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09.02.2001 - 

Content-Management/Content-Management-Systeme - Grundlagentechnik für E-Commerce

Fehler bei der CMS-Auswahl kommen die Anwender teuer zu stehen

Die Zahl der Internet-, Intranet- und Extranet-Seiten wächst explosionsartig. Die Verwaltung der Inhalte wird zu einer zentralen Herausforderung des Informationszeitalters. Web-Content-Management Systeme (WCMS) sollen den Unternehmen helfen, diese Aufgabe möglichst effizient zu meistern. Doch der Markt ist unübersichtlich und ständig in Bewegung, was die Auswahl des passenden Systems erschwert, wie Uwe Küll* festgestellt hat.

Content-Management (CM) betrifft alle, die auf den E-Commerce-Zug aufspringen wollen. Und die Zahl dieser "unfreiwilligen" Content-Anbieter wächst weiter. Es wird also höchste Zeit, Content-Lösungen in E-Business-Strategien einzubeziehen. Online-Händler in den USA sehen diese Notwendigkeit bereits, wie eine Untersuchung von Forrester Research zeigt. Bei der Befragung von 52 Händlern stellte ein Team des Marktforschungsunternehmens fest, dass etwa 80 Prozent der Händler das Thema Content ganz oben auf ihrer Prioritätenliste haben und dafür durchschnittlich 1,7 Millionen Dollar pro Jahr ausgeben.

Zwar setzen bislang 88 Prozent auf selbst entwickelte Content-Management-Systeme (CMS), aber immerhin 37 Prozent davon planen bereits, diese durch eine Lösung von der Stange zu ersetzen. Dabei sind die enormen Kosten für Eigenentwicklungen offensichtlich nicht der einzige Grund für die Umsteigewilligen. Kritisiert wird vor allem die mangelnde Flexibilität der bestehenden Individualentwicklungen. Mit den zur Verfügung stehenden Werkzeugen sehen sich viele Händler nicht in der Lage, professionelles Content-Management zu betreiben. Und Fehler kosten Geld: Forrester führt als Beispiel Buy. com an, ein amerikanisches Unternehmen, das versehentlich einen 544 Dollar teuren Monitor mit 164 Dollar auswies. Der direkte finanzielle Schaden ließ sich zwar begrenzen, indem das Unternehmen nur 140 aus der Flut von 1600 Bestellungen annahm, doch der Imageschaden in der Gruppe der abgewiesenen Besteller dürfte nicht so leicht zu reparieren sein. Neben Vorfällen wie diesem erscheinen fehlende Bilder oder tote Links als Bagatellen, doch sie können ebenfalls große unerwünschte Wirkungen entfalten.

Wer sich für den Kauf eines WCMS entscheidet, um derartige Fehler zu vermeiden, hat die Qual der Wahl: Mehr als 50 Produkte nennt etwa eine Studie vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (siehe Kasten auf Seite 60) und verzichtet dabei noch - ebenso wie die Studie vonWCM Online - auf die Nennung des Produkts "Teamsite" von Interwoven. Dies ist ein US-Anbieter, dem die Forrester-Experten in ihrer Untersuchung Marktführerschaft bescheinigen und der immerhin Cisco als Referenz vorweisen kann. Da stellt sich die Frage: Was wird hier gezählt - und verglichen?

Das uneinheitliche Bild verwundert umso mehr, als man sich über die grundlegenden Anforderungen an Content-Management-Systeme weitgehend einig ist. Klaus Rapf, Leiter der Studie "Content-Management-Systeme im Test" von Coco Software Engineering, erklärt: "Unter Content-Management (CM) beziehungsweise Web-Content-Management (WCM) versteht man die Erstellung, Verwaltung und Veröffentlichung von Daten und Metadaten eines Unternehmens mittels Web-Technologie. Content-Management-Systeme sind Softwareprodukte, die diese Vorgänge unter Berücksichtigung des Content-Life-Cycle unterstützen." Als zentrale Eigenschaften nennt er zunächst die Trennung von Inhalt, Struktur und Layout: Die Daten müssen zusätzlich mit Metadaten versehen werden, damit sich die Daten getrennt von den eigentlichen Inhalten präsentieren lassen. Dabei kommen Templates zur Anwendung, die Platzhalter für die zu veröffentlichenden Daten enthalten und je nach Ausgabemedium und Objekttyp unterschiedlich gestaltet werden können. Auch die Verwendung von XML ist Voraussetzung für ein modernes CMS. Zumindest der Import und Export von XML-Daten muss problemlos möglich sein.

