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25.03.1994

Fast jeder Dritte von Entlassung bedroht Borland: Der neue starke Mann will mit eisernem Besen kehren

FRAMINGHAM (IDG) - Einen Management-Profi hat sich Philippe Kahn, CEO der Borland International Inc. aus San Mateo, Kalifornien, mit dem ehemali- gen Price-Waterhouse-Topberater Keith Maib ins Boot geholt. Der neue Chief Operating Officer ist nicht zimperlich: Er will die Mitarbeiterzahl reduzieren und unprofitable Produktlinien einstellen.

Eine bittere Medizin hat Maib der kalifornischen Softwareschmiede verordnet. Nach seinen Plaenen muss ein "signifikanter" Teil der Borland-Belegschaft das Unternehmen verlassen, damit die Kosten sinken und die Management-Hierarchien flacher werden koennen. Bis zu 30 Prozent der rund 2000 Borland-Mitarbeiter, so die Schaetzung unternehmensinterner Quellen, werden sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen muessen.

Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, wird der frischgebackene Chef des Borland-Managements auch die Produktpalette beschneiden. Maib habe vor, das Borland-Angebot um Redundanzen und unrentable Projekte zu bereinigen.

Analysten beurteilen diese strategische Kehrtwendung durchaus positiv. Offiziell hat Kahn den neuen Chief Operating Officer eingestellt, um sich - vom Tagesgeschaeft befreit - auf technologische Planungen konzentrieren zu koennen. Brancheninsider wollen es jedoch besser wissen. Nach Einschaetzung von Donald De Palma, Analyst bei Forrester Research, ist die Berufung des Price- Waterhouse-geschulten Profi-Managers ein Indiz dafuer, dass der Borland-Gruender "die richtigen Schritte unternimmt, um Probleme zu korrigieren, bevor etwas wirklich Dramatisches - etwa ein hoher Bilanzverlust - passiert". Ergaenzt Curt Monash, unabhaengiger Berater in New York: "Das Unternehmen braucht dringend ein erwachsenes Management."

Einige der in letzter Zeit gestarteten Entwicklungs- und Marketing-Projekte haben nach Ansicht der Marktauguren dazu gefuehrt, dass das Unternehmen in unterschiedliche Richtungen gezogen werde. Die Rede ist von Kahns Absicht, Borland-Produkte in den grossen DV-Abteilungen zu etablieren, sowie von der Tabellenkalkulation "Quattro Pro" und der gemeinsam mit Wordperfect betriebenen Vermarktung eines integrierten Pakets. Es sei muessig, Marketing-Dollars fuer Produkte auszugeben, die "nur die Kruemel aufpicken, die Microsoft und Lotus uebriglassen", erlaeutert De Palma.

Maib hat sich einen Teil dieser Ratschlaege offenbar bereits zu Herzen genommen. Jedenfalls will er Borlands Spreadsheet-Division an Novell verkaufen.

Ungeschoren bleibt aller Voraussicht nach jedoch ein Projekt, das Borland als Antwort auf Microsofts Entwicklungs-Toolset "Visual Basic" versteht. Voraussichtlich im Juni dieses Jahres werden die Kalifornier das fertige Produkt praesentieren.

Den Umfang der geplanten Entlassungen wollte Maib selbst noch nicht nennen - genausowenig wie die Namen weiterer unprofitabler Produktbereiche. Er unterstrich lediglich, dass Borland seine Kultur aendern und "einige alte, unzeitgemaessige Gewohnheiten aufgeben" muesse. "Innerhalb des Entscheidungsprozesses gibt es zu viele Leute, aber nicht genug G.edanken."