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19.03.1982 - 

Pearl-Bildschirmdialogsystem, -Preprozessor und -Fachhochschulkurs:

Fehlerresistent bei Erstellung und Nutzung

DÜSSELDORF (je) - Die Neuigkeiten von der Pearl-Front, über die der Düsseldorfer Pearl-Verein berichtet, umfassen ein universelles Bildschirmdialogsystem, einen Preprozessor für Pearl-Programme sowie gute Erfahrungen mit dieser Sprache als Software-Lehrmittel für studentische Programmieranfänger. Pearl ist die Abkürzung für "Process and Experiment Automation Realtime Language".

Das Bildschirmdialogsystem - entwickelt vom Frankfurter Battelle-Institut - schildert der Verein als deutsches Beispiel dafür, daß Aufträge aus dem Verteidigungssektor immer schon Impulse für Fortschritte auf dem DV-Sektor geliefert haben. Dieses Projekt zur Automatisierung einer Schießplatzanlage ist auf acht Prozeßrechner und 65 Mikroprozessoren ausgelegt und angeblich von einer solchen Universalität daß es auch für völlig anders geartete industrielle und kommerzielle Einsatzgebiete in Betracht kommt.

Schießplatzsystem auch für Industrie und Kommerz

Das System - so der Pearl-Verein - erfüllt die Forderungen nach einfacher Bedienung durch nicht EDV-geschultes Personal, Unempfindlichkeit gegen Fehlbedienung, maskenunterstützter Dialogführung, variabler Zuordnung der Prüf- und Kontrollmöglichkeiten, Änderungsfähigkeit und Übertragbarkeit der Software sowie definierten Schnittstellen zur Datenbank und zu den technischen Prozessen. Das Ergebnis sei ein modulares System von Tasks und Prozeduren zur Erstellung/Implementierung und Wartung von Software, das auf andere Rechner portabel sei, sofern für diese Pearl-Compiler und vergleichbare Terminals wie die in dem Projekt benutzten zur Verfügung stünden.

Der neue Preprozessor für Pearl-Programme wird als Methode beschrieben, mit der im Top-Down-Verfahren aus einem Grobentwurf durch schrittweise Verfeinerung kleine und kleinste Aufgaben einzeln gelöst werden. Davon versprechen sich die Düsseldorfer kürzere Entwicklungszeiten und eine übersichtlichere Dokumentation von Pearl-Programmen.

Feindesign per Preprozessor

Der mit Hilfe des Preprozessors erarbeitete Feinentwurf, erläutert der Pearl-Verein, stelle ein kompilierbares Programm dar, und die Dokumentation der Entwurfsphase sei gleichzeitig die spätere Programmdokumentation. Bei der Entwicklung des Preprozessors ging man von folgendem gedanklichen Ansatz aus (Formulierung des Pearl-Vereins):

Traditionellerweise werden Programmabläufe durch Grafiken (Ablaufpläne, Struktogramme etc.) dargestellt, wenn nicht gleich "frei von der Leber weg programmiert wird. Letzteres kann nicht gutgehen, und ersteres hat den Nachteil, daß es sich schlecht auf das Verfahren der stufenweisen Zergliederung/Verfeinerung anwenden läßt; man muß zuviel zeichnen und vergißt darüber seine guten Ideen. Zeichnet man jedoch nicht alle Zwischenschritte, so findet man den Fehler unter Umständen nicht.

Es empfehle sich andererseits nicht, meinen die Düsseldorfer, einen detaillierten Pseudocode - gewonnen aus einer mittels Kennziffern völlig aufgeschlüsselten Problemstellung - unmittelbar in die Programmiersprache zu übertragen, weil man so die Programmbefehle nicht vergleichen und parallel verfolgen könne; denn der Pseudocode zeige den gedanklichen Weg, die Programmbefehle hingegen die Reihenfolge, wie sie von der Maschine abgearbeitet werden kann.

Besser sei es, wenn man die Zeilen und Abschnitte der Programmiersprache als letzte Stufe der Verfeinerung zwischen den Pseudocode schreibe. Dann brauche man diesen nur noch als Kommentar zu kennzeichnen und die Entwurfszeilen in eine andere Reihenfolge zu bringen, um ein kompilierbares Programm zu erhalten, in dem der Pseudocode als Kommentar steht. Diese Arbeit schließlich sei so einfach, daß dafür der Preprozessor erstellt und eingesetzt werden konnte.

Behaupten die Düsseldorfer: Mit dem Preprozessor lassen sich Pearl-Programme sicherer und um rund 50 Prozent schneller erstellen als über den zeichnerischen Entwurf. Die Arbeit kann beliebig oft unterbrochen werden, ohne den Faden zu verlieren; schwere Programmfehler kommen praktisch nicht mehr vor, und die Gedankengänge des Entwicklers sind im Detail dokumentiert.

Versagerquote zwei Prozent

Hochschullehrer sehen sich auf dem Gebiet der Informationsverarbeitung nach Beobachtung des Pearl-Vereins häufig vor die Frage gestellt, wie ihre Studenten in dem wichtigen Fach "Grundlagen der ADV und Programmiersprachen" schnell und sicher das Lernziel erreichen können - ein anspruchsvolles Lernziel, das darin bestehe, die Komplexität einer Automatisierungsaufgabe von Anfang an zu erfassen und Software als technisches "Werkzeug" zu begreifen, das nach professionellen Gesichtspunkten zu konstruieren ist.

Berichtet wird von gewissen Erfolgen in den siebziger Jahren auf der Basis von Fortran IV - so etwa an der Fachhochschule Bielefeld -, die aber hinsichtlich der Programmstrukturierung Wünsche offenließen. Seit rund einem Jahr nun steht in Bielefeld ein neuer Rechner mit Pearl-Compiler, mit dem die EDV-Anfänger im zweiten und dritten Semester, wie es heißt, sehr gute Erfahrungen machten:

Während im letzten Fortran-orientierten Kurs nur 50 Prozent der Studenten die anschließende Prüfung im ersten Versuch bestanden, seien es bei Pearl unter gleichen Bedingungen 98 Prozent gewesen. Erklärt der Pearl-Verein:

Die Studenten haben mit der Programmstrukturierung keine Probleme mehr und lernen "quasi nebenbei" die Echtzeitverarbeitung kennen. Außerdem sind die Programme besser lesbar geworden; "trickreiche" Programmierung wird erschwert. Und last but not least ist auch die Fehlerhäufigkeit stark zurückgegangen.

Informationen: Pearl-Verein e. V. im VDI-Haus, Graf-Recke-Str. 84, 4000 Düsseldorf, Telefon: 02 11/62 14-547.