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23.11.2001 - 

Neue Seifenoper im Silicon Valley: Der Palo-Alto-Clan

Familien entscheiden über die Großfusion

MÜNCHEN (CW) - Die geplante Übernahme von Compaq durch Hewlett-Packard (HP) entwickelt sich zu einer amerikanischen Familiensaga. Dabei hängt die Entscheidung maßgeblich von den HP-Stiftungen ab.

In der vergangenen Woche hat HP ein 182 Seiten starkes Dossier an die US-Börsenaufsicht SEC überstellt, in dem die Hintergründe der geplanten Übernahme von Compaq dargelegt wurden. Die Gespräche der Konzerne begannen demnach im Juni und drehten sich ursprünglich um die Lizenzierung von HPs Unix-Derivat HP-UX. Anfang September waren sich die Firmenchefs Carleton Fiorina und Michael Capellas einig, dass mehr drin war: die größte Fusion der IT-Geschichte. Nun gilt es, die Aktionäre vom Sinn des Vorhabens zu überzeugen.

In trockenen Tüchern ist der Deal noch lange nicht, was weniger an den Entscheidungsträgern in den Konzernen als an den Familienbanden von HP liegt. Zwei Stiftungen halten rund 18 Prozent der Aktien an dem Unternehmen, und ihre Zustimmung beziehungsweise Ablehnung des Mergers könnte den Ausschlag geben. Analysten erwarten, dass das Verhalten der Stiftungen richtungsweisend für die Privatanleger sein wird, die der Fusion ebenfalls noch zustimmen müssen.

Mit Walter Hewlett und David Packard haben sich die Söhne der Konzerngründer bereits gegen den Zusammenschluss ausgesprochen. Zusammen kontrollieren sie knapp acht Prozent der Stimmrechtsanteile des Unternehmens. Sie begründen ihre ablehnende Haltung mit den negativen Effekten, die der Zusammenschluss auf das profitable Printer-Geschäft von HP haben könnte. Zudem sei mit gravierenden Integrationsproblemen zu rechnen. Daher haben sie ebenfalls eine Stellungnahme bei der SEC eingereicht, um die Aktionäre auf ihre Seite zu ziehen.

Die "David and Lucile Packard Foundation", die von drei Töchtern des Konzerngründers Dave Packard geleitet wird und 10,4 Prozent der HP-Anteile kontrolliert, hat sich hingegen noch nicht öffentlich entschieden. George Vera, Finanzchef der Stiftung, räumte gegenüber "Reuters" ein, dass man wegen der Materialfülle noch zu keinem Entschluss gekommen sei. Frühestens im Dezember, vielleicht aber auch erst im Januar, könne eine Entscheidung getroffen werden. Die letzten Quartalsergebnisse von HP seien jedenfalls "sehr ermutigend" ausgefallen (siehe Kasten).

Auf der Jagd nach den AktionärenBeide Parteien haben sich inzwischen für oder gegen die Fusion den Beistand von Wallstreet-Firmen gesichert, die darauf spezialisiert sind, zaudernde Aktionäre zu überzeugen. Bei HP handelt es sich um den Dienstleister Innisfree M&A, Walter Hewlett verpflichtete MacKenzie Partners. An Brisanz gewinnt die Auseinandersetzung dadurch, dass Hewlett im Verwaltungsrat von HP sitzt und die Kontrahenten darauf angewiesen sind, sich auch die Stimmrechte jener knapp 90 000 Beschäftigten zu sichern, die über Aktien verfügen. Da Fiorina angekündigt hat, mit dem Zusammenschluss 15000 Stellen zu streichen, dürfte die Stimmung in den Büros nicht allzu gut sein.

Über der Fusion hängt jedoch noch ein weiteres Damoklesschwert. Die amerikanischen Antitrust-Regulatoren der Federal Trade Commission (FTC) haben weiterführende Informationen beantragt, um den Merger eingehend zu prüfen. Nach amerikanischem Recht müssen die Firmen nun der Bitte nachkommen, was sich nach Angaben von HP wegen der komplexen Materie über Wochen hinziehen kann. Danach hat die FTC 20 Tage Zeit, der Übernahme zuzustimmen oder sie abzulehnen. Zudem bedarf es noch des Plazets der kanadischen Wettbewerbshüter sowie der EU-Kommission. (ajf)

HPs Ergebnis weckt leichte HoffnungenMit den Ergebnissen für das vierte Fiskalquartal (Ende: 31. Oktober) und das Geschäftsjahr 2001 konnte Hewlett-Packard (HP) weitgehend der Mitte August veröffentlichten Prognose entsprechen. Demnach wies der Konzern Einnahmen von 10,87 Milliarden Dollar aus, ein Minus von 18 Prozent gegenüber dem Berichtszeitraum des Vorjahres (13,29 Milliarden Dollar). Der operative Gewinn des Konzerns ging im Jahresvergleich von 968 Millionen Dollar um 87 Prozent auf 122 Millionen Dollar oder 19 Cent pro Aktie zurück. Die Wallstreet hatte mit nur acht Cent je Anteilschein gerechnet.

Der Nettogewinn verringerte sich drastisch auf 97 Millionen Dollar oder fünf Cent je Anteilschein, was einem Minus von 89 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Bruttomarge lag aktuell bei 25,7 Prozent und damit etwa auf dem Niveau des vorhergehenden dritten Fiskalquartals (26 Prozent). Für das gesamte Geschäftsjahr ergibt sich auf Basis von 45,23 Milliarden Dollar Umsatz ein Nettogewinn von 408 Millionen Dollar oder 21 Cent pro Aktie. Im Jahr zuvor hatten sich die Einnahmen auf 48,87 Milliarden Dollar und der Nettoprofit auf 3,69 Milliarden Dollar oder 1,80 Dollar Profit je Anteilschein belaufen.

Während die Umsätze in den Bereichen Printing & Imaging sowie Computing Systems um neun beziehungsweise 31 Prozent fielen, konnte die Servicesparte um 1,5 Prozent zulegen. Konzernchefin Carleton Fiorina zeigte sich angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage zufrieden mit dem Abschneiden ihres Unternehmens und bekräftigte erneut, dass die geplante Fusion mit Compaq ein ökonomisch sinnvoller Deal sei. Wenig erfreulich fiel hingegen der Ausblick in die mittelfristige Zukunft aus. HP geht von anhaltend schwierigen Marktbedingungen aus. Die Einnahmen des laufenden ersten Quartals würden saisonbedingt leicht unter denen des abgeschlossenen Dreimonatszeitraums liegen. Auch für die Bruttomarge sei kein Wachstum in Sicht, hieß es.