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09.10.1981 - 

Auch der farbige Bildschirm will mit Verstand gestaltet sein

Farbe bringt nicht immer Informationsgewinn

Von seiten der Hersteller wird in letzter Zeit verstärkt für die farbige Daten-Darstellung auf Bildschirmen geworben - nicht nur mit Blick auf den technisch-wissenschaftlichen Bereich (farblich abgesetzte Ernteertrags-Karten oder Szintigramme beispielsweise), sondern auch für den kommerziellen Einsatz. Doch hat der Aufwand, den die Farbe zusätzlich erfordert, hier überhaupt Sinn - und worauf ist zu achten, will man ins Lager der "Farb-Fernseher" überwechseln?

Auch dem Laien ist beispielsweise klar, daß der Informationsgewinn, den Farbe bei Balken- oder gar bei simplen x-y-Diagrammen bringt, zwar nicht unbedingt jeden Aufwand rechtfertigt, daß auffällig rot leuchtende (Verlust-) Zahlen beim Blick auf eine vielspaltige Tabelle mit zahlreichen Zeilen hingegen von größtem Wert sein können. Doch wie sieht dieses Problem aus der Perspektive des Fachmanns aus, wie kann Farbe gar unsere Denkvorgänge wirksam unterstützen?

Farbe wirkt im visuellen System des Menschen auf verschiedenen Verarbeitungsebenen, betont der Arbeitsphysiologe Prof. Helmut Krueger von der Technischen Universität München in einer Ausarbeitung zu diesem Thema. In höheren Informationsverarbeitungszentren des Gehirns können Farben durchaus vorteilhafte Wirkungen entfalten, andererseits sind wir Menschen aber für bestimmte Spektralfarben fehlsichtig.

Der Bildschirm-Hersteller sollte diese meiden: Sonst kann es bei der längerfristigen Informationsaufnahme (Achtstundentag) Schwierigkeiten geben.

Ist der Bildschirm also von Haus aus so aufgebaut, daß die Vorteile der Farbdarstellung die erwähnten Nachteile überwiegen - Krueger zeigt sich hier speziell mit dem von ihm getesteten siebenfarbigen IBM-Bildschirm "3279" recht zufrieden -, so eröffnet er beispielsweise die Möglichkeit, neben Helligkeit, Form und Position eine zusätzliche Verarbeitungsdimension zu erschließen. Das gibt bei sinnvoller Nutzung die Möglichkeit, visuelle Informationen für die bessere Weiterverarbeitung in "höchsten Zentren" des menschlichen Gehirns parallel zu kodieren: Negative Zahlen haben dann eben nicht nur ihr - oft kaum erkennbares - Minuszeichen, sie leuchten rot auf.

Farbe ist eindrucksvoll

Wie Krueger bei seinen Studien herausgefunden hat, ist Farbe den meisten anderen oben genannten "Dimensionen" deutlich überlegen. Eine farblich kodierte Information wird schneller "entdeckt" und "besser verarbeitet". Beim Lesen treten besonders wenig Fehler auf. Dabei ist es übrigens belanglos, ob man sie als redundanten oder als nicht redundanten Code einsetzt.

Bei seinen Untersuchungen, wie gut Farbe beim raschen und sicheren Erkennen von bestimmten Sachverhalten nützlich ist, faßte Krueger vor allem zwei Punkte ins Auge:

- Wie viele Fehler treten beim Lesen auf ("Verarbeitungsgüte") und

- wann reagiert die Versuchsperson auf ein bestimmtes Zeichen oder wie lange muß ein Zeichen gezeigt werden, damit eine Aufgabe optimal erledigt werden kann ("Zeitfaktor")?

Das Resultat seiner Studiert faßte er in einer Reihe elementarer Regeln für die Gestaltung von Farbbildschirm-Software zusammen.

Farbe - beim Suchen eine große Hilfe

Farbe unterstützt, erläutert Krueger, zwar sowohl das Suchen als auch das Identifizieren einer visuellen Information, doch liegt ihre eigentlich Stärke beim Suchprozeß; das genaue Identifizieren hingegen erfolgt sicherer an Hand alphanumerischer Zeichen. Deshalb muß Farbe, mit der man die Aufmerksamkeit schnell auf bestimmte Klassen von Daten ("rote Zahlen") lenken kann, immer in derselben Bedeutung benutzt werden, soll sie wirklich Vorteile bringen. Das heißt auch, bereits festgelegte Farb-Bedeutungen (Blau = Wasser) sollten, wo es nur geht, stets beibehalten werden.

Um Informationen zu kodieren, ist es immer besser, Farbe statt beispielsweise "Helligkeit" oder "Form" einzusetzen, bemerkt der Professor. Noch auffälliger ist allerdings die Kodierungsart "Position" - aber nur dann, wenn die betreffende Darstellung auch wirklich klar abgesetzt erscheint.

