Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

22.07.1983 - 

Entwicklung der Kathodenstrahlröhre ist abgeschlossen, doch:

Farbe ist fürs Plasma noch ein Problem

MÜNCHEN(rs) - Der Plasmaschirm wird langfristig die Kathodenstrahlröhre (CRT) ablösen. Er hat gegenüber den herkömmlichen Datensichtgeräten eine Reihe von Vorteilen. Die CRT-Technik, urteilen Insider, ist am Ende. Noch aber kämpfen die Plasmaentwickler mit technischen Detailproblemen - und Kosten.

Abgesehen von der flachen Bauweise bietet das Plasmamodell im Gegensatz zur Braunschen Röhre eine ebene Anzeigefläche, was geometrische Verzerrungen an den Rändern vermeidet. Plasma erfordert weiterhin keine Hochspannung, erzeugt keine Röntgenstrahlen und erlaubt die beliebige Ansteuerung aller Bildpunkte. Schließlich erhält sich das Bild selbst und garantiert damit eine tatsächlich flimmerfreie Darstellung.

Probleme fallen weg

Es gibt auch kaum Begrenzungen in der Größe von Plasmabildschirmen, theoretisch wenigstens nicht, lediglich in der Praxis zeigen sich Beschränkungen. Alle Probleme der Kathodenstrahlröhren fallen weg, zunehmende Bautiefe beispielsweise, die sie kaum noch handhabbar machen. Die Anzeigeplatte läßt sich, wenn man die Technik in Zukunft noch besser im Griff haben wird, völlig losgelöst von der Ansteuerelektronik irgendwo aufhängen oder einbauen, beliebig drehen und kippen.

"Auf Dauer", so die Experten, "sind Kathodenstrahlröhren keine Lösung. Das wissen alle." In jeder Ergonomiebroschüre stünden Hunderte von Argumenten, warum man keine herkömmlichen Bildschirme einsetzen soll.

Plasma aus Prestige

Momentan jedoch ist die phosphorbeschichtete Vakuumröhre die einzige Möglichkeit, preisgünstig das Anzeigeproblem zu lösen. Bei den Plasmaschirmen hat man das Problem der Auflösung derzeit nicht völlig im Griff, und außerdem sind sie noch zu teuer.

Allerdings: Wie sich Preise verändern können, kennt man mittlerweile in der Computerei. Dies ist letztlich lediglich eine Frage der Menge. Am Anfang wird es vermutlich nur ein paar Avantgardisten geben, die sich - aus welchen Gründen auch immer (und sei es nur aus Prestige), eine Plasmaplatte zulegen. Das Phänomen gab es bei der Einführung farbiger Bildschirme ganz genauso. Dann aber können die Preise auch ins Rutschen kommen.

Der IBM-Plasmabildschirm, derzeit der einzige, der in dieser Größe auf dem Markt verfügbar ist, unterscheidet zwei Betriebsarten: den Originaloder auch Großschirmmodus und den "Verträglichkeitsmodus". Im Verträglichkeitssmodus läßt sich der Schirm "vierteilen", wobei in jedem Viertel 1920 Zeichen dargestellt werden können. Dabei muß der Anwender seine Programme dem neuen Bildschirm nicht anpassen, sondern kann IBM zufolge sofort weiterarbeiten.

MCS schafft Übersicht

Dafür gibt es wiederum zwei Methoden: den MCS-Modus und die Arbeit mit mehreren Anwendungen. MCS bedeutet Multi-Copy-Screen und meint, daß bis zu vier Bildschirminhalte einer einzigen Anwendung angezeigt werden können. Ein Versicherungssachbearbeiter beispielsweise wäre so in der Lage, etwa einen Schadenverlauf komplett im Auge zu behalten.

Spektakulärer als MCS ist es jedoch, wenn ein DV-Profi mit mehreren Anwendungen gleichzeitig umgehen muß. So läßt sich im ersten Bild mit der IMS-Datenbank umspringen, im zweiten mit APL arbeiten, im dritten wird CICS erledigt und im vierten noch irgend etwas anderes.

Die Konsole zur Steuerung und Überwachung von Großrechnern ist ein Beispiel dafür, wie mehrere Vorgänge gleichzeitig bearbeitet werden müssen. Noch gehen hier die Operator, eingekreist von Bildschirmen und auf einem Drehstuhl sitzend, gleichsam rotierend ihrer Arbeit nach.

Operator rotieren

Diese Anwendungen, die alle im Verträglichkeitsmodus laufen, sind derzeit auch relativ einfach realisierbar. Anders beim Originalmodus, in dem sich 9920 Zeichen anzeigen lassen. Diesen Zustand hält IBM für die Anzeige von Stücklisten in der Fertigung beispielsweise geeignet.

Diese Listen seien in aller Regel so umfangreich, daß sie auf einem normalen Bildschirm kaum darstellbar sind und aus diesem Grund fast immer ausgedruckt werden müßten. Aus den riesigen Listen sucht der Anwender dann die eine Seite heraus, die er gerade benötigt, und der Rest ist "für die Katz".

Programmierer springen

Hier soll der große Schirm Abhilfe schaffen. Bei 132 Zeichen pro Zeile zeigt das Plasmamodell immerhin noch 75 Zeilen an und ermöglicht so die vollständige Darstellung einer Listenseite. Zwar gibt es auch normale Bildschirmgeräte, die 132 Zeichen in einer Zeile unterbringen. Doch abgesehen von der schlechten Lesbarkeit paßt hier keine volle Druckerseite auf den Schirm.

Ein weiteres Anwendungsgebiet, in dem sich eine hohe Bildschirmkapazität positiv bemerkbar macht, ist die Online-Programmierung. Hier bieten die 132 Stellen die Möglichkeit, auch umfangreiche Programmlistings auf einmal überblicken zu können. Heute noch "springen" die Programmierer im Bildschirminhalt hin und her, wenn nämlich der Standardschirm bei der 72. Stelle aufhört und man gern weiterlesen möchte. Vor allem bei zusammenhängenden Texten ist dies auf Dauer sehr lästig.

Ein Problem der Plasmatechink ist die farbige Darstellung. Vor allem im Bereich der Grafik, zunehmend jedoch auch bei kommerziellen Anwendungen wird Farbe immer beliebter und setzt sich auch durch.

Nun sind Farbe und Auflösung zwei konträre Dinge. Bei einer bunten Darstellung muß man schon die dreifache Auflösung auf die Beine bringen, um nur den Zustand zu erreichen, den eine monochrome Darstellung bietet. Derzeit jedoch kann ein Plasmaschirm noch nicht einmal die zweifache Auflösung bieten, so daß Farbe hier noch nicht zur Diskussion steht. Im Labor freilich werkeln die Entwickler bereits intensiv an der Lösung dieses Problems.

Nur ein Problem gelöst

Denn auch wenn es gelingt, Kathodenstrahlröhren flacher zu bauen, wie es etwa Sinclair in der Entwicklung hat, so wird damit doch nur ein Problem gelöst, eben das der Einbautiefe. Die anderen Schwierigkeiten (relativ hoher Energiebedarf aufgrund des Hochspannungsteils, sowohl geometrische als auch Farbverzerrungen an den Rändern) sind damit noch nicht vom Tisch. Die Entwicklung, urteilen Experten, ist hier zu Ende.

Vor allem kann man sich, was die Verzerrungen betrifft, nicht wie die Fernsehleute behelfen: Diese umgehen das Problem, indem sie ihr Motiv immer zentrieren, also in die Mitte des Bildes bringen. Bei DV-Anwendungen steht die Schrift aber nun einmal auch in den Ecken.