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16.03.1984 - 

Gesetz von Murphy gilt vor allem in Fertigungsunternehmen:

Fehlende Integration ist eine Fallgrube

WEISSBACH - Systematisch müsse die Inbetriebnahme und laufende Anwendung komplexer online- und real-time-orientierter DV-Systeme in Fertigungsunternehmen geplant. gesteuert und kontrolliert werden, meint Ekkehard Schumacher. Geschäftsbereichsleiter Material-Management und DV bei der Konrad Hornschuch AG, Weißbach. Für den erfolgreichen Einsatz umfangreicher EDV-technischer Neuerungen stellt Schumacher in seinem Beitrag vier Thesen auf.

Die Kernfrage lautet bei der Realisierung von integrierten online und real-time-orientierten EDV-Systemen in Fertigungsunternehmen.

Wie können technologische Veränderungen in diesem Bereich durch Einführung geänderter Abläufe und neuer Systeme in Übereinstimmung mit unternehmensspezifischen Anforderungen rasch und risikoarm realisiert werden?

Die Auswahl modernster Hard- und Softwaretechnologie zu günstigsten Preisen reicht nicht aus - im Gegenteil. Damit der große Wurf nicht daneben geht, ist es unbedingt notwendig, sich nicht schmalspurig auf Hardwareeinsatz sowie Softwareentwicklung allein zu konzentrieren, sondern systemorientiert eine Realisierungsstrategie etwa nach folgendem Muster zu erarbeiten:

1. Passen die geplanten Neuerungen auf unternehmensspezifische Anforderungen und Prioritäten?

2. Beseitigt der Einsatz neuer Anwendungssoftware kardinale Engpässe beziehungsweise können mit Sicherheit die geplanten Vorteile realisiert werden?

3. Bekommt der Anwendungsbereich das neue System in den Griff?

Wirtschaftlich verknüpfen

Dazu lassen sich einige wesentliche Erkenntnisse zusammenfassen

Zu 1) Erhöhung der Flexibilität im Markt und Reduzierung der Material-, Produktions- und Lagerkosten als Zielsetzung für Auswahl und Einsatz neuer EDV-Anwendungen in Fertigungsunternehmen reicht allein nicht aus. Auswahl und Einsatz geeigneter Methoden und Systeme müssen vielmehr in Einklang mit den unternehmensspezifischen Problemen gebracht werden - das ist die wesentliche Herausforderung.

Entscheidend ist ferner, rechtzeitig und richtig festzustellen, wo maßgeschneiderte Systeme verlangt werden, an welcher Stelle Standardlösungen eingesetzt werden können und wie beide Möglichkeiten richtig und wirtschaftlich zu verknüpfen sind.

Dazu vier kurze Beispiele:

- Bei kundenbezogener Einzel- und Kleinserienfertigung y stehen meistens Kundenauftragsbearbeitung, Fertigungssteuerung, Produktionsprogrammplanung sowie Stücklisten und Arbeitsplanverwaltung im Vordergrund. Für ein breites Produktionsprogramm mit komplexen Stücklisten ist der Einsatz von Standardsoftware dann normalerweise schwierig.

- Für lagerbezogene Serienfertigung sollten Absatzplanung, Produktionsplanung sowie Fertigwarenbestandsplanung und -kontrolle vorrangig gelöst werden. Zumindest teilweise kann hierbei - mit Ausnahme für die Absatzplanung - Standardsoftware eingesetzt werden.

- Bei lagerbezogener Massenfertigung stehen ebenfalls Absatzplanung, Produktionsplanung und Fertigwarenbestands-Management im Vordergrund.

Durch den hohen technischen Integrationsgrad der Montage - Konfektionierungslinien werden viele Detailplanungsprobleme der Fertigungssteuerung von selbst gelöst. Deshalb hat zum Beispiel Kapazitätsplanung eine relativ untergeordnete Bedeutung im Vergleich zu einer kundenauftragsbezogenen Produktionsform, die eine detaillierte Kapazitätsplanung und -kontrolle für jeden Arbeitsfortschritt (pro Maschine /Maschinengruppe) bei Berücksichtigung eines geänderten Produktionsmixes auf die Kapazitätsauslastung erfordert.

- Kundenbezogene Einzelfertigung und lagerbezogene Serienfertigung können sich in einer Fabrik auch überlagern. In diesen Fällen entstehen für den Systemplaner besondere Konflikte aufgrund unterschiedlicher Anforderungen. Werden Vorteile nur für eine Sortimentsgruppe erreicht, so erweist sich das automatisch zum Nachteil für andere Produktlinien.

Zu 2) Die Haupthindernisse vor dem erfolgreichen EDV-Einsatz in Fertigungsunternehmen sind:

- schlechte Koordination innerhalb der Fertigung und Materialwirtschaft sowie zu anderen Bereichen

- mangelhafte Informationsbasis bezüglich der benötigten Daten

- unzureichende Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter.

