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06.09.1991 - 

Temperaturprobleme bei 486-Prozessor

Fehlerhafte Intel-CPU bringt PC-Hersteller in Schwierigkeiten

MÜNCHEN (jm) - Nicht viel Glück hat die Intel Corp. mit ihren 486-CPUs: Die Überhitzungsprobleme mit ihrem im Juni 1991 in New York mit viel Rummel präsentierten Flaggschiff, dem mit 50 Megahertz getakteten 486-Prozessor, scheinen so gravierend zu sein, daß Intel seine OEM-Kunden gebeten hat, keine mit diesem Chip ausgerüsteten Systeme an Endanwender auszuliefern. Die Produktion der 486-CPU wurde vorübergehend ausgesetzt.

Bereits bei den ersten 486-Chips im Jahre 1989 kam es zu erheblichen Problemen aufgrund einer Vielzahl aufgetretener Bugs. Compaq unter anderem mußte die Auslieferung seines Server-Modells Systempro immer wieder verschieben. Abhängig von Intel als alleinigem Hersteller der Prozessoren, mußte der texanische PC-Cloner potentielle Kaufinteressenten immer auf einen späteren Lieferzeitpunkt vertrösten.

Erste Hinweise auf temperaturbedingte Probleme bei dem leistungsfähigsten Intel-Chip wurden anläßlich einer Pressekonferenz der Dell Computer GmbH bekannt. Geschäftsführer Michael Peter Ammel mußte das neue Server-Modell "450 SE" mit dem Vorbehalt präsentieren, Intel habe Dell auf die Schwierigkeiten hingewiesen und Mengen-Auslieferungen der CPU nun für das vierte Quartal 1991 avisiert (vergleiche CW Nr. 35 vom 30. August 1991, Seite 32: "Dell liefert neue Rechner...").

Intel-Testverfahren nicht mehr geeignet

Auch Ammel sprach von Überhitzungseffekten, die aber bei den eigenen Rechnern nicht aufgetreten seien: "Wir haben unsere Systeme nach Intels Testparametern durchgeprüft und bislang keine Probleme gewärtigen müssen." Allerdings werde Dell Kunden natürlich über die von Intel berichteten Unzulänglichkeiten bei der 486-CPU aufklären. Nach der COMPUTERWOCHE vorliegenden Informationen scheinen aber die für die Überprüfung der Funktionstüchtigkeit gedachten Intel-Testverfahren für den neuen Prozessor nicht mehr geeignet zu sein. Deshalb schlüpften nach Insider-Berichten fehlerhafte Exemplare durch das Kontrollnetz von Intel und gingen an Kunden.

Problem bei den CPUs: Die Prozessoren heizen sich um 15 Prozent mehr auf, als die Intel-Ingenieure erwartet hatten. Deshalb stürzten PCs nach Informationen von Insidern ab und führten erst nach einer bestimmten Auskühlungsphase einen Systemneustart durch. Nach offiziellen Intel-Vorgaben darf die "ambient temperature", also die Umgebungserwärmung um die CPU, bei Einsatz eines hochleistungsfähigen Lüfters nicht mehr als 78,75 Grad Celsius betragen.

In Deutschland befragte Unternehmen, die auf der PC-Expo in New York Ende Juni anläßlich der Intel-Präsentation des 486-50-Megahertz-Chips Systeme mit dieser CPU präsentierten, wußten mehrheitlich noch nichts von den Temperaturproblemen und waren nach eigenen Aussagen von Intel hierüber auch noch nicht informiert worden.

"Wir haben von Intel bislang nichts gehört. Da es unsere 90er- und 95er-Modelle betreffen würde, sind wir natürlich stark interessiert, hierzu Näheres zu erfahren, aber offiziell sind uns keine Probleme bekannt", äußerte die für Big Blues PC-Produkte zuständige Pressesprecherin Regina Schlender zurückhaltend. Auch bei der Digital Equipment GmbH, deren Corporation auf der US-PC-Messe zwei mit Intels neuester CPU bestückte Rechner zeigte, wußte man noch nichts von den Problemen.

Allerdings schränkte Sprecherin Theresia Wermelskirchen ein, für Europa sei ein Rechner mit dieser CPU ohnehin nicht in der Planung. Sie hält es allerdings für einen "relativ normalen Prozeß", daß Unternehmen Labormodelle unter der Prämisse vorstellen, Intel werde in ein bis drei Monaten in Mengen die Prozessoren liefern: "Wenn Intel dann sagt, wir verzögern, kommen die Produkte halt erst in sechs Monaten."

ALR-Geschäftsführer Michael Whittington blieb zwar gelassen, bemerkte allerdings, daß man ja schon bei der 33-Megahertz-Version Probleme zu überstehen hatte. Wohl deswegen lieferte die deutsche GmbH mit Sitz in Eschborn erste 486-Exemplare mit einem zusätzlichen "kleinen" Lüfter und auf der CPU angebrachten Kühlelementen an Tester aus. Die Frage der COMPUTERWOCHE, ob diese hausgemachte Kühlung auch bei den später an Anwender ausgelieferten Rechnern vorgesehen sei, verneinte Whittington allerdings.

Betroffen von Intels Malaise ist auch Compaq: "Bei uns traten die Überhitzungsprobleme in der Tat auf. Wir haben Intel darüber informiert", berichtet Sprecherin Gisela Gerstl. Bei Compaq hofft man trotzdem, noch im dritten Quartal die Auslieferung des "Deskpro 486/ 50L" in Angriff nehmen zu können.

Auslieferung erst im letzten Quartal

Daraus wird aber wohl nichts. Während Senior Vice-President David House in New York noch das dritte Quartal für die Massenauslieferung der 486-CPU angab, sieht der Zeitplan für Intel nach den Worten von Prozessorentwickler Sharad Ghandi nun das letzte Quartal vor: "Wir haben bereits bei der Vorstellung des Prozessors das vierte Quartal als Zeitraum für die Massenauslieferung genannt."

Die nunmehr auftretenden technologischen Schwierigkeiten bei Intel lassen eine Äußerung von House in neuem Licht erscheinen, die - obwohl so nicht adressiert - gegen den Konkurrenten Advanced Micro Devices (AMD) gerichtet gewesen sein könnte: Er betonte, einen guten Prozessorlieferanten zeichne aus, nicht nur hochentwickelte Technologie zu liefern, sondern diese auch in ausreichenden Stückzahlen verfügbar machen zu können.