Sparsam mit Farben umgehen

Besonders interessant ist Farbe als Bildschirm-Gestaltungselement, in den Fällen, in denen man die einzelnen Datenklassen eben nicht durch besondere Positionen auf dem Bildschirm voneinander abgrenzen kann - dann beispielsweise, wenn die Position eines Ergebnisses durch dieses selber bestimmt wird und nicht vorausgesehen werden kann. In solchen Fällen wirkt ein deutlicher Farb-Kontrast wahre "Informations-Wunder".

Hat man vorwiegend alphanumerische Anwendungen, so sollte man auch wenn manche das Gegenteil annehmen mögen - mit Farbe besser sparsam umgehen, rät Krueger. Zu viele Farben wirken dann nämlich bloß als "Distraktor", der die Aufmerksamkeit ablenkt. Weil man heute viele Farben darstellen kann, muß man sie noch längst nicht verwenden.

Arbeitet man aber mit Graphiken, so kann man den Bildschirm ruhig etwas unbekümmerter Chamäleon spielen lassen. Das gilt allerdings laut Krueger nur, wenn Vergleichsfarben angeboten werden und somit keine absolute Farb-Identifikation notwendig ist. Dabei erleichtert es die Farbunterscheidung übrigens sehr, wenn man die einzelnen Farben zusätzlich noch in ihrer Helligkeit etwas variiert, wobei diese Zusatz-Kodierung redundant sein muß: Das heißt, die blaue Linie muß dann beispielsweise immer etwas heller erscheinen als etwa die grüne.

Gerade Anbieter von farbtauglichen Kleinstcomputern erschlagen den Interessenten auf Vorführungen manchmal mit einer Fülle farblicher Einzelinformationen: Sie freuen sich offenbar, endlich mehr als bloßes Schwarzweiß bieten zu können. Hier allerdings scheint Kruegers Rat dringend angebracht, farbige Zeichen auf farbigem Untergrund nach Möglichkeit zu vermeiden; allenfalls graue, weiße oder schwarze Buchstaben und Zahlen hält der Experte für angebracht, ist der Hintergrund selber schon gelb, blau oder was auch immer.

Nicht kleckern, klotzen!

Daß Farbe an sich schon recht schnell gefunden wird, bedeutet nicht, man könne sich nun auf die Darstellung winziger Pünktchen beschränken und den Bildschirm mit tausenderlei Details vollpacken. Nein, lautet der Rat aus München, gerade wenn Informationen auch in den Randgebieten des Gesichtsfeldes wahrgenommen werden müssen, sollte man besser größere als kleinere Farbgebiete "einprogrammieren" .

Weitere Hinweise für die arbeitsphysiologisch richtige Gestaltung von Software für Farbbildschirmdarstellungen besagen, die Zeit zum Suchen einer bestimmten Information schrumpft durch den Farbeinsatz um so drastischer, je größer die Zahl der Elemente ist, unter denen ein bestimmtes gefunden werden muß. Damit ist natürlich der - kritische - Fall angesprochen, daß man keinen redundanten, zusätzlichen Hinweis auf das gesuchte Element (unter vielen ähnlichen) vorgesehen hat - einen Hinweis der Art beispielsweise, daß alle Inventurdifferenzen ab einer bestimmten Größe nicht nur als negative Zahl, sondern überdies (wieder einmal) rot erscheinen. Allerdings wächst die Suchzeit generell wieder an, je mehr Farben zum Einsatz kommen was übrigens ein gutes Argument für die Beschränkung auf das billigere von zwei angebotenen Modellen sein kann.

Nur der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß die Farbe auch zusehends an Überlegenheit einbüßt, wählt man mutwillig mehr Farben, als die gestellte Aufgabe und die gewählte Darstellungsform wirklich erfordern. In jedem Fall sollte man vermeiden, den Bildschirm mit einer Unzahl kleiner Farbtupfer, vielleicht gar noch solche unterschiedlichster Couleur, vollzupinseln. Denn damit erreicht min unter Umständen nur, daß nun die gewöhnlichen Zeichen und Kodierungsformen (Größe, Gestalt, Alpha-Zeichen etc.) nicht mehr so gut wie sonst identifiziert werden. Jedenfalls zeigte sich diese Wirkung, als man einem Bildschirminhalt versuchsweise sinnfreie Farben in zufälliger Anordnung und Verteilung beimischte.

In diesem Zusammenhang ist vielleicht die konkrete Farbgestaltung der Bildschirmmasken bei einer großen Versicherung interessant, die folgendermaßen aufgebaut sind: Überschriften gelb, Feldbezeichnungen türkis sowie, bei Hintergrundfeldern, blau, Feldinhalte weiß, wichtige Hinweise und Fehlernachrichten rot (was auch sonst?) und schließlich die Trennlinien wieder blau. Ach ja: die Fehlernachrichten werden sicherheitshalber auch noch durch zwei extra blinkende Pfeile hervorgehoben, denn wie sagt Prof. Krueger doch so richtig: Redundanz erleichtert das Auffinden . . .