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21.07.1995

Fast 40 Prozent der deutschen TK-Manager kennen die Technologie noch nicht Unterschiedliche Tarifmodelle stehen ATM-Einfuehrung im Weg

Von Gerhard Kafka *

Zu ueberraschenden Ergebnissen kommt eine Studie, die das ATM-Forum jetzt praesentierte. So hatte beispielsweise rund ein Drittel der befragten TK-Manager von ATM ueberhaupt noch nichts gehoert.

Die britische Firma Analysis befragte im Rahmen ihrer Erhebung 350 Verantwortliche fuer die Telekom-Strategie in mittleren und grossen Unternehmen in zwoelf europaeischen Laendern zum Thema ATM. Von den Resultaten waren selbst Experten ueberrascht.

Anhand der gesammelten Aussagen der Befragten entwarfen die Analysten zwei Szenarien, in denen die kuenftige Entwicklung der neuen Technologie prognostiziert wurde.

In der optimistischen Variante ersetzt ATM alle bisherigen Technologien im lokalen und oeffentlichen Netzbereich. Fuer Unternehmen ist es die einzige Verbindung zum WAN, wodurch das Netzwerk-Management vereinfacht und die Verfuegbarkeit erhoeht werden. Fast Ethernet und andere LAN-Technologien sind durch ATM auch im lokalen Bereich abgeloest, und FDDI wird allmaehlich ebenfalls ersetzt. Die wichtigsten Kaeufer von ATM-Systemen, so die Analysten, sind dabei die Raumfahrt- und Automobilindustrie.

Im Lager der Pessimisten beklagt man dagegen, dass zwar Verbindungen mit 34 Mbit/s verfuegbar, die gewuenschten Netzstrukturen aber noch immer nicht realisiert sind. So seien die globalen Service-Provider nicht in der Lage, die notwendigen Komplettloesungen zu liefern. Die Anwender kritisieren hier vor allem, dass die Provider nach wie vor auf das Netz fokussiert sind und nicht auf die Geschaeftsprozesse in den Unternehmen.

Geht es um die Einsatzgebiete von ATM, so wird die neue Technologie vor allem als Medium fuer Multimedia und Bildkommunikation gesehen, nicht jedoch wie auf Herstellerseite fuer die LAN-Kopplung und fuer Desktop-Anwendungen. Die Probleme liegen nach Meinung der Befragten in den unterschiedlichen APIs fuer die Anwendungen und den verschiedenen Netzwerkdiensten. So bilden denn in diesem Szenario die ATM-Netze kuenftig Inseln in der globalen Netzwerklandschaft und sind selten miteinander verbunden.

Zu den Schluesselapplikationen zaehlen die Anwender LAN- Internetworking, Gruppenarbeit und E-Mail. Bei den Netzwerkbetreibern steht zwar die Verbindung von LANs ebenfalls an erster Stelle, gefolgt von File-Transfer, E-Mail und Breitband- Videokonferenzen, aber das von den Usern als so wichtig empfundene Thema Gruppenarbeit wird erst an achter Position genannt. Dies ist ein Beispiel von vielen, wie Anwenderwuensche und Strategien der Netzbetreiber divergieren.

Im europaeischen Durchschnitt haben allerdings 32 Prozent der Befragten von ATM ueberhaupt noch nichts gehoert. Hierzulande betraegt der Anteil der Unwissenden sogar 40 Prozent. Nach Industriesektoren selektiert, sind die Bereiche Bildung, Unterhaltung, Verlagswesen sowie das Gesundheitswesen in Sachen ATM-Know-how fuehrend. Ueber 80 Prozent der Befragten, die in einem dieser Aufgabenfelder taetig sind, besitzen ein ausreichendes Wissen ueber ATM. Am wenigsten informiert sind die oeffentlichen Verwaltungen, Distributoren und der Einzelhandel. Auch im Finanzsektor kennt sich fast die Haelfte der Manager mit ATM nur wenig aus.

Erfreulich aus Anbietersicht ist dagegen, dass ueber zwei Drittel aller ueber ATM Informierten der neuen Technologie positiv gegenueberstehen. In den Grossunternehmen sind es sogar fast 80 Prozent. Die Erwartungen konzentrieren sich dabei vor allem auf verbesserte Dienstqualitaet, hoehere Verfuegbarkeit und schnelle Implementierung. Neben dem Preis werden insbesondere die vorhandene Infrastruktur und die einfache Integration als wichtige Kaufkriterien genannt.

Bei den Tarifen fuer ATM orientieren sich die Anwender an den Modellen fuer ISDN, Frame Relay und Festverbindungen. Die Betreiber verfolgen bei ihren Tarifmodellen jedoch andere Strategien und bevorzugen die Strukturen von Frame Relay, SMDS und Festverbindungen. Eine Diskrepanz, die erst einmal ueberwunden werden muss, wenn ATM ein Erfolg werden soll, da die Tarifierung fuer das Gros der User das wichtigste Kaufkriterium darstellt.

Der Erfolg von ATM in Europa wird stark davon beeinflusst werden, wie die Hersteller von ATM-Produkten und die Netzwerkbetreiber den geaeusserten Kundenwuenschen entgegenkommen.

*Gerhard Kafka ist freier Journalist und Telecom-Berater in Egling bei Muenchen