Wichtige Zielsetzungen für die Produktionsplanung und -steuerung, wie zum Beispiel hoher Kundenservice, Produktionsplaneinhaltung, Bestandsreduzierung, Reduzierung der Produktionskosten bei angemessener Qualität etc., stehen häufig im Widerspruch zueinander. Deshalb ist es notwendig, daß Aufgaben, die unbedingt zur richtigen Zielerreichung gelöst werden müssen, innerhalb der Fertigung und Materialwirtschaft sowie mit den angrenzenden Bereichen richtig koordiniert werden. Diese gemeinsame Orientierung ist erforderlich, wenn zum Beispiel

- der Vertrieb den Kundenservice erhöhen will, andererseits aber die Reduzierung der Fertigwarenbestände gefordert wird

- der Einkauf den Vorteil von Mengenrabatten ausnutzen will, dadurch jedoch die Materialbestände wesentlich erhöht werden

- die Senkung der Materialbestände gefordert wird, andererseits jedoch die rechtzeitige und richtige Bereitstellung von Lieferanten nicht sichergestellt ist

- zur Reduzierung der Produktionsrüstkosten größere Fertigungslosgrößen gewünscht werden, diese aber wiederum die Materialbestände erhöhen

- zur Erhöhung der Produktionsflexibilität von der Produktionsabteilung der Fertigungsplan zeitlich vorgezogen wird und als logische Konsequenz damit auch die Bereitstellung der Materialien und Teile früher erfolgen muß, was dann jedoch wieder zur Konsequenz hat, daß die Materialbestände erhöht werden

- die Anzahl der Außenläger verringert werden soll, um die Fertigwarenbestände zu reduzieren und den Lagerumschlag zu erhöhen; was andererseits jedoch durch längere Lieferzeiten an Kunden, den Kundenservice beeinträchtigen kann.

Der Mangel an aktuellen und richtigen Informationen bezüglich der benötigten Basisdaten kann nur durch die nachhaltige Behebung von Engpässen und Schwachstellen mit Hilfe eines systemorientierten Ansatzes -etwa nach folgendem Muster- gelöst werden:

- prozeßorientierte Integration der Funktionen Kundenauftragsbearbeitung, Bestandsmanagement, Fertigungssteuerung und Beschaffung vom Markt her betrachtet (horizontale Integration der Abläufe)

- systembezogene Integration der Steuerungs-, Dispositions- und Planungsebenen in Form mehrerer abgestimmter Regelkreise vertikale Integration der Systemebenen)

- richtige und aktuelle Daten

Als große Fallgrube erweist sich in der Praxis die fehlende Integration zwischen Materialfluß / Produktionssteuerung zu den übergeordneten Ebenen der Disposition und Planung.

Fortschrittliche Materialfluß- und Produktionssteuerungssysteme liefern jedoch automatisch die aktuellen und richtigen Daten, welche vom Planungs- und Dispositionssystem benötigt werden.

Nicht mit schmalspuriger Auswahl verwechseln

Die Genauigkeit und Aktualität dieser Feedback-Information ist ausschlaggebend für die Güte jedes Produktionsplanungs- und Steuerungssystems. Wenn der Gesamtprozeß als Regelkreis oder besser als ein System überlagerter Regelkreise verstanden wird, dann ist dafür die wesentliche Voraussetzung gegeben.

Unbedingt erforderlich ist es auch, daß Informationen, die den Material- und Warenfluß auslösen beziehungsweise dessen Auswirkungen (Bestände kontrollieren) in Ordnung sind.

Dazu gehören zum Beispiel Kunden-; Bestell-, oder Produktionsaufträge, Lagerbestandsdaten sowie wichtige Basisdaten (Stücklisten, Arbeitspläne etc.),

Systemorientierte Planung - nicht zu verwechseln mit schmalspuriger Auswahl und Einsatz modernster Hard- und Softwaretechnologie - wird als eine wesentliche Voraussetzung zur Vermeidung folgenschwerer Pannen angesehen. Deshalb ist die Förderung systemorientierten Denkens ohne technokratischen Übereifer ein wichtiges Ausbildungsziel auch im EDV-/Organisationsbereich. Dies gilt insbesondere, da der rasant technische Fortschritt bei EDV-Hardware und -Peripherie neue Lösungen in mehreren Teilbereichen bei integrierter Betrachtung beflügelt:

- Kunden- und Produktionsauftragsverfolgung von der Auftragserteilung bis zur Auslieferung

- Materialflußsteuerung und Lagerhaltung

- Dezentrale Fertigungsplanung und -disposition durch mehrfachgenutzte Personal Computer (Workstation).

Zu 3) Fallgruben zwischen Wunsch und Wirklichkeit behindern bekanntlich das schnelle Erreichen des Erfolgs.

Die marktbezogene systemorientierte Planung und Realisierung ist die wichtigste Basis für vernünftiges Funktionieren eines solchen Systems. Wichtigste Voraussetzung dabei ist die prozeßorientierte, integrierte Betrachtung des Material- und Informationsflusses vom Kunden durch das Unternehmen, von Auftragsbearbeitung über Bestandsmanagement und Fertigungssteuerung bis zur Beschaffung.