Ein weiterer Aspekt ist der Workflow, die vollständige Unterstützung des Content-Life-Cycle von der Erstellung über Kontrolle, Freigabe und Publikation bis zur Archivierung. Ebenso wichtig ist eine Benutzerverwaltung, die das Management von Zugriffsrechten auf bestimmte Objekte, Pfade, Templates sowie Operationsrechten auf die Durchführung bestimmter Operationen, wie etwa Freigaben, ermöglicht. Unabdingbar ist schließlich auch die Systemoffenheit: Moderne CMS sollten möglichst plattformunabhängig sein - und zwar sowohl auf Client- als auch auf Server-, Datenbank- und Web-Server-Ebene. Ferner bieten sie Möglichkeiten zur Integration anderer Systeme sowie zur Erweiterung der Funktionalität mit Hilfe von APIs (Advanced Programming Interfaces), Scriptsprachen und Unterstützung von Standards wie ICE (Information and Content Exchange) oder ODBC (Open Database Connectivity).

Trotz dieser Gemeinsamkeiten weisen die Produkte teilweise erhebliche Unterschiede auf, am augenfälligsten beim Preis: So sind etwa die Angebote von Gauss oder MKS bereits ab 35000 Mark zu haben, Vignette hingegen knüpft seinen Kunden mindestens 120000 Mark ab - nur für die Software.

Technische Unterschiede zwischen den Systemen gibt es beispielsweise im Bereich der XML-Unterstützung: Einige Produkte bieten sie nur für Im- und Export-Schnittstellen, bei anderen (etwa Vignette) fungiert XML auch intern als Datenformat. Eine Differenz, deren praktische Relevanz der Leipziger Content-Management-Experte Oliver Zschau, Autor des Buches "Web Content Management Systeme" und Betreiber der Website contentmanager.de, so erläutert: "XML als Datenformat innerhalb eines WCMS ist zukunfts- und investitionssicherer als proprietäre Formate, die nur innerhalb des WCMS gültig sind."

Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten transparent zu machen, untersucht die Coco-Studie CMS-Produkte anhand von 70 Einzelkriterien. Allgemeines über Unternehmen, Produkt und Marktposition wird ebenso einbezogen wie die Kosten oder Fragen zu unterstützten Plattformen und Technologien. Für die Beurteilung der Funktionalität untersuchte das Team die Leistung der Systeme in den Bereichen Workflow und Approval, Sicherheitsfunktionen wie User- und Access-Management sowie Con-tentverwaltung und -generierung (Asset Management, Import/Export, Publishing, CRM-Plattform).

Um eine Vergleichbarkeit der Produkte zu ermöglichen, wurde eine idealtypische Gewichtung der Kriterien zugrunde gelegt: Die Systeme sollen geeignet sein, allgemeine Anforderungen an Content-Management abzudecken, wie sie in großen Internet-/Intranet- und Extranet-Projekten in Industrie und Verwaltung entstehen. In der 2000 veröffentlichten Studie waren das nur "VIP Content Manager" von Gauss Teamsite, "Web Integrity" von MKS und Infoparks "NPS". Sie hatten sich im Test gegen "Dynabase" von Inso (E-Business Technologies), Oracles "Web DB" und Interwovens "Teamsite" durchgesetzt. In der Praxis, so betont Rapf, sei die Gewichtung der Kriterien immer von den spezifischen Zielen abhängig. Von daher ist eine allgemeingültige Bewertung der Lösungen kaum möglich. Derzeit arbeitet der Wiener mit seiner Crew an einer Neuauflage der Studie.

Schwächen diagnostizierten die Spezialisten diesmal vor allem bei der geforderten Systemoffenheit. Diese äußern sich meist in mangelnder Unterstützung für Plattformen, Datenbanken, Standards und dem Fehlen von dokumentierten Schnittstellen oder von Möglichkeiten für Content Syndication.

Während die Coco-Experten prüfen, testen und bewerten, wächst das Angebot weiter. So meldet beispielsweise Interwoven die Verfügbarkeit von "Content Express". Das Produkt basiert auf Microsofts "Commerce Server 2000" und ist vor allem als Einstiegslösung für einfaches Erstellen und Publizieren von Web-Content gedacht. Bei Ausweitung ihrer Web-Aktivitäten sollen die Anwender ihr System mit Teamsite upgraden können.

Zu den weiteren Neulingen auf dem deutschen Markt zählen "Mediasurface" des gleichnamigen englischen Herstellers und eine Unisys-Lösung, die aus den Modulen "CMS" und "Page Server" besteht. Auch IBM sieht dem Treiben nicht tatenlos zu: Längst hat Big Blue ein eigenes, rein XML-basierendes WCMS angekündigt.

Was die künftige Marktentwicklung betrifft, prophezeit Klaus Rapf: "Der Markt entwickelt sich immer mehr in Richtung umfassender Gesamtlösungen. Dabei besteht die Gefahr, dass die Systeme mit zahlreichen Features überfrachtet werden, obwohl einige grundlegende Funktionalitäten durchaus noch verbesserungswürdig wären. Ähnlich wie die viel zitierte ,Featuritis'' von Office-Produkten."

*Uwe Küll ist Mitarbeiter der COMPUTERWOCHE.

Linkszum Thema Content-Managementwww.contentmanager.de

www.cmforum.de

www.coco.co.at

An ihren Stärken sollt ihr sie erkennenImmer mehr Produkte werden unter dem Label "Web Content Management System" angeboten. Im Kampf um Marktanteile gleichen sich die Versprechen der Marketiers der Hersteller einander an. Coco-Geschäftsführer Klaus Rapf gibt mit seiner Kategorisierung von WCMS-Produkten eine erste Orientierungshilfe.

