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20.05.1983 - 

Bei der Bestandsaufnahme nicht die Wirklichkeit verschleiern:

Fehlendes Konzept läßt CAD scheitern

Über ein ausgeprägtes Fingerpitzengefühl für das Machbare sollte der Anwender verfügen, der sich mit CAD einlassen und diese Technik sinnvoll nutzen will. Detailliertes technisches und organisatorisches Wissen ist zwar notwendig, reicht aber allein nicht aus. Walter Haüber, geschäftsführender Gesellschafter der ACR Unternehmensberatung, Göppingen, gibt Tips, wie CAD zu einem Genuß ohne Reue werden kann.

Wenn vom CAD-Einsatz die Rede ist, nennen die Anbieter in aller Regel folgende Vorteile, die erreicht werden sollen:

- geringerer Zeitaufwand bei Neu-, Änderungs-und Variantenkonstruktion;

- Automatisierung von Routinevorgängen;

- geringere Durchlaufzeiten und schnellere Angebotserstellung;

- verbesserte Planung durch fehlerfreie Fertigungsunterlagen;

- bessere Möglichkeiten zur Bearbeitung von Alternativen;

- automatische Erstellung von Stücklisten und Fertigungsunterlagen;

- Standardisierung des Teilespektrums;

- Normungseffekte;

- Verbesserung der Zeichnungsqualität;

- kürzere Durchlaufzeit von Aufträgen.

Meist läßt sich aber CAD nur dann erfolgreich einsetzen, wenn die Problemstellung zuvor sorgfältig analysiert sowie Zielsetzung und Vorgehensweise eindeutig definiert wurden. Ferner muß eine langfristige Planung und Überwachung gewährleistet sein.

Die Projektphasen bei der Einführung von CAD entsprechen weitgehend denen der Implementierung eines DV-Systems:

- Projektvorbereitung

- Analyse

- Konzeption

- Realisierung

- Projektabnahme

- Projektvorbereitung

Ziel der Projektvorbereitung ist die Beschaffung von

Informationen sowie eine Abklärung der Sachverhalte. Damit soll eine Entscheidung darüber möglich werden, welche weiteren Stufen und Phasen in der Projektbearbeitung abzuwickeln sind.

Nach der Projekteröffnung muß zunächst eine Arbeitsgruppe gebildet und deren Leiter bestimmt werden. Sind die Verantwortlichkeiten und die Art und Weise der Berichterstattung eindeutig festgelegt, so ist der nächste Schritt die Formulierung der Projektaufgabe (Arbeitskurztitel, Aufgabenbeschreibung, Veranlassung, Ziel, interne und externe Auswirkungen, Zeit-und Kostenschätzung).

In diesem Stadium können sich Probleme durch eine falsche Konzeption der Zielgruppe sowie schlechte Arbeitsbedingungen ergeben. Auch unzureichende Aufgaben-und Zielbeschreibungen wirken sich projekthemmend aus.

- Analyse

Der Phase der Projektvorbereitung sollte die Analyse folgen, die der Erstellung einer umfassenden Bestandsaufnahme der Betriebsabläufe dient soweit sie grafische Informationen erzeugen oder verarbeiten.

Dieses Ziel kann in folgenden Schritten erreicht werden:

- Aufnahme des Firmenprofils (Aufgabenstellung; Gliederung);

- Aufnahme der Abteilungsprofile (Aufgabenstellung; Gliederung; Funktionen);

- Aufnahme der Funktionen (allgemeine Beschreibung; Informationsbeschaffung; Informationsverarbeitung; Informationsweitergabe; sonstiges);

- Aufnahme des Zeichnungsspektrums (Klassifizierung nach Funktionen, Inhalt, Wiederholteilen; Häufigkeitsverteilung);

- Aufnahme des Teilespektrums (Klassifizierung der Wiederholteile; Häufigkeitsverteilung);

- Aufnahme der Randbedingungen (Hilfsmittel; Schnittstellen);

- Entscheidung.

In diesem Projektstadium ist darauf zu achten, daß keine Abteilung oder Funktion von dieser Bestandsaufnahme ausgenommen bleibt, daß Sachinformationen und ungünstige Zustände nicht aus firmenpolitischen Gründen verfälscht und verschleiert werden.

- Konzeption

Als nächstes muß mittels einer Konzeption ein langfristig tragfähiger Lösungsvorschlag für den Einsatz von CAD erstellt werden, der alle betriebsspezifischen Belange bereichsübergreifend berücksichtigt.

Stufenplan (Auswahl eines geeigneten Konstruktionsbereichs, Auswahl geeigneter Mitarbeiter, Grob-Terminplanunga, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen) und Pflichtenheft (grundsätzliche Problemstellung und Zielsetzung, Anforderungen an ein zukünftiges CAD-System, weiteres Vorgehen und Termine, Beispiele für Demonstration und Test) sind in diesem Zusammenhang ebenso von Bedeutung wie ein Grobentwurf von Datenstruktur und-organisation. Ferner ist eine vonständige Information der zukünftigen Anwender und Verantwortlichen, des Betriebsrats und aller betroffenen Abteilungen unumgänglich.

Als hinderlich erweisen sich in diesem Zusammenhang oft eine mangelhafte Planung der einzelnen CAD-Einführungsstufen, eine ungeeignete Aufgabenstellung für die Pilotanwendung, unzureichende Dokumentation sowie das Fehlen von innerbetrieblicher Kommunikation und Information.

- Realisierung

Konnten alle bisherigen Entwicklungsstufen erfolgreich abgeschlossen werden, so steht der Einführung des Arbeitsmittels CAD in die tägliche Betriebspraxis nichts mehr im Wege. Besondere Bedeutung kommt hierbei der Auswahl geeigneter Mitarbeiter und deren sorgfältiger Ausbildung zu; auch ergonomische Aspekte sind nicht zu unterschätzen.

Um eine sinnvolle Systemauswahl zu treffen, müssen die Pflichtenhefte ausgewertet werden. Die Vorauswahl erfolgt hierbei nach gewichteten Kriterien, die Endentscheidung kann erst nach Einholung weitergehender Informationen und Demonstration fallen, die auch einen gründlichen Test beinhalten sollten.

Sind alle Vorbereitungen getroffen, so steht der Piloteinsatz bevor: Nach Installation und Aufbereitung des CAD-Systems müssen die Erstanwender geschult werden. Unerläßlich sind die Abspeicherung des Mindestbestandes an grafischen Symbolen, Teilen, Baugruppen und spezifischen Funktionen, sowie die Maßnahmen zum Sichern und Verwalten von Dateien.

Um dem Anwender eine projektbegleitende Unterstützung zu gewährleisten, ist eine spezielle Benutzerdokumentation dringend anzuraten.

An dieser Stelle zeigt es sich nun endgültig, ob die Auswahl des Systems objektiv und mit der notwendigen Sorgfalt durchgeführt wurde. Ferner stellt sich heraus, ob die Schnittstellenpolitik eine ihr gebührende Beachtung fand. Halbherzige Einführungsmaßnahmen und das Fehlen eines Gesamtkonzepts verurteilen jede CAD-Anwendung zum Scheitern.

- Projektabnahme

Als letzter Schritt verbleibt nun noch die Projektabnahme. Ihr Ziel ist es, den Status der bisherigen Ma(...)nahmen eindeutig festzuhalten und so einen definierten Zustand herzustellen.

Hier ist es erforderlich, nicht nur nach Abschluß des Gesamtprojekts, sondern auch aller wesentlichen Abschnitte, eine Projektabnahme durchzuführen (Statusbericht).