Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

17.03.1978

Fernverarbeitungsdienste der Bundespost: Vorteile begrenzt

Spät kam sie - doch sie kommt -, die Bundespost mit ihren nunmehr zu vernünftigen Kosten nutzbaren Fernverarbeitungsdiensten. Am Zug sind nun die Anwender, die ja bislang nur Klage führten, Wählleitungs-Dialogverkehr über Bundesnetze wäre unerschwinglich. Von den Gebühren kommt die Post den Anwendern mit einer neuen Preispolitik entgegen. Aber immer noch bleiben Wünsche offen - und zugleich tauchen neue Rechenprobleme auf: Für den Anwender, der über ein wohlausgebautes Standleitungsnetz kommuniziert, bringen die neuen Dialogdienste keine wesentlichen Vorteile, wenn man außer Acht läßt, daß künftig durch eine Wählleitung ein offenes Netz entsteht und der Benutzer damit nicht mehr einem einzigen Hersteller "verbunden" ist. Wer aber nur unregelmäßig und für kurze Zeit Dialog benötigt, fährt durch die neue Regelung günstiger.

Wilhelm Hübner

Vorsitzender des Verbandes der Postbenutzer, Frankfurt

Zum 1, 4. 1978 tritt mit der Freigabe des EDS eine Erleichterung für Benutzer von HfD-Leitungen ein. Unter anderem hat der jetzt zum ersten Mal die Möglichkeit, Entstörungsleistungen der Deutschen Bundespost rund um die Uhr in Anspruch zu nehmen. Allerdings ist diese Inanspruchnahme nicht billig: Wer zusätzlich zu den Entstörungen tagsüber Leitungen in der Zeit zwischen 18.00 und 22.00 Uhr entstört haben möchte, muß dafür auch monatlich zusätzlich 120 Mark bezahlen. Der Anwender, der darüber hinaus auch am Sonntag und nachts HfD-Leitungen entstört haben möchte, muß insgesamt pro Monat 300 Mark dafür mehr bezahlen.

So erfreulich dies auf den ersten Blick scheint, so sehr muß man aber auch sehen, daß die Forderung, die Entstörungsleistungen durch den Teilnehmer bezahlen zu lassen, unangemessen ist. Denn man muß sehen, daß die Post hier den Teilnehmer für Fehler zahlen läßt, die sie selber zu verantworten hat. Auf eine solche Idee käme sicherlich kein anderer Lieferant und auch dafür gibt es Beispiele, wie etwa die Stromversorgung: Jedes Energieversorgungsunternehmen hält einen Entstörungsdienst rund um die Uhr bereit, aber kein Stromversorger kommt auf die Idee, den Abnehmer dafür auch noch finanziell zu belasten.

Friedemann Sièvi

Hauptgruppenleiter Deutsche Bundesbank, Frankfurt

Die Freigabe des EDS seitens der Deutschen Bundespost sowie die Reduzierung der Datex-Gebühren, die jetzt die Punkt-zu-Punkt-Verbindungen begünstigen, sind auf alle Fälle zu begrüßen. Interessant ist dieses Angebot vor allem für Anwender, die ein räumlich sehr weit verzweigtes Netz von Niederlassungen haben - hierbei ist der Einsatz von Standleitungen nicht besonders rentabel, da die HfD-Gebühren ab einer Entfernung von 100 Kilometern flach abfallen. Baut man ein Netz auf, in dem mehrere Einzelstrecken über 50 Kilometer betragen, ist es günstiger, diese wieder zum Hauptpunkt zurückzuführen, denn im anderen Fall sind die Einsparungen geringfügig. Punkt-zu-Punkt-Wählverbindungen sind auch für Anwendungen mit einem relativ geringem Datenvolumen zu bevorzugen.