WCMS klassisch/LifeCycle

Funktionen: Basisfunktionen zur Verwaltung von Web-spezifischen Assets, Prozess von Erstellung der Web-Seiten bis zur Veröffentlichung.

Beispiele: Gauss VIP Content Manager, Infopark NPS, Interwoven Teamsite

DMS (Document Management System)/Intranet-Lösung

Funktionen: Publizieren, Sharen und Lesen von Dokumenten; Vergeben und Verwalten von Berechtigungen und Rollen für diese Funktionen; Bildung von Projekträumen und geschlossenen Gruppen; weniger für Verwaltung von beliebigen Web-Assets. Basis-Template-Funktionen, Basis-Workflow und Suchfunktionalität vorhanden.

Beispiele: Documentum, FileNet Panagon, Opentext Livelink

Portalsystem

Funktionen: Registrieren und Verwaltung von Usern und deren Profilen; Personalisierung von vorhandenem Content; Basisfunktionen für Authoring und Publishing; diverse Web- und Legacy-Applikationen können eingebunden werden, Tools für die Auswertung von Anwenderverhalten.

Beispiele: 2Bridge 2 Share, Plumtree

Redaktionssystem

Funktionen: Authoring und Publishing von standardisierten Artikeln, News und Publikationen; Klassifikation/Priorisierung etwa nach Kategorien, Aktualität; Templates, Workflow, Rollen und Deployment sind auf die Produktion von elektronischen Medien ausgerichtet.

Beispiele: Day Communique, Klahold InterRed

Technisches Redaktionssystem

Funktionen: Verwaltung von großen technischen Publikationen in XML- und SGML-Format; oft in einer OO-Datenbank, erlaubt flexible Beschreibung der Metadaten; Versionsverwaltung; Workflow; Abbildung von Beziehungen zwischen Teilen der Dokumente; Generierung von Gesamtdokumenten.

Beispiele: Schematext, Poet CMS

Community-System

Funktionen: Community-Features wie Chat, Newsgroups, kollaborative Filter und E-Mail-Integration; Publizieren von Beiträgen; Gruppenbereiche; Bildung von User-Communities, User-Registration.

Beispiele: WebFair Community Engine, Cassiopeia Business Community

Configuration-Management-System

Funktionen: Verwaltung von beliebigen Datentypen in einem vorwiegend File-orientierten System; geeignet für professionelle Teamarbeit in Umgebungen; auf Softwareentwicklung orientiert: Versionsverwaltung, Workflow, Paketierung, Verteilung und Teamarbeit.

Beispiele: Continuus WebSynergy, MKS WebIntegrity, Merant PVCS, Starbase Starteam

XML-Server

Funktionen: XML, HTML, Office und andere Datentypen in OO-Datenbank; Konvertierung/Import in XML-Format; Integration von XML-Editoren; Bearbeitung und Publikation von XML-Daten im HTML-Format.

Beispiele: Software AG Tamino, Excelon

Plattform

Funktionen: komplette WCMS-Funktionalität; offen gelegte APIs und Module, zum Beispiel Java- und C++-Klassen, JSPs, Scripts und Ähnliches, für die Entwicklung zusätzlicher Funktionalität und Einbindung von Fremdsystemen.

Beispiele: Broadvision One to One, Vignette V/5, ATG Dynamo

WCM-Studien"WCM - Web Content Management", Hersteller und Dienstleister von Content-Management-Lösungen, Herausgeber: WCM Online, 4. Auflage 2000, 682 Seiten, 1800 Mark. Die Studie führt ausschließlich Herstellerangaben zu 48 Produkten an. Dafür bietet sie einen Briefing-Leitfaden für Anwender sowie allgemeine Informationen zur Beurteilung und Auswahl von CM-Systemen.

"Content-Management-Systeme im Test", Herausgeber: Coco Software Engineering, 2000, 109 Seiten, 990 Euro. Die Studie untersucht und bewertet 22 Systeme auf Basis von Herstellerangaben und Referenzen. Sechs Produkte wurden für eine Testinstallation ausgewählt, von diesen werden drei für die Pilotierung empfohlen. Eine Neuauflage der Studie ist in Arbeit.

"Content Management Systeme", Auswahlstrategien, Architekturen und Produkte, Herausgeber: Hans-Jörg Bullinger (Fraunhofer-Institut Arbeitswirtschaft und Organisation), 139 Seiten, 280 Mark. Allgemeine Erläuterungen der Funktionsweise von CMS und zur Integration der Systeme in die Unternehmens-IT, die Darstellung einer methodischen Vorgehensweise bei der Auswahl von CMS sowie ein Beispielpflichtenheft ergänzen die tabellarische Übersicht der Produkte und die Herstellerangaben zu 57 Produkten.

Abb: Content bringt E-Commerce in Schwung. Quelle: Forrester Research