Dieses Vorgehen bei der Realisierung setzt voraus, daß zu Projektbeginn ein Gesamtplan und Sollkonzept für alle Teilsysteme entwickelt wird. Nur so kann sichergestellt werden, daß systemtechnische Auswirkungen auf vor- und nachgelagerte Unternehmensfunktionen richtig erkannt und beachtet werden.

Für den erfolgreichen Einsatz umfangreicher EDV-technischer Neuerungen in Anwendungsbereichen ergeben sich vier Thesen:

1. These:

Prozeßorientierte Integration des Informations-, Material- und Warenflusses

Die Orientierung an den natürlichen Abläufen der betrieblichen Vorgänge unter Berücksichtigung wichtiger Zusammenhänge, zum Beispiel zwischen Auftragserfassung und -bearbeitung sowie Fertigproduktbestandskontrolle und -disposition, muß eingehalten werden. Geschieht dies nicht, da zum Beispiel die ordnungsgemäße Bestandsführung nicht mit der notwendigen Disziplin geplant und eingehalten wird, so nützt das beste EDV-System nichts.

Gerade für die richtige Steuerung und Kontrolle des Material- und Informationsflusses können dezentrale EDV-Systeme in Fertigung und Lager gute Ergebnisse bringen, insbesondere wenn Teile des Materialflusses automatisiert sind. Solche Lösungen können Schnittstellenprobleme verursachen, wenn anschließend auf dem zentralen Rechner ein Standardsoftwareprodukt realisiert werden soll, welches alle drei Systemebenen (Planung, Disposition und Steuerung) abdeckt.

2. These:

Richtige Steuerung und Analyse durch Kennzahlen

Nach der Inbetriebnahme und bei dem laufenden Einsatz des EDV-Systems werden aktuelle Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten in den Anwendungsbereichen deutlich. Dafür gilt es geeignete Kennzahlen vorzusehen und zu realisieren, zum Beispiel Durchlaufzeiten in der Fertigung, Bestandsreichweiten für Rohmaterialien und Halbfabrikate sowie Fertigprodukte, Bestandsverfügbarkeit für Fertigprodukte sowie ABC-Analysen innerhalb von Sortimenten oder Reichweite des Kundenauftragsbestands. Gerade integrierte online EDV-Systeme bieten hier für Fertigungsunternehmen neue Möglichkeiten für die schnellere Anpassung an neue Umfeldbedingungen, wenn die Informationen zielgerichtet und zeitnah für das Management verdichtet werden.

3. These:

Qualifikation der Anwender durch Information und Motivation

Die Komplexität online und realtime-orientierter EDV-Systeme in der Fertigung scheint aus der Sicht potentieller Anwender häufig unüberwindbar hoch. Hardwareinstallation, Softwareerstellung und deren Pflege sind nur Teilprobleme. Entscheidend für den Erfolg oder Mißerfolg dieser Projekte ist die richtige und rechtzeitige Anpassung der Organisationsstruktur und der notwendige Wandel der Aufbauorganisation.

Werden die Anwender über die Notwendigkeit neuer Systeme weder informiert noch davon richtig überzeugt, so sind sie zwangsläufig überfordert und frustriert. Deshalb ist Hilfestellung von übergeordneter Stelle notwendig, die in erster Linie die abteilungs- und bereichsübergreifenden Probleme beherrscht und außerdem Möglichkeiten und Grenzen des Hard- und Softwareeinsatzes kennt.

Für das Gelingen solcher Neuerungen ist es nötig, Vor- und Nachteile nicht nur aus der Sicht der eigenen Abteilungsverantwortung zu sehen. So kann zum Beispiel eine bestimmte Transaktion im Bereich Lager und Versand für die ordnungsgemäße Bestandsführung unabdingbar sein, aber gleichzeitig die Abwicklung der Kundenauftragsbearbeitung behindern. Das darf dann nicht dazu führen, daß diese Abteilung die neue EDV-Lösung blockiert.

Werden die potentiellen Anwender nicht über die wirkliche n Risiken der Neuerungen richtig informiert, so schätzen die Benutzer solche Untiefen zwangsläufig bedeutend riskanter ein.

Von Schlüsselpositionen in Anwendungsbereichen muß man jedoch auch erwarten, daß sie bereit sind, neue Kenntnisse und Erfahrungen zu erwerben.

4. These:

Strategie der Veränderung anstatt Verwaltung

Die Integration neuer EDV-Technologien zu einem Kommunikations-Netzwerk, das den beteiligten Bereichen den permanenten Zugriff auf richtige und aktuelle Informationen garantiert, wird zum Rückgrat für effiziente Planung und Steuerung durch das Management.

Steigender Wettbewerbsdruck und die Notwendigkeit zu Reformen sind auslösende Faktoren für die umfassenden Neuerungen.