Meiner Ansicht nach kommt die neue Preispolitik der Bundespost vor allem den Anwendern zugute, die derzeit noch kein DFÜ-Netz aufgebaut haben. Weniger betroffen davon sind diejenigen, die ihr Netz bereits mit Standleitungen aufgebaut haben und wirtschaftlich damit arbeiten können. Die Zielrichtung der Post geht sicherlich nicht dahin, mit dem EDS-Netz in ein Konkurrenzverhältnis zu bereits bestehenden Standleitungsverbindungen zu treten. Ihr Ziel ist vielmehr, diese Dienste Anwendern anzubieten, die mit einer solchen Konzeption erst beginnen wollen.

Probleme entstehen meiner Meinung nach allerdings für die Hersteller, die ihr Hardware-Marketing-Konzept in den letzten Jahren speziell auf Standleitungsnetze ausgerichtet haben.

Die meisten der heute realisierten Standleitungsnetze sind geschlossen - der Anwender hat also nicht "das Netz im Griff", sondern der jeweilige Hersteller den Anwender. Das wird sich ändern, wenn die Bundespost ein Wählnetz anbietet, in dem langfristig gesehen jeder mit jedem kommunizieren kann: Nach 1980 soll die Paket-Vermittlung (Package Switching) für Anwender bereitstehen. Das bedeutet, daß die Hersteller in Bezug auf die Hardware-Entwicklung umdenken müssen.

Peter Tennert

Leiter des Bereichs Forschung und Entwicklung, DATEV e. G., Nürnberg

Der Ausbau des EDS-Netzes der Deutschen Bundespost hat einen Stand erreicht, der es ihr als Datenfernverarbeitungs-Dienstleistungsunternehmen nunmehr gestattet, ihren DFV-Kunden die Benutzung dieses Netzes schmackhaft zu machen. Neben der schon angebotenen Geschwindigkeitsklasse 2400 Bit/Sec. werden in absehbarer Zeit ebenfalls die Geschwindigkeitsklassen 4800 Bit/Sec. und 9600 Bit/Sec. im EDS-Netz als Wählverbindungen zur Verfügung stehen.

Gegenüber gewohnten Übertragungsgeschwindigkeiten des Fernsprech-Wählnetzes bis zu 2400 Bit/Sec. haben diese neuen EDS-Dienste neben den wesentlich höheren Übertragungsgeschwindigkeiten weitere Vorteile, insbesondere den äußerst kurzen Verbindungsaufbau- und Verbindungsabbauzeiten.

Für die Dialoganwendungen mit Einzeldialog-Längen von wenigen Sekunden erscheinen diese neuen EDS-Dienstleistungen sehr vorteilhaft.

Um den Betrieb des EDS-Netzes für diese Geschwindigkeitsklassen rentabel zu gestalten, muß die Bundespost die Zahl der EDS-Anwender beträchtlich erhöhen sowie die EDS-Grundgebühren, in denen Anschluß und Übertragungseinheit (Modem) enthalten sind und die Anschaltgebühren für den laufenden DV-Betrieb kostenmäßig günstig ansetzen.

Die Gebührensenkungen, die für Datex-Betrieb innerhalb des EDS-Netzes nunmehr angeboten werden, sind im Interesse des weiteren Ausbaues bestehender sowie der positiven Impulse für neue DFV-Anwendungen aus Anwendersicht sehr zu begrüßen.

Gebührensenkungen müssen und können jedoch ebenso für die DFV auf dem Fernsprechwählnetz folgen, hierbei sind im wesentlichen die relativ hohen Modemgebühren zu korrigieren.

Für DFV-Anwender mit relativ geringem Übertragungsvolumen bleibt das Fernsprechwählnetz weiterhin sehr interessant insbesondere wegen der Mehrfachausnützung eines Anschlusses zur Datenfernübertragung und zum Telefonieren.

Für die zur Zeit etwa 2500 Datev-DFV- Anwender wird bis 1980 weiterhin das Fernsprechwählnetz der grundsätzliche Zugang zu den DFV-Dienstleistungen der Datev bleiben. Für das Datennetz der Datev werden die technisch und organisatorisch interessanten EDS-Hochgeschwindigkeitswählverbindungen schon 1979 in Kombination mit HfD-Strecken zum Einsatz kommen.