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18.04.1997 - 

Server nach Maß/Den richtigen Server aufgaben- und ortspezifisch einsetzen

Farbenvielfalt bedeutet nicht unbedingt gleich Chaos

Die banalste aller Fragen an DV-Berater lautet: "Können Sie uns ein System und den dazu passenden Investitionsrahmen empfehlen?" Das ließe sich schnell global beantworten, sofern der Berater drei Parameter kennt: wie viele Anwender mit dem System arbeiten sollen, welches Datenvolumen zu erwarten und welche Antwortzeit akzeptabel ist.

Aber Vorsicht vor solchen Schnellschüssen. Der heute so oft gebrauchte Werbeslogan "Plug and play" impliziert ein Blackbox-Denken, das so gut wie immer unrealistisch ist. Denn in fast jedem Fall geht es darum, ein neues System in die vorhandene Infrastruktur zu integrieren sowie Know-how und Kapazitäten für den Betrieb aufzubauen.

Welches also der richtige Server ist, hängt von der Aufgabe, der vorhandenen Infrastruktur und dem Betriebsort ab. Deshalb ist eine genaue Betrachtung unabdingbar, welche DV-technische Unterstützung wo benötigt wird, bevor sich eine Aussage über System, Plattform und Konfiguration treffen läßt.

Begriffe wie Client, Server und Architektur sind in DV-Kreisen gängig, doch meint jeder etwas anderes. Daher ist an dieser Stelle eine Begriffsklärung notwendig.

Architekturen von DV-Systemen entsprechen im allgemeinen einem Schichtenmodell, zusammengesetzt aus Anwendungs- und systemnaher Software (Datenbanken, Middleware) sowie Rechner mit Betriebssystem (Plattform). Dabei wird unterschieden zwischen den Architekturen für Anwendung, Datenbank und Rechner.

Jede dieser Architekturen kann zwar ihre Aufgaben auch isoliert erfüllen, doch nützt das vor allem dem Hersteller beziehungsweise Systemlieferanten.

Eine moderne IT-Architektur sollte jedoch Anwendung, Basissoftware und Plattform kombinieren. Denn nur, wenn diese drei Komponenten in einer Client-Server-Umgebung auf drei Ebenen ohne nennenswerte Reibungsverluste zusammenspielen, liegt eine funktionierende IT-Landschaft vor.

Der Begriff Server bezeichnet einerseits im Kontext von Anwendungsarchitektur Softwarebausteine, andererseits im Rahmen einer Plattformarchitektur eine dedizierte Hardwarekomponente. Für Clients gilt im Prinzip dasselbe. Auf die Plattformarchitektur bezogen, werden jedoch meist Arbeitsplatzsysteme (PCs, RISC-Workstations) als Clients definiert. Wenn von "Servern nach Maß" die Rede ist, handelt es sich um dedizierte Rechnersysteme, also Hardware mit dem dazugehörigen Betriebssystem.

Betrachtet man die DV-Landschaft und entsprechende Anforderungen an die DV-Unterstützung der meisten mittelständischen bis großen Unternehmen, so trifft man in der Regel auf sehr heterogene Infrastrukturen, die in den wenigsten Fällen ohne große Reibungsverluste und damit Aufwendungen laufen. Nach dem Motto "Die richtige Leistung am richtigen Platz" ist die bunte DV-Landschaft in vielen Fällen auch sinnvoll. Zum Beispiel sind verteilte grafische Arbeitsplatzsysteme als Front-ends und Hochleistungs-Server als Back-ends im Einsatz.

In solch heterogenen Infrastrukturen stehen angesichts des Aufwands für Pflege, Administration, Softwareverteilung etc. Kosten und Nutzen selten in einem günstigen Verhältnis. Der Grund liegt darin, daß unverändert fast jeder Hersteller seine Spezifika als Alleinstellungsmerkmale seines Systems auf Kosten der Integration und damit des Kunden verteidigt. Auch Statements wie "Die Zukunft heißt Windows NT" sind keine Prognosen, sondern interpretationsbedürftige Aussagen, um zu einer pragmatischen und zugleich zukunftsträchtigen Lösung zu kommen.

CMOS-basierende Mainframes (CMOS = Complementary Metal Oxide Semiconductor) haben in ihrer klassischen Rolle als zentrale Hosts für Anwendung und Datenbasis weitgehend ausgedient. Nur in hochleistungsfähigen Client-Server-Umgebungen werden sie als Hochleistungs-Server für Datenbank- und Transaktionsservice weiterhin interessant sein.

Windows NT wird auch auf lange Sicht nicht die auf RISC aufbauenden Unix-Systeme verdrängen können, da ihre installierte Basis zu groß ist. Dank ihrer Skalierbarkeit von der Workstation bis zum Hochleistungs-Server ist der breite Leistungsbereich dieser Systeme auch in Zukunft ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt.

Fast ohne Konkurrenz sind sie auf Intelgestützten NT-Systemen durch die weite Verbreitung von Software im PC-Segment, und sie stellen bis in die untere Performance-Klasse der Server eine gute Alternative dar. Auch unter dem Ziel einer Eingrenzung der Heterogenität von IT-Infrastrukturen sind sie ein Verkaufsargument.

Daher lautet die Prognose für diese Plattformen in nächster Zukunft: Sie werden auf den drei Ebenen einer Client-Server-Architektur koexistieren.

Das Stichwort für die Zukunft heißt in diesem Zusammenhang "Coopetition". Hinter dieser Wortschöpfung aus dem Hardwaremarkt verbergen sich die Begriffe Cooperation und Competition.

Damit signalisieren auch die Plattformlieferanten, daß sie die Anforderung des Marktes nach einem besseren Zusammenwirken der Plattformen akzeptieren (Cooperation), ohne jedoch die Abgrenzung zur Konkurrenz (Competition) zu vergessen.

Angeklickt

Ein Server-Typ, ein Betriebssystem, alles schön einheitlich, und schon ist Schluß mit den scheinbar endlosen Problemen heterogener Umgebungen. Frieden wie einst in Mainframe-Zeiten, aber ohne das altmodische Image. Das bleibt jedoch vorerst ein Traum. Denn nicht die Gemütslage der Computerspezialisten bestimmt die DV-Landschaft, sondern die Anforderungen der Applikationen dominieren. Am scheinbaren Durcheinander der Systemwelten dürfte sich auch auf absehbare Zeit kaum etwas ändern - doch könnte eine bessere Gesamtarchitektur der verschiedenen Komponenten einer DV-Landschaft Reibungsverluste vermeiden.

*Karl-Heinz Franke ist Chefberater im Competence Center IT-Management der Integrata Unternehmensberatung GmbH in Tübingen.