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Fast 700 Millionen weniger Gewinn mit proprietaerer Midrange- Familie Die AS/400 koennte zum neuen Problemkind der IBM werden

11.02.1994

MUENCHEN (CW) - Neben dem Mainframe-Sektor geraet nun auch das Midrange-Geschaeft der IBM Corp. unter Druck. So verpassten die Armonker 1993 mit der bisher hochprofitablen AS/400-Linie den Vorjahresumsatz von 3,7 Milliarden Dollar um zehn Prozent. Das ist der erste Umsatzrueckgang seit Einfuehrung der Rechnerfamilie im Jahr 1988.

Noch dramatischer als die Umsatzentwicklung schaetzen New Yorker Analysten den Gewinnrueckgang der IBM-AS/400-Division ein. Sie rechnen laut "Wall Street Journal" damit, dass der Profit des Vorjahres in Hoehe von 780 Millionen Dollar 1993 auf 85 Millionen Dollar zusammenge-schmolzen ist. Doch Big Blue hat im vergangenen Jahr nicht nur Umsatz und Gewinn eingebuesst, sondern dem US-Blatt zufolge auch Marktanteile an Konkurrenten wie Hewlett-Packard verloren, die in diesem Segment offenere Systeme anbieten.

Branchenbeobachter erklaeren die fuer Big Blue negative Entwicklung zum einen mit dem anhaltenden Trend zu offenen Systemen, Client- Server-Architekturen und PC-Netzen. Zum anderen fuehren sie den Einbruch auf die Schwierigkeiten der Armonker zurueck, die AS/400 offener zu gestalten.

Zwar sind neue, auf Big Blues Power-Architektur basierende Rechner angekuendigt, aber es vergeht wahrscheinlich noch ein Jahr, bis diese Maschinen ausgeliefert werden koennen.

Wie das US-Blatt weiter berichtet, leidet der AS/400-Absatz besonders unter der wirtschaftlichen Misere in Europa. "Die Europaeer setzen in der Tat auf offene Systeme, und die AS/400 wird dort als nicht sehr offen betrachtet", moniert Gartner-Group- Analyst James Cassell das nach wie vor proprietaere Image der Maschine.

"Obwohl sich die Anwender in puncto Offenheit teilweise etwas vormachen, muessen wir auf den Trend zu offenen Systemen reagieren", bestaetigt Rainer Lang, Geschaeftsfuehrer der Online Software Labor GmbH. Fuer den Chef des Softwarehauses, das bis vor zwei Jahren seinen Schwerpunkt bei Bull-Systemen hatte, besteht kein Zweifel: "Kaum haben wir die AS/400 im Griff, muessen wir uns schon wieder in Richtung Unix orientieren."

Juergen Braas, Geschaeftsfuehrer der Klaus Brankamp System- und Produktionsplanung GmbH, sieht vor allem das Neukundengeschaeft beeintraechtigt: "Mittelstaendische und kleinere Unternehmen, die entweder neu in die DV einsteigen oder einen radikalen Schnitt machen, wollen relationale Datenbanken, moderne Softwaretechnologie, Unix-Server oder auch PC-Netze unter Novell."

Zur Zeit arbeitet die IBM mit Macht daran, die AS/400, von der weltweit 400000 Systeme installiert sind, aus der proprietaeren Ecke herauszuholen. Am Dienstag vergangener Woche kuendigte Big Blue mit der 9406-F97 ein neues Spitzenmodell seiner Midrange- Reihe an. Gegenueber dem bisher groessten System weist die F97 Herstellerangaben zufolge einen Leistungszuwachs von 20 Prozent auf.

Allerdings ist fraglich, ob alle geplanten Massnahmen geeignet sind, das AS-Geschaeft anzukurbeln. Die CW-Schwesterpublikation "Computerworld" berichtet beispielsweise unter Berufung auf unternehmensnahe Quellen, dass es sich beim ersten Midrange-System auf Power-Basis nicht um eine AS/400, sondern um eine RISC- basierte Version des bereits seit 1988 nicht mehr weiterentwickelten Vorgaengersystems /36 handeln koennte. Moeglicherweise kommt diese Maschine, mit der die IBM offenbar auf die Wuensche der noch immer vielkoepfigen Anwendergemeinschaft reagiert, bereits im November dieses Jahres auf den Markt.