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09.09.1994

Fehlertolerante Rechner mit HPs PA-RISC-CPU Stratus will mit neuer Hard- und Software ins Client-Server-Lager

MUENCHEN (wm) - Anfang 1995 plant das amerikanische Unternehmen Stratus Computer Inc. seinen ersten fehlertoleranten Rechner mit PA-RISC-Prozessor zu verkaufen. Die neuen Systeme sollen ihren Weg auch zu neuen Kunden finden - im Markt fuer Client-Server-Systeme.

Im Juni 1992 hatte sich Stratus zu einem strategischen Wechsel entschlossen. Innerhalb von zwei bis drei Jahren sollte der Umstieg auf Hewlett-Packards (HPs) RISC-CPU erfolgen. Der Kurswechsel kam ueberraschend, hatte man doch erst ein Jahr zuvor die XA/R-Rechner mit Intels 860-Prozessor vorgestellt und sich damit von der ersten Systemgeneration XA2000 mit Motorola 68020- Chips verabschiedet.

Kunden, die Anfang 1995 auf die neuen Rechner umsteigen, sollen, laut Stratus, auf wenig Schwierigkeiten stossen: Man werde die Betriebssysteme VOS (Virtual OS) und FTX (Fault Tolerant Unix) anbieten, darunter sollen bestehende Programme nach einer Neucompilierung lauffaehig sein. Der Umstieg muss aber nicht sofort erfolgen, weil Stratus zunaechst noch die XA/R-Systeme und ihre Nachfolger parallel vermarkten wird.

Was werden die PA-RISC-Rechner von Stratus bieten? Fest steht heute, dass die Rechner mehr als sechs Prozessoren enthalten koennen, anders als die heute erhaeltlichen XA/R-Systeme. Der englische Brancheninformationsdienst "Computergram" mutmasst, dass Stratus wahrscheinlich nicht ins massiv-parallele Lager wechseln wird, wo Hunderte von Prozessoren verwendet werden. Stratus wird die CPUs eng koppeln und mit eigenem Arbeitsspeicher ausstatten. Fehlertoleranz garantiert der doppelt ausgelegte Speicher.

Neues wird Stratus voraussichtlich im Bereich der Software bieten. Als Joker koennte sich Netware fuer FTX erweisen, mit dem fehlertolerante Netware-Server vermarktet werden koennen. Hinzu kommt die Software von jenen zwei Unternehmen, die Firmenchef Gary Haroian im letzten Jahr aufgekauft hat: Im Oktober 1993 wurde Bellsouth Systems uebernommen, das heute unter dem Namen Softcom Systems firmiert. Im Dezember folgte Isis Distributions Systems, ein Hersteller von Kommunikationssoftware. Mit TCAM Systems hat Stratus bisher nur eine Absichtserklaerung unterzeichnet, doch die Uebernahme scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Die Millionen-Dollar-Einkaufstour soll das Unternehmen weniger abhaengig vom Hardware-Geschaeft machen, das allein nicht mehr genug Profit abwirft. "Computergram" sieht heute nur noch wenig Chancen fuer eine Firma, die ausschliesslich fehlertolerante Rechner anbietet. Die Kunden suchten Loesungen im Bereich Netzmanagement oder verteilter Verarbeitung. Gewaenne Stratus in diesem Bereich neue Anwender, so liesse sich der derzeitige Hoehenflug wohl fortsetzen: In der soeben abgeschlossenen ersten Haelfte des Geschaeftsjahres stieg der Umsatz - auch bedingt durch die Firmeneinkaeufe - um 17,2 Prozent auf 279,8 Millionen Dollar, der Gewinn betrug 28,8 Millionen Dollar und damit 28,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Ein langfristiger Aufschwung bekaeme Stratus gut, nachdem im Laufe des vergangenen Jahres etwa 200 Mitarbeiter entlassen werden mussten. Die Gruende dafuer lagen fast ausschliesslich im nachlassenden OEM-Geschaeft. 1993 trug der Absatz ueber IBM- Vertriebskanaele mit ganzen sechs Prozent zum Umsatz von 513 Millionen Dollar bei, 1989 waren auf diesem Weg noch 41 Prozent des Umsatzes erzielt worden. Heute verkaufen nur noch Olivetti und NEC in nennenswertem Umfang Stratus-Rechner. Marktbeobachte schliessen nicht aus, dass HP die zukuenftigen Stratus-Rechner in den eigenen Vertrieb aufnehmen und sich von Sequioa Systems, dem bisherigen Lieferanten fuer fehlertolerante Rechner, trennen wird.

Ein neues finanzielles Polster waere schliesslich ein guter Schutz gegen die haerter werdende Konkurrenz: Erzrivale Tandem weist zur Zeit gute Umsaetze und Gewinne aus und koennte sich davon zu Preissenkungen hinreissen lassen.