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19.06.1992 - 

ANSI fordert einheitliche SDDI-Spezifikation

FDDI: STP-Gruppe will unter IBMs Regie Standard erzwingen

WASHINGTON (CW) - Die Zeichen bei der Standardisierung von FDDI auf Basis von Shielded-Twisted-Pair (STP) stehen auf Sturm. Obwohl ein Komitee der amerikanischen Normierungsbehörde ANSI den unter Führung von IBM eingereichten Entwurf zurückgewiesen hat, will Big Blue zusammen mit zehn weiteren Unternehmen den "De-facto-Standard SDDI" am Markt durchsetzen.

Die IBM scheint einmal mehr auf ihre Macht zu bauen. Jedenfalls ist das Unternehmen aus Armonk zusammen mit Herstellern wie Chipcom, Madge Networks, Motorola und Synoptics Communications fest entschlossen, Produkte auf Basis der unter Regie von Mother Blue entwickelten SDDI-Spezifikation im Markt zu etablieren. Zwar stehen die Chancen, mit SDDI einen De-facto-Standard zu setzen, nicht schlecht, Leidtragende sind zunächst aber wieder einmal die Anwender. Der Grund: Die SDDI-Spezifikation ist zu Produkten, die andere Normen zur Datenübertragung mit 100 Mbit/s auf STP verwenden, nicht kompatibel, das heißt, bereits getätigte Investitionen sind nicht geschützt.

Mit ihrem Alleingang gehen die elf Unternehmen nicht nur auf Konfrontationskurs zur ANSI, sondern auch zur "Fünferbande". Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich die fünf Unternehmen Advanced Micro Devices, Chipcom, Digital Equipment, Motorola und Synoptics, die noch vor der IBM einen Spezifikationsentwurf für FDDI über STP bei der ANSI eingereicht hatten. Diese "Grünbuch-Spezifikation", die unter anderem auch ein Regelwerk für Workstation-Hub-Connections enthält, wurde von der Normierungsbehörde ebenso zurückgewiesen wie der IBM-Draft, der zusätzlich Methoden zur Workstation-Workstation-Verbindung unter SDDI enthält. Die Begründung der ANSI: Beide Gruppen sollten sich auf einen einheitlichen Standard verständigen.

Die im Oktober vergangenen Jahres vorgelegte vereinheitlichte Version SDDI wurde von dem ANSI-Gremium aber ebenfalls abgelehnt, weil die Behörde im Interesse der Anwender eine gemeinsam gültige Spezifikation für die FDDI-Übertragung sowohl auf Basis von STP als auch Unshielded-Twisted-Pair (UTP) fordert. Die Realisierung dieses kombinierten Standards dauere zu lang, begründet man bei IBM und den anderen Unternehmen den eigenmächtigen Vorstoß. "Die Schnittstelle, von der wir reden, liegt vor und kann von anderen Herstellern übernommen werden", gibt sich Franc Noel, Manager der FDDI-Hardware-Entwicklung bei IBM, entschlossen.

Konfusion und Eigenmächtigkeit

"Diese Konfusion und Eigenmächtigkeit in Sachen FDDI auf STP und UTP macht uns verrückt", beklagt Charles Robbins, Direktor des Beratungsunternehmens Aberdeen Group aus Boston, und befürwortet den Vorschlag der ANSI: "Die Anwender brauchen einen einheitlichen Standard."

Ungeachtet dieser Irritationen beim Kunden wollen neben IBM auch andere Hersteller schon bald mit SDDI-Produkten auf den Markt kommen. So kündigte Synoptics zum Beispiel für das dritte Quartal 1992 einen SDDI-Konzentrator und ein Host-Modul an. Die Company, die neben Chipcom und Motorola beiden Gruppen angehört, wird aber weiterhin auch die "Grünbuch-Spezifikation" im Programm haben, weshalb die User zwischen den zwei Produkt-Sets wählen müssen.

Bei Chipcom, ebenfalls Mitglied in beiden Lagern, scheint das Management inzwischen mehr zur IBM-Seite zu tendieren. "Die Unterstützung IBMs für den Standard ist für uns ausschlaggebend", erklärt Jamie Warter, Produkt Manager, die Haltung Chipcoms und fügt hinzu: "Es ist kaum anzunehmen, daß eine Spezifikation, die von IBM nicht unterstützt wird, am Markt Akzeptanz findet."

Digital hält sich noch zurück

Trotz der Initiative von IBM wollen DEC und einige andere Unternehmen zunächst keine SDDI-konformen Produkte produzieren, weil die Spezifikation noch keine international anerkannte und verabschiedete Norm ist.

Marktbeobachter sind jedoch der Ansicht, daß diese Produzenten ihre Zurückhaltung bald aufgeben müssen, wollen sie nicht den Anschluß verlieren. Der Meinungswandel bei Synoptics, Chipcom und Motorola könnte diese Ansicht bestätigen.