblich.

Ein zentrales Problem in diesem Entwicklungsprozeß stellen die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Benutzern und Systemanalytikern oder DV-Organisatoren dar. Die Ursache hierfür ist in dem jeweiligen Selbstverständnis von Fachabteilung und EDV zu suchen. Die Entwicklung von Anwendungssystemen wird heute noch weitgehend als ausschließliche Angelegenheit der EDV

(...)gesehen. Entsprechend der dort oft typischen Arbeitsweise sind die Dokumentations-Unterlagen zielgerichtet auf die Erstellung von Programmen und Dateien oder Datenbanken. Daher sind diese Ergebnisse für die Benutzer kaum oder oft gar nicht verständlich und Abweichungen zwischen Aufgabenstellung und Realisierung können durch die Benutzer erst in der Testphase erkannt werden. Dies führt zu einem überhöhten Aufwand in der Realisierungsphase und in der Einsatzphase zu Fehlerkorrekturen und Nachentwicklungen. Empirische Untersuchungen haben gezeigt, daß Softwarefehler zu über 60 Prozent auf Planungsfehler, Abweichungen zwischen Vorgabe und Programm und unerwartete Nebeneffekte in der Wartung zurückzuführen sind. Daher lassen sich insgesamt geringere Projektkosten erwarten, wenn man die Entwicklungsschwerpunkte in die ersten Projektphasen verlagert, um die Verständlichkeit und Zuverlässigkeit der Planungsergebnisse zu erhöhen.

Die Brücke zwischen Fachabteilung und EDV

Zur Verlagerung des Entwicklungsaufwandes sind einerseits personelle Veränderungen in der Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung und EDV notwendig, andererseits müssen die angewandten Methoden für beide Seiten verständlich sein. Hier soll nur der zweite Aspekt behandelt werden.

Trennung von logischem und physischem - Systementwurf

Eine wesentliche Voraussetzung zur Überwindung der genannten Verständigungsschwierigkeiten ist eine strenge Trennung zwischen fachlich-logischem (benutzer-orientiertem) und technischphysischem (DV-orientiertem) Systementwurf.

In der ersten Projektphase, der Systemplanung, werden die Ziele, die fachliche Aufgabenstellung und die organisatorischen Auswirkungen des neuen Systems festgelegt. Das zu schaffende System muß hier aus der Sicht der Benutzer vollständig und in einer für ihn verständlichen Form beschrieben werden; DV-technische Gesichtspunkte müssen zunächst in den Hintergrund treten. Nur so ist es möglich, eine gemeinsame Sprachebene für Fachabteilung und EDV zu finden und eine Dokumentationsunterlage, die für den Benutzer hinsichtlich Vollständigkeit und Korrektheit überprüfbar ist.

Erst wenn das fachlich-logische System in allen Einzelheiten festgelegt ist, dürfen die fachlichen Funktionen zu Programmen und die logischen Datenbestände zu Dateien zusammengefaßt werden. Nur so ist sicherzustellen, daß einerseits die Wünsche der Benutzer nicht von vornherein durch DV-technische "Notwendigkeiten" eingeengt werden und andererseits das DV-Konzept nicht durch relativ spät erkannte fachliche Notwendigkeiten laufend korrigiert werden muß.

Strukturierungskriterien

Das Kriterium der Zweckmäßigkeit steht während des gesamten Entwiklungsprozesses im - Vordergrund. Die Zweckmäßigkeit drückt sich in der Berücksichtigung

- funktionaler

- temporaler

- sachlicher, das heißt objektbezogener Aspekte aus. Objekte in EDV-Anwendungssystemen sind in erster Linie die zu verarbeitenden und zu erzeugenden Daten.

Die für ein konkretes Anwendungssystem relevanten Daten können jedoch erst ermittelt werden, wenn weitgehend festliegt, welche fachlichen Funktionen das System erfüllen soll. Daher müssen bei der Systemplanung funktionale und temporale Gliederungskriterien zunächst im Vordergrund stehen. Sachliche, das heißt datenorientierte Gesichtspunkte können hier erst in einem zweiten Schritt, der Aufgabensynthese, zum Tragen kommen. Die entstandenen Schnittstellen zwischen Teilen eine Strukturierungsebene werden zur Vermeidung von Fernwirkungen bei späteren Änderungen auf Zweckmäßigkeit untersucht. Da jedoch in vielen Fällen bei der systemplanung noch nicht abgesehen werden kann, welche Systemteile änderungsanfällig sind, kann auch dieses Kriterium nicht zu zwangsläufingen systemstrukturen führen.