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15.11.2002 - 

Kolumne

"Falsches Marketing für Tablet PCs"

Jürgen Hill Redakteur CW

Die Technik stimmt, das Marketing-Konzept nicht. Mit diesem knappen Satz lassen sich die Eindrücke zur Markteinführung - neudeutsch Launch Event - des Tablet PC am besten zusammenfassen.

So warb zwar Microsoft für die Verwendung des Tablet PC in der Unternehmens-DV und stellte erhebliche Produktivitätsgewinne für mobile Außendienstmitarbeiter durch den elektronischen Notizblock in Aussicht. Nur die passenden Applikationen und Einsatzszenarien fehlten bei der Präsentation. Stattdessen maßen sich Microsofts hiesige Hardwarepartner lieber in einem pubertären Wettbewerb mit Fragen nach dem schnelleren Prozessor oder der höheren Anzahl an Schnittstellen. Doch im Projektgeschäft, und hierüber wollen ja einige Hersteller den Tablet PC ausschließlich vermarkten, dürften solche Features den IT-Entscheider nur bedingt interessieren. Hier zählen konkrete Anwendungsszenarien und wirtschaftliche Vorteile.

Aber vielleicht blieben die Unternehmen gerade diese Antworten auch deshalb schuldig, weil ihre Geräte für den Außendienst nicht geeignet sind. Noch sind sie viel zu empfindlich, Stürze aus einem Meter Höhe werden sie kaum unbeschadet überstehen - obwohl sie den Notizblock ersetzen sollen. Dies wäre eine Erklärung dafür, warum die Manager der Tablet-PC-Anbieter das Einsatzpotenzial ihrer neuen Technologie lieber demonstrierten, indem sie Smilies auf einen elektronischen Notizblock kritzelten, statt zu zeigen, wie der professionelle Anwender unterwegs etwa Mysap CRM nutzen oder beim Kunden elektronische Formulare ausfüllen und per WLAN am nächsten Hotspot an die Unternehmenszentrale übertragen kann.

Trotz allem bleibt festzuhalten: Der Tablet PC hat Potenzial. Die Faszination des mobilen Rechners liegt in der Option des Dual Use: Tagsüber ist er in Verbindung mit einer schnurlosen Tastatur das mobile Arbeitsgerät, abends ermöglicht er auf der Couch dank WLAN bequemes Surfen im Internet oder die Vorbereitung auf die Termine des nächsten Tages. Angesichts dieser Einsatzmöglichkeiten ist es unverständlich, warum Microsoft einseitig auf das Geschäft mit Unternehmenskunden setzt, zumal die Tablet PCs mit Preisen, die bei rund 2400 Euro beginnen, nicht wesentlich mehr kosten als ein aktuelles Notebook.

Nur mit den Unternehmenskunden im Visier dürfte es Microsoft und Partnern kaum gelingen, wie angekündigt dem Hardwaregeschäft neue Impulse zu geben. Anwenderunternehmen tun sich schwer, neue PC-Technik einzuführen, wenn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die meisten IT-Budgets eingefroren oder gekürzt werden.