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01.03.1985 - 

Mit dem Portable der Zukunft verliert Basic seine Schrecken:

Fantasia-87 beherrscht die Spracheingabe

MÜNCHEN - Tragbare Computer sind das Zentralthema eines neuen Buches von Wolfgang Höfs (siehe Kasten). Mit der Zukunft dieser Kleinstrechner befaßt sich das Kapitel 9, das hier mit freundlicher Genehmigung des Verlages abgedruckt ist:

Nachdem wir uns in den vergangenen acht Kapiteln mit den Taschencomputern beschäftigt haben, die wir heute kaufen können, wollen wir das letzte Kapitel einem Taschencomputer widmen, den man (noch) nicht kaufen kann - dem Fantasia-87.

Dieser Computer ist eine Fiktion. So könnte ein Taschencomputer aussehen, den wir in drei oder vier Jahren kaufen können. Beim Entwurf des Fantasia haben wir uns von folgenden Überlegungen leiten lassen:

- Wie wird sich die Hard- und Software in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

- Welche Ansprüche wird der Benutzer an einen fortschrittlichen Taschencomputer stellen?

Vorgegebene Größe

Zur Beantwortung der ersten Frage lassen sich technische Kriterien zur Prognose heranziehen. Sie vermitteln einen objektiven Charakter, auch wenn damit nicht gesagt werden soll, daß unsere Prognose ins Schwarze treffen wird. Vielmehr hat uns die Entwicklung der Mikroprozessoren im vergangenen Jahrzehnt immer wieder verblüfft; wer Prognosen gewagt hat, lag häufig daneben, weil sich der Fortschritt schneller vollzogen hat als vermutet.

Die zweite Frage läßt sich nur subjektiv von jedem Benutzer eines Taschencomputers beantworten. Die Antwort ist abhängig von den Erfahrungen des Benutzers mit Mikrocomputern und den beabsichtigten Anwendungen. In diesem Punkt stellt der Autor nur seine persönliche Ansicht vor, der jeder Leser seine eigene Meinung gegenüberstellen kann und soll.

Die Größe des Fantasia-87 ist vorgegeben: Auch er soll ein Aktentaschencomputer sein, also etwa die Größe einer DIN-A4-Seite haben. Das Gewicht sollte zwei Kilogramm nicht überschreiten, damit er leicht zu transportieren ist.

Der Bildschirm wird aufklappbar sein. Nur so lassen sich eine ausreichend große Tastatur und eine große Anzeige in einem kleinen Gerät verbinden. Der Bildschirm sollte mehrere Farben darstellen können und eine hohe Auflösung haben. Für die Textverarbeitung wünschen wir uns 24 Zeilen zu je 80 Zeichen und für grafische Anwendungen eine Auflösung von mindestens 768 mal 1024 Punkten in vier Farben.

Cursor-Steuerung mit Maus

Die Tastatur wird nach DIN-Norm gestaltet. Sie verfügt über ein integriertes numerisches Feld und Funktionstasten, die frei programmierbar sind. Die Cursortasten bilden ein quadratisches Feld aus gleichschenkligen Dreiecken. Zusätzlich steht für die Cursor-Positionierung eine "Maus" zur Verfügung.

Unter einer Maus verstehen wir ein kleines ovales Kästchen, das gut in eine Hand paßt. Unter dem Kästchen befindet sich eine Rollkugel, mit der die Maus über eine ebene Fläche gerollt werden kann. Die Bewegung der rollenden Kugel wird gemessen und in eine entsprechende Bewegung des Cursors auf dem Bildschirm umgesetzt. Seinen Namen erhielt das Gerät als Spitznamen aufgrund seiner Größe, Form und der Art seiner Bewegung.

Für die Spracheingabe verfügt der Fantasia-87 über ein eingebautes Mikrofon. Auf diese Weise können wir wirklich in Basic mit dem Computer reden, ohne umständlich lange Befehle über die Tastatur eingeben zu müssen.

Der Fantasia-87 verfügt über eine Sprachausgabe, die die eingebauten Lautsprecher benutzt. Er antwortet uns mit einem klaren "Okay", wenn er unsere Befehle verstanden hat.

Ein Drucker ist fest integiert. Er kann normales DIN-A4-Schreibmaschinenpapier verarbeiten. Er druckt in mehreren Farben und ist grafikfähig, d.h. die auf dem Bildschirm erstellten Grafiken können per Knopfdruck mit dem Drucker zu Papier gebracht werden.

