Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.01.2000 - 

Kolumne

"Farbe bekennen"

Christoph Witte, Chefredakteur CW

Dass Wunsch und Wirklichkeit zuweilen auseinander klaffen ist bekannt. Wie sehr das vor allem auf Informationstechnik und Internet zutrifft, erstaunt dagegen immer wieder. Unzähligen Marktuntersuchungen zufolge scheint kein Weg an der total vernetzten Geschäftswelt vorbeizuführen. Das Internet mit der Speerspitze E-Commerce werde in den Unternehmen das Unterste nach oben kehren. Ohne eine runderneuerte Organisation und IT-Technik seien die sich stark verändernden Geschäftsprozesse und Kundenbeziehungen nicht mehr zu beherrschen. Sätze wie diese führten Hersteller, Berater, aber auch Anwender unisono im Munde, wenn nach E-Commerce und seiner Einbindung in die Unternehmens-DV gefragt wurde.

Aber wie das bei derlei Bekenntnissen so ist: Gelebt werden sie selten. Auch dieses gebetsmühlenartig wiederholte Mantra hat nur wenige Unternehmen dazu gebracht, eine verbindliche Internet-Strategie zu formulieren. Laut Meta Group verfügt weltweit höchstens ein Drittel der Anwender - egal ob groß oder klein, ob in Europa oder den USA - über einen derartigen unternehmensweiten Masterplan.

Ist diese Zurückhaltung ein Indiz dafür, dass Anwender die Herausforderungen des heraufdämmernden digitalen Zeitalters nicht ernst genug nehmen? Nein, der Grund liegt in den relativ gut funktionierenden, in der ersten Internet-Euphorie entstandenen Guerilla-Ansätzen: Hier ein Web-Shop, dort ein Portal, hier eine elektronische Beschaffungsmöglichkeit und wieder woanders der Online-Zugriff des Lieferanten auf die Lagersoftware. Zwar knirscht und knarzt es an den Schnittstellen beispielsweise vom Web-Shop zum Versand oder zum Rechnungswesen, aber bisher war der Wettbewerbsdruck nicht hoch genug, um sämtliche Prozesse und eingesetzten Technologien auf ihre Web-Tauglichkeit zu prüfen - und natürlich zu erneuern, wenn sie nicht passen.

Offenbar schrecken viele Topmanager und IT-Chefs auch deshalb vor dieser Aufgabe zurück, weil sie ahnen, wie viel sie verändern müssen, um Web und traditionelle IT miteinander zu verzahnen. Eine Arbeit, die die betroffenen Firmen garantiert etliche Jahre in Atem halten wird. Allerdings geht das nicht, ohne klar und deutlich zu sagen, in welche Richtung sich das Unternehmen bewegen soll. Es ist Zeit, Farbe zu bekennen, weiter abzuwarten könnte das größere Risiko darstellen.