Ein Modem ist fest eingebaut. Ein Anschlußkabel für eine Telefonnormsteckdose ist vorhanden. Durch eine eingebaute Uhr mit Kalender und ein entsprechendes Programm, das im Festwertspeicher vorhanden ist, kann Fantasia-87 zu einer vorher angegebenen Zeit selbständig einen anderen Computer anwählen und Daten mit ihm austauschen.

Sie müssen ihn dazu nur zuvor mit der Telefonsteckdose verbunden haben. Selbstverständlich ist der Fantasia-87 vom Fernmeldetechnischen Zentralamt genehmigt und mit einer FTZ-Nummer versehen worden.

Der interne Speicher ist so groß, daß wir auf einen eingebauten externen Speicher verzichten können. Seine Größe beträgt mindestes 1 MByte und ist nicht flüchtig, d.h. sein Inhalt bleibt auch nach dem Ausschalten des Gerätes erhalten. Schon heute sind wir in der Lage, Speicherchips herzustellen, die 256 KBit groß sind. In kurzer Zeit werden Chips auf dem Markt sein, die eine Kapazität von 1 MBit haben werden, Mit solchen Chips kann man sehr leicht auf kleinstem Raum große interne Speicher aufbauen.

Externer Speicher ist zusätzlich anschließbar, um Programme und Daten auf Disketten oder Kassetten austauschen zu können. Dazu ist ein genormter Anschluß für ein Diskettenlaufwerk sowie für einen Kassettenrecorder vorhanden. Für die Verwaltung von großen Datenbeständen kann man eine 40 MByte-Winchester-Platte anschließen.

Als Prozessor wird ein schneller 32-Bit-Prozessor eingesetzt. Die Rechengeschwindigkeit des Taschencomputers wird dadurch erheblich gesteigert.

Mehrere Emulationen

Auf der Rückseite des Fantasia-87 finden wir alle notwendigen Anschlüsse für periphere Geräte. Dort befindet sich eine RS232C-Schnittstelle, eine Centronics-Schnittstelle für den Anschluß eines zusätzlichen Druckers, Anschlüsse für Strichcodelesere Telefon, Maus, Winchester-Platte und Diskettenlaufwerk sowie ein Video-Ausgang für den Anschluß eines externen Grafik-Monitors.

Eine ausreichende Anzahl von Einschüben für Kassetten mit Festwertspeichern ist vorhanden. Für zahlreiche gebräuchliche Bürocomputersysteme gibt es Emulatoren. Sie schieben den Emulator, der in einen Festwertspeicher steckt, in einen der vorhandenen Einschübe und schon verhält sich der Fantasia-87 wie ein IBM PC oder ein Apple II.

Das Betriebssystein ist kompatibel zu Standard-Betriebssystemen wie CP/M oder MS-DOS. Dadurch wird es möglich, eine Vielzahl von Anwendungsprogrammen auf dem Fantasia-87 einzusetzen. Programme für die Textverarbeitung, Kalkulation, Telekommunikation sowie Standardpakete für Buchhaltung, Gehaltsabrechnung und Lagerverwaltung gibt es in Festwertspeichern zu kaufen. Neben einem Basic-Interpreter ist ein Pascal-Übersetzer und ein komplettes Datenbanksystem vorhanden.

Sowohl aus technischen als auch ökonomischen Gründen können wir den Fantasia-87 heute noch nicht bauen. So ist es zum Beispiel heute noch nicht möglich, den oben beschriebenen Bildschirm herzustellen. Ein Speicherausbau von 1 MByte ist zwar möglich, aber heute noch sehr teuer.

Wenn allerdings die Entwicklung neuer Technologien in den nächsten Jahren in der gleichen Weise voranschreitet wie dies in der jüngsten Vergangenheit der Fall war, dann wird man tatsächlich in wenigen Jahren - bei anhaltendem Preisverfall für die einzelnen Komponenten den Fantasia-87 bauen können.

Ziel dieses Buches war es, sie über die neue Generation der Mikrocomputer im Aktentaschenformat zu informieren. Wir haben einen Blick auf die Geschichte und in die Zukunft geworfen, haben die Fähigkeiten der Hard- und Software aufgezeigt und so versucht, Ihnen Einblicke in die Welt der Taschencomputer zu geben.

Nach der Lektüre dieses Buches wissen Sie, worauf Sie beim Kauf eines Taschencomputers achten müssen und wie Sie ihn optimal nutzen können. Zur Erleichterung der Auswahl des Computers und seiner Programme finden Sie im Anhang eine Checkliste, die Sie am besten zum Einkauf in den Computerladen mitnehmen.